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Längere Elternzeit senkt das Depressionsrisiko, auch bei Vätern
Auch Väter können nach der Geburt ihres Kindes depressive Symptome entwickeln. Eine schwedische Langzeitstudie zeigt nun, dass 14 bis 40 Wochen Elternzeit mit deutlich geringeren Chancen für Depressionen verbunden sind als höchstens vier Wochen. Für kürzere oder noch längere Auszeiten fand sich dagegen kein statistisch gesicherter Vorteil.
Stockholm (Schweden). Psychische Belastungen rund um die Geburt wurden lange vor allem bei Müttern untersucht, obwohl auch Väter eine postnatale Depression entwickeln können. Ihre psychische Gesundheit kann sich zudem noch weit über die ersten Wochen nach der Geburt hinaus verändern. Forscher des Karolinska Institutet (KI) um Michael B. Wells haben nun untersucht, ob die Dauer der Elternzeit mit depressiven Symptomen von Vätern zusammenhängt.
Die Analyse basiert auf 746 schwedischen Vätern, deren Kinder zu Beginn der Untersuchung zwischen null und 24 Monate alt waren. Zwischen Dezember 2021 und Februar 2022 beantworteten die Männer Fragen zu depressiven Symptomen, bevor sie 18 Monate später erneut befragt wurden und auch ihre bisherige Elternzeit angaben.
Um mögliche Verzerrungen zu verringern, berücksichtigte das Team bereits vorhandene depressive Symptome, die Elternzeit der Mutter und sozioökonomische Faktoren. Auch die Qualität der gemeinsamen Elternschaft, die Bindung zum Kind und die Nutzung der Kindergesundheitsversorgung flossen in die statistischen Modelle ein.
Besonders auffällig war die Gruppe mit 14 bis 40 Wochen Elternzeit. Verglichen mit Vätern, die höchstens vier Wochen zu Hause geblieben waren, lag die bereinigte Odds Ratio für Depression bei 0,42, was rund 58 Prozent niedrigeren statistischen Chancen entspricht. Das 95-Prozent-Konfidenzintervall reichte von 0,22 bis 0,82 und lag damit vollständig unter dem Wert eins.
Bei fünf bis 13 Wochen Elternzeit zeigte sich dagegen kein statistisch gesicherter Vorteil gegenüber der Referenzgruppe, ebenso wenig bei 41 Wochen oder mehr. Die Daten sprechen deshalb nicht für eine einfache Regel, nach der jede zusätzliche Woche automatisch mit einer besseren psychischen Gesundheit verbunden wäre.
Die Schwelle von 14 Wochen ist im schwedischen System besonders interessant, denn für ein Kind stehen Eltern insgesamt 480 Tage Elterngeld zu. Bei zwei Eltern sind jeweils 90 einkommensbezogene Tage reserviert und können nicht auf den anderen Elternteil übertragen werden, was knapp 13 Wochen entspricht. Der statistische Zusammenhang trat damit erst in jener Gruppe auf, deren Elternzeit über diese reservierte Dauer hinausging.
Eine mögliche Erklärung sehen die Autoren in der längeren gemeinsamen Zeit von Vater und Kind, die eine engere Bindung und mehr Sicherheit in der Elternrolle fördern könnte. Auch stabilere Alltagsroutinen könnten psychisch entlasten, wobei die Beobachtungsstudie einen solchen Mechanismus nicht direkt geprüft hat.
Ebenso lässt sich die Richtung des Zusammenhangs nicht sicher bestimmen, weil die psychische Gesundheit der Väter möglicherweise beeinflusst, wie viel Elternzeit sie nehmen. Das Team versuchte diesen Effekt zu begrenzen, indem es depressive Symptome zu Beginn der Untersuchung statistisch berücksichtigte, doch unbeobachtete Unterschiede können weiterhin eine Rolle spielen.
Hinzu kommt, dass die Dauer der Elternzeit auf Selbstauskünften der Väter beruhte und daher Messfehler möglich sind. Die Untersuchung zeigt somit einen Zusammenhang, aber keinen Beweis dafür, dass längere Elternzeit Depressionen verhindert. Gerade der fehlende statistisch gesicherte Vorteil bei mehr als 40 Wochen unterstreicht, dass sich keine einfache Dosis-Wirkungs-Beziehung ableiten lässt.