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EWC-Chef Reichert: "E-Sport muss ein Aufstiegsversprechen geben"
In Paris ist der "Esports World Cup" zu Ende gegangen. Es ist das weltweit größte Multi-E-Sport-Event, veranstaltet von der saudi-arabischen "Esports Foundation". CEO Reichert über den Einfluss des Events auf die Branche und den Vorwurf des Sportswashings.
tagesschau.de: Herr Reichert, der "Esports World Cup" (EWC) fand in diesem Jahr zum dritten Mal statt. Wie hat sich das Event aus Ihrer Sicht in den E-Sport integriert?
Ralf Reichert: Im E-Sport gibt es viele Turniere, die aber immer nur für ein Spiel und eine Community gemacht sind: etwa die "IEM Cologne" für Counter-Strike oder die "Worlds" für League of Legends.
Die Idee des "Esports World Cup" war es, E-Sport auf das nächste Level zu bringen und die Gaming-Industrie dahinter zu vereinen. Mit 25 Turnieren in 24 verschiedenen Spielen decken wir fast die ganze Bandbreite der Gaming-Industrie ab. Durch den kurzfristigen Umzug nach Paris konnten wir den EWC erstmals internationalisieren: geboren in Riad, jetzt in die Welt gebracht.
tagesschau.de: In Bezug auf den "Esports World Cups" gibt es immer wieder den Vorwurf des so genannten "E-Sportswashings", also dass Saudi-Arabien mit der Ausrichtung des Wettbewerbs sein Image in der Welt aufbessern und von der Menschenrechtssituation im Land ablenken wolle. Wie blicken Sie auf diesen Vorwurf?
Reichert: Wer den Begriff "Sportswashing" kreiert, sagt damit: Ihr macht dieses Event gar nicht aus Interesse am Sport, sondern aus anderen Motiven. Dieser Logik folge ich nicht ganz. Wenn ein Event als "Sportswashing" negativ gelabelt ist, könnte es ja gar nicht mehr als positives Marketing funktionieren. Dann ist das System sozusagen von Anfang an kaputt. Deswegen tue ich mich mit diesem Argument schwer.
In Saudi-Arabien ist Gaming Teil der nationalen Strategie und wird stark unterstützt. Im Sommer kann man aufgrund der Hitze kaum etwas draußen machen, da ist Gaming ein logisches Hobby. 70 Prozent der Saudis sind Gamer. Und so wie hier in Deutschland gerne Fußball gespielt und in Fußballplätze investiert wird, wird dort in Gaming investiert.
Saudi-Arabien ist ein Land, das historisch auf einem ganz anderen Wertekanon basiert als Deutschland. Das ist kein Geheimnis. Was ich aber dort gesehen habe und weshalb ich diesen Job angenommen habe, ist, dass sich das Land in den letzten zehn Jahren mit einer Geschwindigkeit weiterentwickelt hat, die für deutsche Öffentlichkeit schwer wahrzunehmen und zu fassen ist.
Mein Argument ist daher immer: Kommt vorbei und schaut euch das an. Dann gehen nicht alle Vorurteile weg, und das ist auch okay. Aber die Realität vor Ort ist ganz anders als das Bild, das viele im Kopf haben. Ich sage: Seeing is believing.
tagesschau.de: Sie mussten den "Esports World Cup" aufgrund der Sicherheitslage im Nahen Osten innerhalb weniger Wochen von Saudi-Arabien nach Paris umziehen. Was war dafür nötig?