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Menschliche Schreie kommunizieren mindestens sechs Emotionen
Überraschende Priorität: Schreie gelten vor allem als Alarmsignale, doch unser Gehirn bevorzugt bei ihrer schnellen Einordnung offenbar nicht die bedrohlichen Varianten. In vier Experimenten erkannten Versuchspersonen nicht alarmierende und besonders positive Schreie schneller und oft genauer als Alarmrufe. Auch die Hirnaktivität und die Dynamik beteiligter Netzwerke fielen bei nicht alarmierenden Schreien stärker aus.
Zürich (Schweiz). Ein Schrei kann vor Schmerz, Angst oder Wut warnen, aber auch Freude, Vergnügen oder Traurigkeit ausdrücken. Gerade Alarmrufe galten lange als besonders wichtige Signale, weil eine schnelle Reaktion auf Gefahr einen unmittelbaren Überlebensvorteil bieten kann. Entsprechend lag die Vermutung nahe, dass unser Wahrnehmungssystem solche Schreie besonders rasch und zuverlässig unterscheidet.
Doch bei Menschen ist die Schrei-Kommunikation offenbar vielfältiger, und eine Reihe von Laborversuchen zeigt, dass nicht alarmierende Schreie in schnellen Entscheidungsaufgaben teilweise leichter verarbeitet werden als Alarmrufe. Der Vorteil war allerdings nicht in jeder Aufgabe und nicht für jede einzelne Schrei-Kombination gleich stark.
Forscher der Universität Zürich (UZH) um Prof. Dr. Sascha Frühholz haben dafür sechs emotionale Schrei-Typen untersucht. Schmerz, Wut und Angst wurden als Alarmrufe eingeordnet, Vergnügen, Traurigkeit und Freude als nicht alarmierende Schreie. Zwölf Versuchspersonen erzeugten die Laute nach vorgegebenen, vorgestellten Situationen, wodurch zusammen mit einer neutralen, intensiven Vokalisation 420 standardisierte Aufnahmen entstanden.
Eine weitere Gruppe von 23 Personen bewertete zunächst, wie alarmierend die einzelnen Schreie wirkten, und die sechs emotionalen Typen ließen sich auch akustisch voneinander unterscheiden. Für die folgenden Verhaltenstests wählten die Forscher jeweils 84 Aufnahmen aus, die auf 800 Millisekunden Dauer und die gleiche Lautstärke von 70 Dezibel normiert waren. Dadurch sollten Unterschiede in Lautstärke oder Aufnahmedauer die Vergleiche möglichst wenig verzerren.
„Überrascht hat uns, dass die Zuhörerinnen und Zuhörer auf nicht-alarmierende und positive Schreie rascher, genauer und hinsichtlich ihrer Hirnaktivität empfindlicher reagierten, als wenn die Probanden schreiend Alarm schlugen“, sagt Sascha Frühholz.
In einem ersten schnellen Kategorisierungstest ordneten 33 Personen die Aufnahmen sieben Kategorien zu. Eine unabhängige Wiederholung mit 29 weiteren Teilnehmern und einer anderen Auswahl von Schreien ergab ein ähnliches Muster. Alarmrufe wurden insgesamt langsamer eingeordnet und zeigten eine geringere Wahrnehmungssensitivität als nicht alarmierende Schreie.
Ein zweiter Schnelltest mit 35 Personen reduzierte die Auswahl jeweils auf zwei mögliche Schrei-Typen. Auch hier nahm die Reaktionszeit zu und die Treffergenauigkeit ab, wenn die Versuchspersonen zwischen Alarmrufen unterscheiden mussten. Nicht alarmierende und alarmierende Schreie waren insgesamt leichter auseinanderzuhalten als verschiedene Alarmrufe untereinander. Bei Fehlklassifikationen wählten die Teilnehmer allerdings häufiger eine Alarmkategorie, was weiterhin zu einer Sicherheitsstrategie bei Unsicherheit passen könnte.
Wichtig ist die Einschränkung: Bei einer selbstbestimmten, nicht beschleunigten Bewertung der Alarmwirkung zeigte sich dieser Verarbeitungsvorteil nicht. Die schlechtere Unterscheidung von Alarmrufen scheint daher an Situationen gebunden zu sein, in denen Menschen schnell entscheiden müssen. Zudem beruhte die Untersuchung auf im Labor erzeugten, gespielten Schreien und nicht auf spontan aufgenommenen Lauten aus realen Gefahrensituationen.
Im vierten Experiment hörten 30 weitere Personen dieselben ausgewählten Schreie während einer funktionellen Magnetresonanztomografie. Sie sollten dabei das Geschlecht der Stimme bestimmen und richteten ihre Aufmerksamkeit damit nicht ausdrücklich auf die Emotion. Trotzdem zeigten nicht alarmierende Schreie im Vergleich zu Al