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Bitkom-Studie: Milliarden-Schäden durch Cyberangriffe auf deutsche Unternehmen
Unternehmen sind stark von Cyberangriffen betroffen, so eine Bitkom-Studie. Verfassungsschutzpräsident Selen warnt vor dem Unterschätzen von Abhängigkeiten.
Die Zahl der Unternehmen, die sich sicher seien, angegriffen worden zu sein, sei gesunken – entsprechend auch der quantifizierbare Schaden. Das berichtet mit dem Bitkom der größte deutsche Wirtschaftsverband im Bereich Informationstechnologie. Grundlage der Zahlen ist eine Umfrage bei Unternehmen in Deutschland mit mehr als zehn Mitarbeitern.
Der konkret bezifferbare Schaden betrage zwischen 211 und 270,8 Milliarden Euro, erläutert Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst die Zahlen. Im Vorjahr hatte die Befragung des Bitkom noch 289,2 Milliarden Euro Schäden ergeben, die Summe läge damit wieder etwa auf dem Niveau von 2021. Insbesondere bei der Quantifizierung der Produktionsausfälle liegen die Unternehmensangaben 2026 deutlich unter denen des Vorjahres. Sie haben sich mehr als halbiert, von 73,3 Milliarden Euro im Vorjahr auf 36,5 Milliarden Euro in der diesjährigen Befragung. Allerdings wären die Gesamtkosten auch weiterhin im unteren dreistelligen Milliardenbereich. Die genannten Beträge enthalten unmittelbar mit dem Vorfall zusammenhängende Kosten, etwa für Produktionsausfälle oder „Erpressung mit gestohlenen Daten“. Ein relevanter Anteil der genannten Kosten entfällt zudem auf Rechtsstreitigkeiten, Datenschutzmaßnahmen oder Imageschäden.
Immer häufiger kämen Hinweise auf Cybersicherheitsvorfälle von den Behörden an die Unternehmen, die Kooperation sei inzwischen etabliert, so Bitkom-Präsident Wintergerst am Vormittag in Berlin. Ein Vertreter, dessen Behörde genau das auch als Aufgabe hat, saß bei der Vorstellung direkt neben dem Giesecke+Devrient-Chef: Sinan Selen, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Der ist für Spionageabwehr und Sabotageschutz zuständig.
Die Umfrage zeigt: 37 Prozent aller Unternehmen meinen, Angriffe staatlichen Akteuren zuordnen zu können. Die Umfrage schlüsselt nicht auf, bei welchen Herkunftsländern das der Fall ist, sondern nur, woher die Angriffe gekommen sein sollen: 52 Prozent hätten sie auf chinesische, 49 Prozent auf russische Angreifer und 9 Prozent auf den Iran zurückführen können. „Deutschland ist konfrontiert mit einer hohen Gefährdung, auch im Cyberraum“, so BfV-Präsident Selen. Die Gleichzeitigkeit und Bandbreite zeige, es gehe nicht um isolierte Einzelaktionen, sondern um Kampagnen – online wie offline. „Extreme Sorge“ bereite ihm die Zunahme staatlicher Akteure. Die Aktivitäten würden einer Agenda folgen – und die bedrohe Deutschland. Immerhin 27 Prozent meinen, dass Angriffe aus den USA gekommen seien.
KI sei „geradezu ein Booster für die Bedrohungslage“, sagte Selen. Die Investitionen in die Härtung von Systemen müssten dringend steigen statt zu stagnieren, wie es die Bitkom-Studie aufzeigte. Die Aufmerksamkeit der Vorstände von Unternehmen für die IT-Sicherheit müsse dringend weiter steigen, so Selen. Deepfakes und Robocalls seien im Angreifertrend, das Patchmanagement müsse angesichts der Herausforderung durch KI-Modelle beschleunigt werden. Das BfV habe etwa einen Vorfall, bei dem eine gesamte Angriffskampagne aus China KI-generiert gewesen sei. Damit sei in Zukunft häufiger zu rechnen, man stehe erst am Anfang einer Entwicklung. Es wäre jedenfalls bereits sehr viel gewonnen, „wenn wir anfangen würden, die bestehende Software vernünftig zu patchen“ und die Integrität bestehender Systeme zu gewährleisten. Einfach nur auf Open Source zu setzen sei nicht die Lösung. „Auch da gibt es Angriffsvektoren, die teilweise auch geradezu provoziert werden“, weshalb es einen Multi-Layer-Approach benötige, analysierte der Verfassungsschutzpräsident.
Staatlichen oder staatlich beauftragten Angreifern gehe es um eine Schwächung und eine Verunsicherung der Gesellschaften. Dysfunktionalität des Staates und des Westens wie etwa, dass der Staat keine Sicherheit mehr garantieren könne, sei Teil des Narrativs und der Kommunikationsstrat