// EUROGAMER.DE — GAMING
Cosmo Tales statt Arma und DayZ: „Wir wollen Spiele für Kinder entwickeln“ - Zdeněk Kvasnica im Interview
Das Roguelike von Bohemia Interactive geht völlig neue Wege. Neben dem charmanten Indie-Titel entstehen sogar eine eigene Kinder-Kreditkarte und ein Kinofilm
Cosmo Tales ist ein knuffiges Roguelike für Kinder – und völlig für Bohemia Interactive, die für Spiele wie DayZ und die Arma-Reihe bekannt sind. Es spielt sich aber angenehm flott; stellt euch vielleicht eine stark vereinfachte Version von Everspace 2 vor. Der Early-Access-Release ist für den 3. September 2026 via Steam geplant. Das Interessante ist aber erst, dass Bohemia daraus ein ganzes Projekt gemacht habt, bei dem es auch eine Kreditkarte mit einem Motiv aus dem Spiel für Kinder in Tschechien geben wird. Zudem haben sie einen Film für Planetarien produziert, der sich – wie das Spiel – ums Weltall dreht und einfache astronomische Grundlagen erklärt.
Zdeněk Kvasnica ist ein tschechischer Designer, Dozent und Project Lead (Executive Producer) bei Bohemia Interactive. Er leitet dort die Entwicklung von Cosmo Tales, einem neuen Weltraumspiel des Studios, sowie Bildungsprojekte wie Ylands EDU.
Eurogamer.de: Cosmo Tales fühlt sich für mich überhaupt nicht wie ein Spiel von Bohemia an. Zumindest, wenn man an die Spiele denkt, die ihr sonst so macht. Wie ist es dazu gekommen? Warum habt ihr euch entschieden, dieses Spiel zu machen?
Zdeněk Kvasnica: Eigentlich fing alles damit an, dass Marek Španěl, der Schöpfer und CEO von Bohemia Interactive, ein Studio gründen wollte. Es sollte etwas andere Spiele entwickeln, als man sie normalerweise von Bohemia kennt. Unser Auftrag lautete also: „Wir wollen Spiele für Kinder entwickeln“. Zu dieser Zeit haben wir uns getroffen. Marek hat mir den Plan vorgestellt und er hat uns wirklich gefallen. Cosmo Tales ist nun das erste Spiel dieser neuen strategischen Säule von Bohemia Interactive. Wir wollen künftig noch mehr Spiele in diesem Stil entwickeln und uns dabei hauptsächlich auf Kinder konzentrieren.
Eurogamer.de: Es gibt in Zusammenarbeit mit der Tschechische Sparkasse eine Kreditkarte für Kinder. Was hat es damit auf sich? Steckt da ein größeres Projekt dahinter?
Zdeněk Kvasnica: Die Česká spořitelna (Tschechische Sparkasse, die Kundenreichste Geschäftsbank in Tschechien) macht in Tschechien wirklich viele coole Sachen für und mit Entwicklerstudios. Es gab beispielsweise eine riesige Kampagne mit Kingdom Come: Deliverance und auch eine mit Mafia: The Old Country. Letztes Jahr waren wir dann mal ein Bier trinken und ich meinte, dass es doch extrem cool wäre, wenn Cosmo Tales eine ähnlich große Kampagne mit der Česká spořitelna bekommen würde.
Ich habe mich dann mit Jakub Kuneš in Verbindung gesetzt, der dort die gesamten Gaming-Kampagnen leitet. Er fand die Idee super, weil sie sich dieses Jahr ohnehin auf ein jüngeres Publikum – auf Kinder – konzentrieren wollten. Das passte also perfekt zu ihrer aktuellen Strategie. Wir haben uns zusammengesetzt und überlegt, was wir machen könnten. Er schlug vor, in Richtung finanzielle Bildung zu gehen. Wir wollten etwas erschaffen, das Kindern den Umgang mit Geld beibringt, aber gleichzeitig auch Spaß macht. Das war eigentlich der Anfang.
Sie wussten bereits, dass sie eine Kreditkarte herausbringen wollten. Das wird im Grunde ihre erste Kreditkarte speziell für Kinder sein. Sie leuchtet sogar, wenn man damit bezahlt, und das Design basiert auf den Grafiken von Cosmo Tales. Danach haben wir gemerkt, dass wir noch mehr machen wollen. Also haben wir ein Browserspiel entwickelt. Es ist eine Art Hommage an das alte Lunar Lander-Spiel. Man kann es aktuell auf der Website der Česká spořitelna spielen und dort Dinge wie Merchandise oder auch Steam-Keys für Cosmo Tales gewinnen.
Dann wurde uns allerdings klar, dass wir auch etwas erschaffen wollen, bei dem es nicht nur um Geld geht. Also haben wir uns mit der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) und dem Planetarium Prag zusammengesetzt. Wir sagten uns: Unser Spiel spielt zwar in einem eigenen Universum und bildet nicht direkt die Milchstraße ab