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Extremhitze ist mit mehr Gesundheitsproblemen verknüpft als gedacht
Versteckte Hitzefolgen: Eine groß angelegte Analyse von Notfall- und Akutbehandlungen in Chicago verknüpft extreme Hitze mit 33 Diagnosen, darunter Nierenprobleme, Hautbeschwerden und verschiedene Verletzungen. Der datengetriebene Ansatz soll gesundheitliche Folgen sichtbar machen, die in Krankenakten oft nicht ausdrücklich als hitzebedingt gekennzeichnet werden.
Chicago (U.S.A.). Hitzewellen bringen nicht nur klassische Fälle von Dehydrierung und Hitzschlag in die Notaufnahme. Hohe Temperaturen können den gesamten Körper belasten und zugleich Situationen begünstigen, in denen Verletzungen entstehen. Trotzdem wird Hitze in medizinischen Akten häufig nicht als möglicher Mitfaktor einer Diagnose erfasst.
Forscher der Northwestern University (NU) um Hyojung Jang haben deshalb untersucht, welche Diagnosen an besonders heißen Tagen häufiger in Notaufnahmen und Akutambulanzen auftauchen. Jang ist Corresponding Author der Studie und arbeitet in der Biostatistik der medizinischen Fakultät der Universität. Das Team wertete 916.904 Behandlungen von 372.140 Erwachsenen aus fünf Gesundheitssystemen in Chicago aus, die zwischen Mai und September der Jahre 2011 bis 2023 stattgefunden hatten.
Statt vorab nur bekannte hitzebedingte Erkrankungen auszuwählen, bezogen die Wissenschaftler 1.803 Diagnosekategorien in die Analyse ein. Dafür verknüpften sie elektronische Krankenakten des Chicago Area Patient-Centered Outcomes Research Network (CAPriCORN) mit hoch aufgelösten Temperaturdaten am Wohnort der Patienten. Als extreme Hitze galten Tageshöchstwerte ab rund 33,7 Grad Celsius, dem 95. Perzentil der warmen Jahreszeit. Im untersuchten Zeitraum gab es 100 solcher Tage.
Die Auswertung erfolgte in zwei Stufen. Zunächst suchte das Team breit nach Diagnosecodes, deren Häufigkeit mit steigenden Temperaturen zunahm. Anschließend wurden auffällige Signale mit einem zeitlich geschichteten Case-Crossover-Ansatz genauer geprüft. Die veröffentlichte Studienmitteilung nennt 33 Diagnosen, die mit extremer Hitze in Verbindung standen. Dazu gehörten neben klassischen Hitzefolgen auch Hautausschläge und Schwellungen, akutes Nierenversagen, Multiple Sklerose, psychische und verhaltensbezogene Störungen sowie verschiedene Verletzungen.
Jang warnt in der Studienmitteilung sinngemäß davor, die gesundheitliche Hitzebelastung zu unterschätzen, wenn die Überwachung nur auf die allgemein bekannten Hitzeerkrankungen schaut. Dadurch könnten besonders gefährdete Menschen und Gemeinschaften in der öffentlichen Gesundheitsvorsorge übersehen werden.
Besonders ungewöhnlich sind Signale aus dem Bereich der äußeren Ursachen. In der Studienmitteilung werden Insektenstiche, Verkehrsunfälle, tätliche Angriffe und Verletzungen im Zusammenhang mit Schusswaffen genannt. Solche Befunde bedeuten nicht, dass Hitze die jeweilige Diagnose unmittelbar verursacht. Sie zeigen zunächst, dass bestimmte Behandlungen an sehr heißen Tagen häufiger zusammen mit der gemessenen Temperatur auftreten.
Mitautor Daniel Horton verweist auf mögliche Verhaltensmechanismen. Frühere Forschung habe gezeigt, dass Menschen unter extremer Hitze aggressiver reagieren können. Zugleich belastet große Hitze Körper und Aufmerksamkeit. Beides könnte nach seiner Einschätzung zu mehr Konflikten oder Unfällen beitragen. Die Studie selbst kann solche Mechanismen jedoch nicht direkt nachweisen.
Auch bei körperlichen Erkrankungen zeigt sich ein breites Muster. Schon die öffentlich zugängliche Manuskriptfassung findet erhöhte Akutbehandlungen unter anderem bei Flüssigkeitsmangel, niedrigem Blutdruck, Ödemen und akutem Nierenversagen. Damit reicht das mögliche klinische Bild weit über die Diagnosen hinaus, die ausdrücklich als Hitzeschaden codiert werden.
Der Ansatz orientiert sich konzeptionell an genomweiten Assoziationsstudien. Dort wird nicht nur eine einzelne vorher festgelegte Variante untersucht, sondern systematisch eine große Zahl möglicher Zusammenhänge geprüft. Übertragen auf die Medizin suchten Jang und i