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Universität betreibt 20 Biocomputer mit lebenden menschlichen Nervenzellen
Ein Rack mit 20 biologischen Computern ist an der National University of Singapore in Betrieb gegangen. In den Geräten wachsen menschliche Nervenzellen auf Siliziumchips und tauschen über Elektroden Signale mit Software aus. Der Aufbau soll Forschung an biologischer Informationsverarbeitung und möglichen medizinischen Anwendungen ermöglichen, doch belastbare Leistungs- und Effizienzvergleiche mit herkömmlicher KI-Hardware fehlen bislang.
Singapur (Singapur). Computer bestehen normalerweise aus Halbleitern, Speicherbausteinen und Kühlsystemen, doch im Life Sciences Institute der National University of Singapore (NUS) kommt nun eine weitere Komponente hinzu. Dort arbeitet ein Forschungsrack mit 20 CL1-Systemen des australischen Unternehmens Cortical Labs, deren Rechensubstrat teilweise aus lebenden menschlichen Nervenzellen besteht.
Damit erreicht eine Entwicklung eine neue Stufe, nachdem bereits 2022 Neuronen in einer Kulturschale lernten, das Videospiel Pong zu steuern. Seit 2025 ist der CL1 als eigenständiges System verfügbar, zusätzlich bietet Cortical Labs über die Cortical Cloud Fernzugriff auf solche Zellnetzwerke an. Nun steht ein größerer Verbund außerhalb der vom Hersteller selbst betriebenen Infrastruktur in einem Universitätslabor.
Der neue Aufbau gehört zur Yong Loo Lin School of Medicine der NUS, die als NUS Medicine auftritt, und wurde gemeinsam mit Cortical Labs und dem Rechenzentrumsbetreiber DayOne entwickelt. Am 6. August 2026 demonstrierten die Partner den Prototypen mit 20 CL1-Einheiten und bezeichneten ihn als erstes unabhängig betriebenes, biologisch integriertes Serverrack dieser Art.
Jeder CL1 verbindet auf einem Siliziumchip kultivierte menschliche Neuronen mit einer elektrischen Schnittstelle, über die Elektroden die Zellkultur stimulieren und ihre Antworten auslesen. Eine Softwareumgebung von Cortical Labs übersetzt die Signale zwischen biologischem Netzwerk und digitaler Anwendung, während das integrierte Lebenserhaltungssystem die Zellkulturen nach Herstellerangaben bis zu sechs Monate funktionsfähig hält.
Den beiden Golem-Berichten zufolge enthält jedes Einzelsystem rund 800.000 menschliche Nervenzellen, die aus menschlichen Stammzellen erzeugt und am NUS Life Sciences Institute kultiviert werden. Dafür ist das Neurobiologielabor zuständig, denn die Wetware benötigt kontrollierte Kulturbedingungen und kann nicht wie gewöhnliche Hardware einfach in einem konventionellen Serverraum betrieben werden.
Die technische Grundlage reicht auf das frühere DishBrain-System von Cortical Labs zurück, bei dem 2022 menschliche und tierische Nervenzellen auf Mikroelektroden-Arrays mit einer simulierten Pong-Umgebung gekoppelt wurden. Die neuronalen Kulturen verbesserten ihre Leistung unter geschlossenem Feedback, während entsprechende Kontrollen diesen Lerneffekt nicht zeigten.
Der CL1 überführt dieses Prinzip in eine eigenständige Plattform mit eigener Aufzeichnung, Stimulation und Lebenserhaltung, mit der sich Reaktionen biologischer Netzwerke auf Informationen und wiederholte Aufgaben untersuchen lassen. Nach Angaben der Projektpartner kann das System außerdem für Krankheitsmodelle und Wirkstofftests eingesetzt werden, weil sich menschliche Neuronen direkt beobachten und elektrisch ansprechen lassen.
Die Zellen in Singapur werden unter Aufsicht von Prof. Rickie Patani von NUS Medicine kultiviert, der in der Verbindung von Neurobiologie und Technik vor allem eine neue experimentelle Plattform sieht.
„Diese Partnerschaft markiert einen echten Wandel darin, wie wir über Computertechnik und ihr breiteres wissenschaftliches Potenzial denken“, sagt Prof. Rickie Patani.