// HEISE ONLINE — HARDWARE & GADGET
DLSS-5-Mod ausprobiert: Warum die ganze Aufregung?
DLSS 5 kann per Mod schon ausprobiert werden. In „Kingdom Come Deliverance 2“ zeigt sich, welches Potenzial in der Technik steckt – und welche Probleme es gibt.
Heinrich von Skalitz in „Kingdom Come Deliverance 2“ mit aktivierter DLSS-5-Mod.
This article is also available in
English.
It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.
Was für ein Gezeter, was für ein Geschrei! Das Internet hat seine Meinung zu Nvidias KI-Technik DLSS, die Videospiele mithilfe eines generativen KI-Modells aufhübschen soll, längst geformt. Es stimmt, dass Nvidias Vorstellung auf der GTC etwas unglücklich ausgefallen ist. Sie zeigte annähernd fotorealistische Figuren aus einem KI-Fiebertraum, die felsenfest im Uncanny Valley feststeckten. Spätestens jetzt, wo man DLSS 5 als Mod ausprobieren kann, zeigt sich aber auch das Potenzial der Technik.
Dabei gibt es DLSS 5 noch gar nicht offiziell. Weil aber in der Early-Access-Version von „NBA 2K27“ die Bibliothek nvngx_dlssnr.dll steckte, haben Modder schon jetzt Wege gefunden, das neuronale Rendering von DLSS 5 bereits in viele DirectX-12-Spiele einzubauen. Konkret geht das mit einem vom Modder Lecram entwickelten Addon für das Modding-Tool RenoDX, das wiederum über die ReShade-Suite in Spiele eingebunden wird. Die Installation ist noch etwas hakelig, die Tools erscheinen gerade fast stündlich in neuen Versionen – das Interesse aus der PC-Community ist riesig. Voraussetzung ist eine Nvidia-Grafikkarte aus der Reihe RTX 30, 40 oder 50.
Heise online hat die geleakte Vorabfassung von DLSS 5 in „Kingdom Come Deliverance 2“ mit einer RTX 5080 ausprobiert. Der auffälligste Effekt zeigt sich, von den Gesichtern mal abgesehen, beim Shading: Ketten werfen kleine Schatten auf den Oberkörper, Töpfe und Kohlköpfe schattieren den Marktstand, Kleiderkragen verdunkeln den Hals. Pastinaken werfen feine Kontaktschatten, und Kohlköpfe sehen nicht mehr so aus, als würden sie in der Luft schweben. Die Umgebungsverdeckung gewinnt also enorm an Qualität, alles wirkt geerdeter.
Bei Spielfiguren zeigt sich derselbe Effekt: Der Kragen von Heinrichs Wams wirft einen Schatten auf den Hals, der ansonsten einfach flach ausgeleuchtet bleibt. Auch Stoffe wirken plastischer: Kleidung, Holz und Metall profitieren vom neuronalen Rendering. Wie positiv sich DLSS 5 auf das Aussehen auswirkt, hängt aber vom Spiel ab. In anderen Titeln zeigen Vergleichsscreenshots teilweise dramatisch veränderte Lichtbedingungen, die nicht immer vorteilhaft ausfallen. Zudem kann das Modell zum Überschärfen neigen. In „Kingdom Come Deliverance 2“ verbessert DLSS 5 aber im Großen und Ganzen die Umgebungsdarstellung.
Gerade die Darstellung von Gesichtern sorgte bei der Ankündigung von DLSS 5 für große Aufregung. Viele monierten, dass die Nvidia-KI die Antlitze von Spielfiguren doch arg supermodelig aussehen ließ. Schnell entbrannten endlose Diskussionen darüber, ob etwa Grace Ashcroft aus „Resident Evil Requiem“ schon vor dem DLSS-5-Pass Make-up trug oder nicht.
Die Mod-Version von DLSS 5 räumt diese Bedenken nicht aus. Je nach Einstellung kann man die Gesichter von Spielfiguren weiterhin so aussehen lassen, als kämen sie gerade aus der plastischen Chirurgie. DLSS 5 bietet in der RenoDX-Fassung drei Presets an, die offenbar von Nvidia selbst stammen. Das Default-Preset macht den neutralsten Eindruck: Es nimmt etwas Farbkraft heraus und sorgt in „Kingdom Come Deliverance 2“ für glaubhafte Gesichter, die nicht fehl am Platz wirken. Das Preset „Natural“ wirft diese Zurückhaltung komplett über Bord, „Cinematic“ liegt irgendwo dazwischen.
Wichtiger als die Presets selbst ist, dass sie sich bearbeiten lassen. Über Regler stellt man die Intensität des Effekts und das Ausmaß der Farbveränderung ein. So findet man recht einfach Kompromisse, die nicht übertrieben ausfallen und die Renderqualität trotzdem anheben. Diese Möglichkeit zur Feinsteuerung hatte Nvidia auch bei seiner DLSS-5-Vorführung auf der Siggra