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Shirin David kritisiert zu viel »Geheule« in ihrer Netflix-Doku »Barbara – Becoming Shirin David«
Wie viel Macht hat man über das, was über einen erzählt wird? Oft nicht allzu viel, würde Rapperin Shirin David, 31, womöglich auf diese Frage antworten. Vor einigen Monaten erschien eine Netflix-Doku über sie; nun hat die Musikerin offenbart, wie enttäuscht sie von dem Film ist. »Barbara – Becoming Shirin David« sei kein authentischer Film, sondern »vollkommen an den Haaren herbeigezogen«, schrieb David auf Instagram.
Die Doku, die im Frühjahr erschien, zeichnet Davids Werdegang nach – wie aus Barbara Shirin Davidavičius, Tochter einer alleinerziehenden Mutter aus Litauen, Shirin David wurde, eine der erfolgreichsten deutschen Künstlerinnen. Die Darstellung sei jedoch komplett verzerrt, beklagte David jetzt: »Was dabei zusammengeschnitten worden ist, ist nur das ›Leiden‹«, erklärte sie in einer Antwort während einer Instagram-Fragerunde. Der Film zeige zu viel »Geheule«, sie habe »mehr Tiefe, mehr Herkunft« erwartet, so die Musikerin weiter.
Sie sei von den zuständigen Netflix-Vertreterinnen immer wieder darum gebeten worden, »wirklich alles zu zeigen«, weil das Unternehmen behauptet habe, »Netflix-Doku-Geschichte schreiben« zu wollen, so David. »Es war wie ein Brainwash.« Sie sei dem nachgekommen, weil sie sich von der Anfrage geschmeichelt gefühlt und »weil ich denen vertraut habe«. Mittlerweile bereue sie das aber.
Die Zusammenarbeit mit dem Produktionsteam sei zwar gut gewesen, räumte die 31-Jährige ein. Regisseur und Marketing hätten allerdings »am Ende geschnitten und bestimmt«. Ihrer Darstellung nach habe sie, wie demnach bei Netflix üblich, jegliche Schnittrechte an der Produktion abgegeben, »weil es journalistische Arbeit sein soll«.
Dabei sei das, was ihr passiert ist, keineswegs die Ausnahme: »Ich denke, alle Frauen in DE (Deutschland, Anm. d. R.) wissen, wie Medien sie öffentlich darstellen unter dem Deckmantel, dass es ›authentisch‹ sein soll«, schrieb David weiter. Während Männer »für die Hälfte ihrer Leistung zelebriert« würden, wolle man bei erfolgreichen Frauen lieber Krisen oder Überforderung zeigen. Sie sei »so müde von dem immer selben Bild/Stereotypen einer Frau, die alte Medien ... über eine erfolgreiche Frau malen wollen.«
Das habe eine Kollegin von ihr ebenfalls bereits erlebt: »Helene hat btw nicht umsonst ihre Doku dort abgesagt«, erklärte David weiter. Vor zwei Jahren wurde bekannt, dass eine bereits abgedrehte Doku über Schlagerstar Helene Fischer nicht erscheinen wird.
Helene Fischer (l.) und Shirin David bei »Wetten, dass..?«
Sie selbst habe versucht, ihre Doku zurückzukaufen »und jeden Cent zurückzuzahlen«, das sei von Netflix aber abgelehnt worden, so David. Deshalb sei der Film erschienen, obwohl sie sich darin nicht wiederfinde.
Auf Anfrage der »Bild«-Zeitung reagierte das Streamingunternehmen mit einer unspezifischen Stellungnahme: »Unsere Talent-Dokumentationen erzählen die Geschichten, die durch den Zugang entstehen, den uns Künstlerinnen und Künstler im Rahmen einer Produktion ermöglichen.«
Auch der SPIEGEL ging mit »Barbara – Becoming Shirin David« hart ins Gericht. Die Doku erzähle »wirklich beeindruckend so gut wie gar nichts«, schrieb Kulturredakteur Arno Frank bei der Veröffentlichung. Lesen Sie hier seine Rezension.