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Erste Sonde zu einem anderen Stern soll 2029 nach Alpha Centauri starten
Eine US-amerikanische Nonprofit-Organisation will bis Ende 2029 eine kleine Sonde zu Alpha Centauri starten. Statt auf neue Antriebstechnik setzt das Projekt Fermi Explorer auf elektrische Triebwerke und eine extrem lange Reise von rund 77.500 Jahren. Der Plan ist jedoch noch vorläufig, und die technische Auslegung muss nach Angaben des Projekts unabhängig validiert werden.
Redmond (U.S.A.). Alpha Centauri ist rund 4,4 Lichtjahre entfernt und damit das der Sonne nächstgelegene Sternsystem. Selbst eine gezielt dorthin geschickte Sonde mit heutiger Antriebstechnik wäre deshalb viele zehntausend Jahre unterwegs. Die Voyager-Sonden haben zwar bereits den interstellaren Raum erreicht, wurden aber nicht auf einen bestimmten anderen Stern ausgerichtet.
Genau das will die am 1. September 2026 vorgestellte Fermi Explorer Mission versuchen. Die Organisation plant eine Sonde mit mindestens einem Kilogramm Nutzlast, die spätestens Ende 2029 starten und innerhalb von 80.000 Jahren mindestens 99 Prozent des Weges zu Alpha Centauri zurücklegen soll. Mitgründer und Präsident Philip Johnston beschreibt die ungewöhnliche Zeitplanung bewusst als Gegenentwurf zu deutlich schnelleren, technisch wesentlich anspruchsvolleren Konzepten.
„Wir werden die Ersten sein, die aufbrechen, und die Letzten, die ankommen“, sagt Philip Johnston.
Der bevorzugte Missionsplan setzt auf solarelektrische Ionentriebwerke und möglichst erprobte Raumfahrttechnik. Nach dem Start soll die Sonde ihre Bahn über Jahre verändern und bei wiederholten Passagen bis auf rund 0,42 Astronomische Einheiten an die Sonne herankommen. Dort liefern die Solarzellen mehr Leistung, sodass die Triebwerke die Bahnenergie besonders wirksam erhöhen können. Das Projekt bezeichnet dieses Vorgehen als Perihel-Pumpen.
Nach ungefähr zwölf bis vierzehn Jahren soll die mehrjährige Antriebs- und Bahnänderungsphase beendet sein. Die Sonde würde das Sonnensystem dann mit rund 24 Kilometern pro Sekunde verlassen und den weitaus größten Teil der Reise antriebslos zurücklegen. Nach den derzeitigen Rechnungen läge der nächste Vorbeiflug am Schwerpunkt von Alpha Centauri nach etwa 77.500 Jahren innerhalb von rund 0,044 Lichtjahren. Eine Umlaufbahn um einen Stern oder einen Planeten ist nicht vorgesehen.
Noch ist Fermi Explorer kein fertig ausgelegtes Raumfahrzeug. Der öffentlich zugängliche Missionsrechner des Projekts bezeichnet seine Ergebnisse ausdrücklich als vorläufige Größenordnungen und fordert eine unabhängige technische Validierung. Für eine dort durchgerechnete bevorzugte Architektur erscheint zudem ein Kostenwert in der Größenordnung von 16 Millionen US-Dollar. Das liegt etwas über dem offiziellen Projektziel von weniger als 15 Millionen US-Dollar.
Gleichzeitig erklärt die Organisation in ihrer FAQ, bereits ein Angebot eines US-amerikanischen Satellitenbus-Herstellers unterhalb dieser Grenze erhalten zu haben. Der Hersteller ist noch nicht ausgewählt, und auch die Finanzierung ist noch nicht vollständig abgeschlossen. Das Vorhaben befindet sich damit weiterhin in einer frühen Planungs- und Beschaffungsphase. Aussagen zu Kosten, Zeitplan und technischer Machbarkeit sind deshalb zunächst Angaben des Projekts und keine unabhängig bestätigten Leistungsnachweise.
Auch wissenschaftlich unterscheidet sich das Konzept von klassischen interplanetaren Missionen. Der Funkkontakt soll nach Angaben des Teams nur ungefähr 18 Monate bestehen, eine optische Verfolgung könnte länger möglich sein. Nach dem Verlassen des inneren Sonnensystems wäre die Sonde praktisch sich selbst überlassen. Daten von einer fernen Begegnung mit Alpha Centauri sollen daher nicht per Funk zur Erde zurückkommen. Johnston hofft stattdessen, dass spätere interstellare Reisende die Sonde abfangen.
„So werden wir die Daten zurückbekommen“, sagt Philip Johnston.