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Sidra 1.0 bringt Apple Music auf den Linux-Desktop
Sidra bringt Apple Music als vollwertige Desktopanwendung auf Linux
Apple Music gibt es offiziell für iOS, Android, Windows und macOS, nur nicht für Linux. Wer den Dienst auf dem freien Desktop nutzen will, landet im Browsertab oder bei Drittclients, die mehr versprechen, als sie auf Dauer halten. Sidra 1.0 von Martin Wimpress geht einen betont nüchternen Weg: Apples Webplayer bleibt, wie er ist, die Desktopintegration kommt von außen. Hinzu kommen native ARM64-Pakete und eine Controller-Navigation. Ich habe Version 1.0.0 getestet und mit dem Entwickler gesprochen, über Widevine, MPRIS, Projektphilosophie und die Frage, warum Linux-Nutzer auf Lossless verzichten müssen.
Wer Apple Music abonniert hat und am Linux-Rechner arbeitet, kennt das Provisorium: music.apple.com im Browsertab, ohne Medientasten, ohne Sperrbildschirmsteuerung, ohne Tray. Die bekannteste Abhilfe hieß jahrelang Cider, ein Client, der Apples Katalog in eine eigene Oberfläche verpackt. Auch Martin Wimpress hörte damit lange Zeit seine Musik. „Cider ist über die Jahre unter der Last immer neuer Features regelrecht zusammengebrochen“, erzählt er im Podcast Linux Matters, den er mit Alan Pope und Mark Johnson bestreitet, „am Ende fehlte ausgerechnet das Grundlegende, das ich will: Ich will Musik hören, und zwar zuverlässig.“ Audioaussetzer, wilde Lautstärkesprünge zwischen Titeln, plötzliche Abmeldungen vom Apple-Konto, irgendwann reichte es ihm. Wie schwer könne es schon sein, fragte sich Wimpress, einen Apple-Music-Client zu schreiben, der diese Dinge einfach nicht tut? Die Antwort, so viel sei verraten: schwerer als gedacht, aber machbar.
Wimpress ist in der Linux-Welt kein Unbekannter: Er hat Ubuntu MATE gegründet, kümmerte sich bei Canonical erst als Developer Advocate und Engineering Manager um Snapcraft und verantwortete zuletzt als Director of Engineering den Ubuntu Desktop. Um 2017 war er zudem Mitglied des Electron-Maintainer-Teams, vor allem für das Linux-Enablement, und half, Snap-Unterstützung in electron-builder und electron-forge zu bringen, just jenem Werkzeug, mit dem Sidra heute seine Pakete baut. Inzwischen arbeitet er beim Supply-Chain-Security-Unternehmen Chainguard. Sidra entstand dabei nicht als Prestigeprojekt, sondern aus Eigenbedarf. „Linux kam aus einem völlig eigennützigen Grund zuerst: Ich brauchte Sidra“, sagt er im Interview. Musik helfe ihm, sich über den Arbeitstag zu konzentrieren, also baute er den zuverlässigen Client, den er vermisste, und nutzte den Prototyp erst zwei Wochen täglich selbst, bevor die erste öffentliche Version erschien. macOS und Windows folgten später, teils, wie er zugibt, weil er „ein unverbesserlicher Achievement-Jäger“ sei, teils aus handfesten Gründen: Auf firmenverwalteten Macs etwa ist die native Musik-App an die vom Arbeitgeber vorgegebene Apple-ID gebunden, während sich Sidra auf Anwendungsebene mit dem privaten Konto anmeldet. Den Seitenhieb auf den Vorgänger trägt das Projekt offen im Untertitel: „A better class of Cider“, eine bessere Sorte Apfelwein also, Sidra ist das spanische Wort dafür.
Eine Grundsatzentscheidung unterscheidet Sidra von fast allen Vorgängern: Es baut keine eigene Oberfläche. Die Anwendung lädt Apples Webplayer in ein Electron-Fenster und lässt dessen komplette Bedienoberfläche unangetastet, inklusive Katalog, Empfehlungen, Mediathek und Suche. Was Sidra hinzufügt, sitzt an den Rändern: drei kleine Schaltflächen für Zurück, Vor und Neuladen in Apples Navigationsleiste, der Rest der Desktopfunktionen wohnt im AppIndicator. „‚Kein Firlefanz‘ heißt nicht ‚keine Features‘“, stellt Wimpress klar. Es heiße nur, dass er keine Paralleloberfläche um Apple Music herumbaue und niemandem Einstellungen für interne Technik zumute.
Sidra lässt sich außerdem mit einem Controller navigieren, ohne Apples Oberfläche nachzubauen. Mit einem Controller nach dem Standard-Gamepad-Schema wanderte das Steuerkreuz im Test durch die Oberfläche, A wählte das fokussierte Element aus, B kehrte zur vor