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Schwimmendes KI-Rechenzentrum soll Trinkwasser und Ökostrom produzieren
Ein geplantes Schiff soll vor Küsten zugleich Strom, Trinkwasser und Rechenleistung bereitstellen. Optimal Transit beziffert die Leistung des Blue Economy VITAL 100 MW Kraaken auf 40 Megawatt für das Land, 60 Megawatt für KI-Server und 30 Millionen Liter Frischwasser pro Tag. Gebaut oder im Maßstab von 100 Megawatt demonstriert ist das System bislang nicht.
Beaufort (U.S.A.). Rechenzentren benötigen große Mengen Strom und Kühlung, während Küstenregionen nach Katastrophen oft zusätzlich mit beschädigten Strom- und Wassernetzen kämpfen, weshalb Optimal Transit beide Probleme mit einer schwimmenden Infrastrukturplattform verbinden will. Die von InMar Technologies und OptiFuel Systems getragene Partnerschaft Optimal Transit hat dafür nun eine VITAL-Konfiguration des Kraaken vorgestellt, die Rechenzentrum, Kraftwerk und Entsalzungsanlage auf einem Schiff vereinen soll.
Das Konzept baut auf einer im Juli vorgestellten Familie schwimmender KI-Rechenzentren mit 10 bis 100 Megawatt auf. Für die neue 100-Megawatt-Variante soll ein Teil der Leistung nicht mehr für Server, sondern für die Versorgung an Land reserviert werden. Nach Angaben von Optimal Transit könnte das Schiff bis zu 40 Megawatt kontinuierlich ans Ufer liefern und zugleich 60 Megawatt Rechenleistung bereitstellen.
Zusätzlich soll eine Vakuum-Flash-Entsalzung täglich rund 30 Millionen Liter Frischwasser erzeugen, während Strom, Wasser und Daten über eine schnell trennbare Versorgungsverbindung an Land gelangen würden. Bei schwerem Wetter soll sich das Schiff nach Angaben des Unternehmens innerhalb weniger Stunden von seiner Verankerung lösen, ausweichen und später wieder anschließen können.
„Als wir Kraaken als Rechenzentrumsplattform vorstellten, präsentierten wir ein selbstversorgtes, emissionsfreies Schiff, das seine gesamte Kapazität der Rechenleistung widmen sollte“, erklärt Jeff Kline von InMar Technologies.
Die Plattform basiert auf einem sogenannten Small Waterplane Area Twin Hull, kurz SWATH, bei dem ein großer Teil des Auftriebs in zwei untergetauchten Rümpfen liegt und die Wasserlinienfläche klein bleibt. Für die größere Kraaken-Version nennt Optimal Transit eine Länge von rund 91 Metern.
Der entscheidende technische Baustein ist das von Optimal Transit als Digital Ocean Thermal bezeichnete Energiesystem, das die Temperaturdifferenz zwischen warmem Oberflächenwasser und kaltem Tiefenwasser nutzen und zusätzlich die Abwärme der Server in den thermischen Kreislauf einspeisen soll. Das Grundprinzip entspricht der Ocean Thermal Energy Conversion, kurz OTEC.
Das Grundprinzip von OTEC ist etabliert, arbeitet wegen der kleinen Temperaturdifferenzen aber mit niedrigen Wirkungsgraden. Die U.S. Energy Information Administration (EIA) nennt für solche Systeme typischerweise mindestens rund 20 Grad Celsius Temperaturunterschied zwischen warmem Oberflächenwasser und kaltem Tiefenwasser. Eine 2026 veröffentlichte Modellstudie für eine OTEC-Anlage mit 100 Megawatt Nettoleistung erreichte bei 700 Metern Kaltwassertiefe einen thermischen Wirkungsgrad von 3,75 Prozent.
Diese Werte sind kein Test des Kraaken, zeigen aber, warum Pumpen, Wärmetauscher und die Versorgung mit großen Mengen Tiefenwasser für Systeme dieser Größenordnung entscheidend sind. New Atlas weist zudem darauf hin, dass die öffentlich verfügbaren Unterlagen noch nicht erklären, wie die tiefe Kaltwasserzufuhr bei einem mobilen Schiff schnell getrennt und anschließend wieder verbunden werden soll.
Auch die Leistungsbilanz ist noch nicht öffentlich im Detail belegt, denn die angekündigten 40 Megawatt für das Land und 60 Megawatt für die Rechentechnik ergeben bereits die vollen 100 Megawatt. Entsalzung, Meerwasserpumpen und weitere Schiffssysteme benötigen ebenfalls Energie, doch wie diese Eigenverbräuche in der Nettoangabe berücksichtigt werden, geht aus den bisher veröffentlichten Unterlagen nicht hervor.