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Glücksgefühle-Festival: Alphaville-Song wird zur »Nationalhymne Hockenheims«
»Good Vibes Only« statt politischer Statements, so hätten es die Veranstalter des Glücksgefühle-Festivals auf dem Hockenheimring wohl gern gesehen. Doch das Hin und Her um die Ausladung der Band Alphaville scheint die meisten für das Festival gebuchten Musikerinnen und Musiker erst recht ermuntert zu haben, ein Zeichen zu setzen.
Auch motiviert durch die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, positionierten sich einige Künstler vor Ort gegen rechtsextreme Tendenzen, sprachen sich für Vielfalt und für Demokratie aus. Aus Sicht der Berliner Reggae-Gruppe Culcha Candela zum Beispiel wurden die diesjährigen Glücksgefühle »zum politischsten Festival Deutschlands«.
»Willkommen auf der politischen Veranstaltung«, rief DJ Felix Jaehn von der Bühne und spielte kurz vor der Landtagswahl unter anderem einen Anti-AfD-Song. Die Girlgroup No Angels trug T-Shirts mit der Aufschrift »FCK AFD«. Die AfD wird in Sachsen-Anhalt vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft.
Sänger Zartmann, der auf dem Hockenheimring den Abschluss seiner Tour feierte, nutzte seinen Auftritt für ein Statement gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Sexismus. Er werde sein Leben lang den Mund aufmachen, sagte er, »egal wo, egal wann, egal wie viele was dagegen haben«.
Alphaville hätten am Wochenende beim Festival auftreten sollen, einem der größten Musikfestivals in Deutschland. Die Organisatoren hatten zuvor erklärt, ihr Festival sei »keine Plattform für politische Äußerungen«. Da sich die Band bei einer früheren Veranstaltung mehrfach politisch geäußert hatte, wurde sie ausgeladen – und später wieder eingeladen. Sie akzeptierte die Entschuldigung der Veranstalter, verzichtete aber auf den Auftritt.
Mitveranstalter Markus Krampe bat um Entschuldigung und nannte die Entscheidung »superdämlich«. Er hätte es aber begrüßt, wenn die Band nach der Wiedereinladung aufgetreten wäre. »Dann hätten wir vielleicht auch ein Zeichen setzen können.« Der frühere Fußballstar und Mitorganisator Lukas Podolski stellte sich trotz der Kontroverse hinter seinen Partner: »Jeder macht irgendwie mal ein Missgeschick, einen Fehler im Leben.«
Alphaville-Sänger Marian Gold ließ das nicht gelten. »Was die Festivalmacher durchsetzen wollten, ist Beschneidung«, sagte der 72-Jährige dem SPIEGEL. »Man kann als Veranstalter nicht einfach bestimmte Dinge ausblenden, weil die einem am Künstler nicht passen.« (Lesen Sie hier das ganze Interview .)
Als Folge des Streits erlebte der über 40 Jahre alte Alphaville-Hit »Forever Young« ein kleines Comeback: Mehrere Musiker spielten den Song auf dem Hockenheimring. Der britische Singer-Songwriter Tom Gregory begann sein Set damit, Deutschpop-Barde Max Giesinger nahm den Song in seinen letzten Auftritt vor der angekündigten längeren Pause auf, und Rapperin Nura spielte ihn an.
Der französische Star-DJ David Guetta baute »Forever Young«, das er 2024 gecovert hat, am späten Samstagabend in sein Set ein, und etwa hunderttausend Fans sangen mit. Sänger Mark Forster nannte den Alphaville-Song die »Nationalhymne Hockenheims«.
Insgesamt kamen nach Angaben der Veranstalter rund 250.000 Menschen zur vierten Auflage des Festivals, das nun vorbei ist.