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Verrät der Stammbaum, welche Vögel für H5N1 anfällig sind?
Welche Wildvögel trifft die Vogelgrippe H5N1 besonders hart? Eine globale Auswertung von Krankheitsmeldungen zeigt, dass die Zugehörigkeit zu bestimmten Vogelfamilien die Anfälligkeit besser vorhersagt als grobe Merkmale wie Lebensraum, Nahrung oder Schwarmverhalten. Für Australien lagen vor der ersten Einschleppung vor allem Tölpel, Kraniche, Schlangenhalsvögel, Entenvögel und Möwenverwandte weit vorn.
Geelong (Australien). Die hochpathogene Vogelgrippe (HPAI) H5N1 der Klade 2.3.4.4b hat sich seit 2021 weltweit unter Wildvögeln ausgebreitet, doch Australien blieb lange von dieser weltweiten Tierseuche verschont. Das änderte sich im Juni 2026 mit dem ersten Nachweis, auf den Funde bei heimischen Seevögeln und später auch bei Säugetieren folgten.
Damit ist die Frage besonders aktuell, welche australischen Vogelarten bei weiterer Ausbreitung besonders anfällig für Erkrankungen sein könnten und welche Merkmale dafür die beste Vorhersage liefern. Naheliegend wären ein Leben am Wasser, gemeinsames Rasten in großen Gruppen oder bestimmte Ernährungsweisen, doch ob solche Eigenschaften das Risiko global zuverlässig erklären, war bislang unklar.
Forscher der Deakin University um Dr. Sara Ryding haben dafür weltweite Meldungen aus dem World Animal Health Information System (WAHIS) der World Organisation for Animal Health (WOAH) ausgewertet. Berücksichtigt wurden HPAI-Meldungen seit Oktober 2021, wobei die zugrunde liegenden Daten am 16. Februar 2026 abgerufen wurden.
Eine solche Meldung kann einen einzelnen oder mehrere Vögel betreffen und sowohl Umweltproben als auch lebende, kranke oder tote Tiere umfassen. Rund 97 Prozent der Meldungen seit Oktober 2021 berichteten jedoch Todesfälle für Arten mit Ausbruchsmeldungen, weshalb die Forscher die Zahl der Meldungen als Näherung für die Anfälligkeit gegenüber Erkrankungen durch H5N1 nutzten.
Das Team verglich ein Modell mit der stammesgeschichtlichen Verwandtschaft auf Ebene der Vogelfamilien mit Modellen, die zusätzlich Lebensraum, Nahrung und Schwarmverhalten berücksichtigten. Dabei zeigte sich ein deutlicher phylogenetischer Zusammenhang mit einem geschätzten Pagel-Wert λ von 0,56 und einem 95-Prozent-Intervall von 0,22 bis 0,84. Die drei groben ökologischen Merkmale verbesserten die Vorhersage hingegen nicht signifikant.
Für Australien sagte das Modell die höchsten Werte für Tölpel aus der Familie Sulidae voraus, gefolgt von Kranichen, Schlangenhalsvögeln, Entenvögeln sowie Möwen und Seeschwalben aus der Familie Laridae. Auch Pelikane, Rabenvögel und mehrere Greifvogelfamilien lagen vergleichsweise hoch.
Für Sulidae ergab das Modell 74 vorhergesagte Meldungen, für Kraniche 58, für Schlangenhalsvögel 51, für Entenvögel 46 und für Laridae 43. Diese Werte sind keine Prognose realer Fallzahlen, sondern ein einheitlicher Modellindikator, mit dem die Forscher Familien anhand der global beobachteten Meldemuster vergleichen.
Der reale Ausbruch in Australien bietet nun erstmals die Möglichkeit, solche Vorhersagen mit Beobachtungen zu vergleichen. Auffällig ist, dass 2026 zahlreiche Nachweise bei Eilseeschwalben gemeldet wurden, also bei Vertretern der im Modell hoch eingestuften Laridae. Das ist noch keine formale Bestätigung der Modellprognose, weil Ausbreitung, Überwachung und Stichprobennahme die beobachteten Nachweise erheblich beeinflussen.
Dass Lebensraum, Ernährung und Schwarmverhalten das statistische Modell nicht verbesserten, bedeutet nach Ansicht der Autoren nicht, dass diese Merkmale bedeutungslos sind. Viele davon ähneln sich innerhalb einer Vogelfamilie und können deshalb bereits indirekt in der stammesgeschichtlichen Zuordnung stecken, während einzelne Arten trotzdem deutlich von den typischen Eigenschaften ihrer Verwandten abweichen können.