// HEISE ONLINE — INTELLIGENZA ARTIFICIALE
Drei Milliarden für Mistral: Europas KI-Hoffnung will zur Spitze aufschließen
Mit drei Milliarden Euro will Mistral wieder leistungsfähigere Modelle trainieren und seine Rolle als europäischer KI-Infrastrukturanbieter ausbauen.
Das französische KI-Unternehmen Mistral hat in einer Serie-D-Finanzierungsrunde drei Milliarden Euro eingesammelt. Die Bewertung des drei Jahre alten Unternehmens steigt damit auf mehr als 21 Milliarden Euro. Mistral zufolge handelt es sich um die bislang größte Eigenkapital-Finanzierungsrunde eines europäischen Technologieunternehmens.
Angeführt wird die Runde von Samsung Electronics. Als weitere federführende Investoren beteiligen sich der Scaleup Europe Fund sowie der bisherige Investor PSG Equity. Wieder dabei sind auch der niederländische Halbleiterausrüster ASML, der im vergangenen Jahr Mistrals Serie-C-Finanzierung angeführt hatte, Nvidia sowie die bekannten Risikokapitalgeber Andreessen Horowitz, General Catalyst und Lightspeed. Microsoft beteiligte sich laut Reuters nicht an der Runde, obwohl der Konzern erst im Juli einen milliardenschweren Infrastrukturdeal mit Mistral angekündigt hatte.
Seit seiner Gründung hat Mistral damit rund 5,8 Milliarden Euro in Euro eingesammelt. Im März kamen zudem 830 Millionen US-Dollar an Schuldenfinanzierung für den Ausbau der eigenen KI-Infrastruktur hinzu.
Das frische Kapital will Mistral vor allem in Forschung und Rechenkapazität investieren. Die Frontier-Forschung werde deutlich ausgeweitet, zugleich sollen Infrastruktur und Rechenkapazität für das Training leistungsfähiger Modelle wachsen und die internationale Expansion beschleunigt werden.
Mistral hat mittlerweile den Anschluss an die leistungsfähigsten US-Modelle verloren. Das jüngste Modell Mistral Medium 3.5 erschien Ende April und rangiert im aktuellen Intelligence Index von Artificial Analysis auf den hinteren Plätzen. Wohl auch deswegen bietet Mistral inzwischen das chinesische Open-Weight-Modell GLM-5.2 von Z.ai auf der eigenen Infrastruktur an.
Gegenüber der Financial Times bezeichnete CEO Arthur Mensch den Zugang zu Rechenleistung als „kritischen Engpass“. Mit dem frischen Kapital werde Mistral über eine Rechenkapazität verfügen, die mit jener chinesischer KI-Labore vergleichbar sei. Die Finanzierung soll es Mistral ermöglichen, beim Training von Spitzenmodellen wieder aufzuschließen. Das Unternehmen will seine europäische Rechenkapazität bis Ende 2027 auf 200 MW und bis 2030 auf bis zu ein Gigawatt ausbauen.
Der Ausbau eigener Rechenkapazität ist Teil eines größeren Strategiewechsels, der über das reine Modellrennen hinausgeht. Mistral positioniert sich in der Ankündigung als europäischer Komplettanbieter mit offenen Modellen, eigener Infrastruktur und Unternehmensprodukten. Kunden sollen dabei Kontrolle über Daten, Modelle, Verarbeitungsort und verfügbare Rechenkapazität behalten und sich nicht dauerhaft an Preise oder Infrastruktur eines einzelnen Anbieters binden müssen.
Mistral ist inzwischen in 20 Ländern aktiv und arbeitet nach eigenen Angaben mit mehr als 125 Unternehmen weltweit. Besonders stark wachse die Kundenbasis derzeit in Asien und Nordamerika. Laut Finanzvorstand Johan Bergqvist steuert Mistral bis Jahresende auf einen wiederkehrenden Jahresumsatz von einer Milliarde US-Dollar zu. Auch bei Cybersecurity verzeichne Mistral wachsende Nachfrage, insbesondere von europäischen Banken. Gegenüber der Financial Times kritisiert CEO Arthur Mensch US-Anbieter scharf und wirft der Branche sinngemäß vor, „Nachlässigkeit zum Marketing“ zu machen.
Trotz der europäischen Rekordrunde bleibt der finanzielle Abstand zur US-Konkurrenz enorm: OpenAI wird aktuell mit 852 Milliarden US-Dollar bewertet, Anthropic mit 965 Milliarden US-Dollar. Umso wichtiger sind für Mistral finanzkräftige strategische Partner wie Microsoft, Samsung und ASML. Laut Financial Times will Samsung Mistrals KI zugleich einsetzen, um seine eigene Chipfertigung zu verbessern. Samsung-Halbleiterchef Young Hyun Jun bezeichnete die Finanzierung als Grundlage für eine langfristige Zusammenarbeit.