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Röntgenquelle Bessy II erzielt mehr als das Zehnfache ihrer Kosten als Gewinn
Die Röntgenquelle BESSY II hat Berlin laut einer neuen Wirkungsanalyse deutlich mehr wirtschaftliche Aktivität gebracht, als das Land an Grundmitteln beisteuerte. 58 Millionen Euro Landesmittel zwischen 2010 und 2022 stehen demnach rund 600 Millionen Euro Bruttowertschöpfung in Berlin gegenüber. Auch für die geplante Nachfolgequelle BESSY III prognostiziert DIW Econ hohe Effekte.
Berlin (Deutschland). Große Forschungsanlagen sind teuer, zugleich lässt sich ihr Nutzen oft nur schwer in Geld ausdrücken. Für BESSY II in Berlin-Adlershof liegt nun eine sozioökonomische Wirkungsanalyse vor, die wissenschaftliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Effekte zusammenführt. Das Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie (HZB) betreibt die Röntgenquelle seit 1998 und verzeichnet nach eigenen Angaben im Mittel rund 2.700 Forschungsbesuche pro Jahr.
An BESSY II untersuchen Wissenschaftler mit brillanter Röntgenstrahlung elektronische Strukturen und Reaktionen in Materialien. Solche Messungen dienen unter anderem der Energie-, Material- und Gesundheitsforschung. Die neue Analyse wurde von der DIW Econ GmbH erstellt, einer Beratungstochter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Berlin, und betrachtet den Zeitraum 2010 bis 2022.
Zwischen 2010 und 2022 steuerte das Land Berlin 58 Millionen Euro zu den Grundmitteln von BESSY II bei. Die Analyse ordnet diesen Mitteln rund 600 Millionen Euro Bruttowertschöpfung in Berlin zu. Der oft genannte Faktor zehn bezeichnet damit keinen Gewinn oder direkten Rückfluss an den Landeshaushalt, sondern das Verhältnis zwischen öffentlichem Mitteleinsatz und der ermittelten regionalen Wertschöpfung.
Separat beziffert DIW Econ die Berliner Steuereinnahmen im betrachteten Zeitraum auf 60 Millionen Euro und damit auf etwas mehr als die Landesmittel. Bund und Land stellten zusammen rund 600 Millionen Euro Grundmittel bereit. Diesen Mitteln ordnet die Analyse deutschlandweit rund eine Milliarde Euro Bruttowertschöpfung zu. Werden zusätzlich die untersuchten Nachfrage- und Angebotseffekte berücksichtigt, liegt der gesamtwirtschaftliche Effekt laut Analyse bei rund dem Dreifachen der öffentlichen Mittel.
Die Berechnung beschränkt sich nicht auf unmittelbar messbare Wirtschaftsgrößen. Auf der Nachfrageseite berücksichtigt die Analyse Bruttowertschöpfung, Erwerbstätigkeit und öffentliche Einnahmen. Auf der Angebotsseite fließen neue wissenschaftliche Erkenntnisse, die Entwicklung von Fachkräften und Ausstrahlungseffekte in Unternehmen ein. Ergänzend wurden Fallstudien von Firmen ausgewertet, die BESSY II als Nutzer oder Zulieferer einbeziehen.
Als Beispiele nennt die Analyse die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) und die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), die eigene Strahlrohre an BESSY nutzen. Die PTB unterstützt mit solchen Messmöglichkeiten nach Angaben des HZB unter anderem ASML und Zeiss SMT bei der Weiterentwicklung der EUV-Lithografie für moderne Halbleiterfertigung. Damit reicht die untersuchte Wirkung über den unmittelbaren Betrieb der Röntgenquelle hinaus.
Für die Nachfolgequelle BESSY III ist die Wirkungsanalyse eine Prognose und keine Bilanz bereits eingetretener Effekte. Das HZB bezeichnet das Vorhaben auf seiner aktuellen Projektseite als Nachfolgequelle in Planung und strebt eine Inbetriebnahme Mitte der 2030er Jahre an. Das Projektteam will 2028 die Aufnahme in die nationale Roadmap für große Forschungsinfrastrukturen beantragen, um die Finanzierung zu sichern.
„Unser Ziel ist es auf dieser nationalen Roadmap zu sein, um die Finanzierung von BESSY III zu sichern!“, sagt Prof. Dr. Andreas Jankowiak, technischer Projektleiter von BESSY III am HZB.
Für den Bau von BESSY III setzt DIW Econ inflationsbereinigte Kosten von rund 900 Millionen Euro auf Preisbasis 2020 an und prognostiziert eine Bruttowertschöpfung in ähnlicher Größenordnung. Rund 300 Millionen Euro davon sollen in Berlin verbleiben. In der Bauphase könnten in der Spitze mehr als 1.600