// TAGESSCHAU WIRTSCHAFT — FINANZA
Zugewanderte Pflegekräfte: Abschiebung trotz Personalmangels?
In Deutschland gibt es zu wenig Personal, um alte Menschen zu pflegen. Manche ausländischen Hilfskräfte sind in Einrichtungen fest eingeplant - und sollen Deutschland trotzdem wieder verlassen.
Sertac Akcay möchte eine Ausbildung zum Pflegefachassistenten machen. Der Türke wohnt in Ansbach und arbeitet im Seniorenheim Haus an der Ludwigshöhe des Trägers Korian. Doch Akcay darf nicht. Denn sein Asylantrag wurde abgelehnt. Und "einem abgelehnten Asylbewerber kann keine Erwerbstätigkeit und somit auch keine Ausbildung erlaubt werden", begründet die zuständige Regierung von Mittelfranken.
Dabei brauchen die bayerischen Pflegeeinrichtungen dringend mehr Menschen wie Akcay. Denn die Fachkräfte werden immer weniger - und die Bewohner immer mehr.
Die Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Staffler, versichert: Man werde die Kassen nicht pleitegehen lassen.
mehr
"Mir ist es wichtig, dass es alten Menschen gut geht. Das ist meine Bestimmung", sagt Sertac Akcay. Gewichtige Worte, doch im Alltag zeigt Akcay, dass er sie lebt. Bei den Bewohnern ist er sehr beliebt. Er stützt, cremt und wäscht. Er lächelt, wartet und hört zu. "Er ist meine Nummer eins", sagt Helga Holik. Sie liegt im Bett, Akcay schneidet ihr eine Kartoffel klein. Doch bald muss sie womöglich auf ihren Lieblingshelfer verzichten.
Sertac Akcay kommt aus der Türkei und ist aus politischen Gründen geflohen. Doch die Türkei gilt als sicheres Herkunftsland, sein Asylantrag wurde vom Gericht abgelehnt. Aktuell arbeitet Akcay als ungelernte Pflegehilfskraft. Schon jetzt hat laut der Bundesagentur für Arbeit jeder vierte Mitarbeiter im Altenheim eine ausländische Staatsangehörigkeit.
Die Pflegekassen haben im ersten Halbjahr ein Minus von 770 Millionen Euro eingefahren.
mehr
Der Bedarf an Pflegefachassistenzkräften sei riesengroß, sagt Bettina Plettl, stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) in Bayern. In ein paar Jahren werde es in Bayern knapp ein Viertel weniger Pflegekräfte geben als jetzt.
Die Fachassistenzkräfte, die oft aus dem Ausland kommen, könnten das ein wenig abfedern. Mit der Ausbildung übernehmen sie leichtere Pflege-Tätigkeiten wie etwa die Körperpflege und die Gabe von Medikamenten. Allerdings definiert die Agentur für Arbeit die Pflegefachassistenz nicht als Mangelberuf - also als einen, bei dem der Bedarf an Kräften nicht gedeckt werden kann.
Das deutsche Gesundheitssystem wäre ohne internationale Pflegekräfte aufgeschmissen.
mehr