// SPIEGEL KULTUR — MODA & SOCIETÀ
Smithsonian: Chef Lonnie Bunch kündigt Rücktritt an
Am 4. Juli, dem Tag, an dem in den Vereinigten Staaten die Unabhängigkeit gefeiert wird, die sich in diesem Jahr zum 250. Mal jährte, veröffentlichte der Rat für Innenpolitik des Weißen Hauses einen Bericht . Darin schlugen Donald Trumps innenpolitische Berater vor, dass vor den Geschichtsmuseen der Smithsonian Institution Schilder aufgestellt werden sollten: »Warnung: Die Ausstellungsstücke in diesem Museum wurden von Menschen zusammengestellt, die nicht wollen, dass Sie Ihr Land lieben«.
Es war ein neuer Höhepunkt der regelmäßigen Attacken, mit denen das Weiße Haus die renommierte Museumsinstitution seit Trumps Rückkehr ins Präsidentenamt überzieht. Die Regierung wirft den Smithsonian-Museen eine verzerrte und spaltende Darstellung der US-Geschichte vor. Nun hat der leitende Sekretär des Smithsonian, Lonnie Bunch seinen Rücktritt zum Ende des Jahres angekündigt. Er verlasse das Amt »mit sehr gemischten Gefühlen und tief empfundener Dankbarkeit«, sagte er in einer Pressemitteilung.
Der Historiker, Kurator und Autor leitete das Smithsonian seit 2019 als Sekretär. Unter Präsident Trump galt Bunch als Diplomat, der die schwierigen Beziehungen zur Regierung meisterte, während er die 21 Museen und Galerien, 20 Bibliotheken, den Nationalzoo sowie eine Reihe von Forschungs- und Bildungszentren des Smithsonian leitete. Zuvor hatte Lonnie Bunch, der erste schwarze Sekretär seit Gründung 1846, das National Museum of African American History and Culture des Smithsonian entwickelt und 2016 eröffnet. Dieses Museum wurde von Trump verunglimpft und stand bei Konservativen von Anfang an in der Kritik.
Bunch-Projekt National Museum of African American History and Culture
»Es ist Zeit für mein nächstes Kapitel«, erklärte der 73-jährige Bunch in der Stellungnahme. Er hoffe, in Zukunft die Integrität des Smithsonian weiter schützen zu können. Er wolle weiterhin zeigen, wie wichtig eine Geschichtsdarstellung sei, »in der die komplexe Geschichte unserer Nation beleuchtet und gewürdigt wird«.
Trump-Porträt in der National Portrait Gallery: Chefkritiker im Weißen Haus
Präsident Trump hatte vor gut einem Jahr auf Truth Social geschrieben, das Smithsonian sei »AUSSER KONTROLLE«. Es werde dort »ausschließlich darüber gesprochen, wie schrecklich unser Land sei, wie schlimm die Sklaverei gewesen sei und wie erfolglos die Unterdrückten gewesen seien – nichts über Erfolg, nichts über Brillanz, nichts über die Zukunft«. Schon im März 2025 hatte Trump ein Dekret zu »Wiederherstellung von Wahrheit und Vernunft in der amerikanischen Geschichte« unterschrieben. Im August veröffentlichte das Weiße Haus eine lange und bemerkenswert detaillierte Liste unerwünschter Objekte und Ausstellungen.
Der »New York Times« sagte Bunch in einem Abschiedsinterview , der Druck aus dem Weißen Haus habe nicht zu seinem Rücktritt geführt. Er sehe sich als Kämpfer. Aber: »Ich muss zugeben, es war stressig. Und irgendwann möchte ich morgens aufwachen und nicht auf mein Handy schauen müssen«, sagte er der Zeitung.
Die Smithsonian Institution wird größtenteils mit staatlichen Mitteln finanziert, die der US-Kongress bereitstellt. Da sie außerhalb der Exekutive agiert, hat Präsident Trump nicht die Befugnis, Führungskräfte so zügig zu entlassen, wie er es bei anderen führenden Kulturinstitutionen in Washington getan hat – insbesondere beim Kennedy Center. Die Museumsdirektoren unterstehen Bunch. Dieser unterliegt wiederum der Aufsicht eines Kuratoriums, dem neben Vizepräsident JD Vance und dem Vorsitzenden des Obersten Gerichtshofs, John Roberts, auch eine Gruppe von Abgeordneten beider Parteien sowie sogenannte Bürgerkuratoren angehören.