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Kommentar: Auf Lücke gespielt - was in Berlin den Rhysida-Angriff begünstigte
Berlin hat bei der IT-Sicherheit geschlampt. Den Angreifern hat über Jahrzehnte gewachsene und nur halbherzig modernisierte IT in die Karten gespielt.
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Um eines vorweg zu sagen: Dass die Berliner Landesverwaltung erfolgreich angegriffen wurde und dabei in Form eines Phishing-Opfers auch mindestens einen unwissenden Helfer gehabt haben muss, ist erst einmal kein Zeichen besonderer Berlinigkeit. Das hätte grundsätzlich in jedem Netzwerk eines Unternehmens oder einer Organisation passieren können. Auch andere Sachverhalte wie Passwortsammlungen als Klartextdokumente sind zwar übel. Aber auch sie sind keine Besonderheit der Berliner Verwaltung, sondern häufiger anzutreffen, als jedem sicherheitsbewussten Menschen lieb sein kann.
Falk Steiner ist Journalist in Berlin. Er ist als Autor für heise online, Tageszeitungen, Fachnewsletter sowie Magazine tätig und berichtet unter anderem über die Digitalpolitik im Bund und der EU.
Dennoch ist der Berliner Vorfall ein Musterbeispiel dafür, wie es 2026 einfach nicht mehr laufen dürfte – selbst wenn es vor wenigen Jahren noch viel schlimmer war. Der Vorfall zeigt auf, dass zwar viel über IT-Sicherheit, Angreifer, Beschaffung und Sicherheitslücken geredet wird. Konsequentes Handeln ist aber nach wie vor eine Ausnahme.
Berlin ist IT-technisch weit weg vom Soll. Das hat Gründe, unter anderem die ganz besondere Verwaltungsgliederung. Die Hauptstadt ist ein Stadtstaat – somit gibt es eine Landesebene, die zugleich eine große Einheitskommune ist. Teile der Aufgaben aber sind an die zwölf Bezirke ausgegliedert, die jeder für sich 250.000 (Spandau) bis über 400.000 Einwohner (Pankow) haben. Lange Zeit hatte jeder Bezirk und jede Senatsverwaltung eigenständige IT-Verwaltungen, teils ist das noch heute so. Berlin leistet sich ein IT-Dienstleistungszentrum des Landes, das ITDZ, das unter anderem das Landesnetz betreut und für Land, landeseigene Betriebe und Bezirke Aufgaben erfüllen kann, wenn es dazu beauftragt wird. Mit der Betonung auf „wenn“, aber dazu gleich mehr.
In Berlin ist die IT-Sicherheit formal fast Chefsache. In den vergangenen Jahren bestimmte die CSU-Politikerin Martina Klement als „Chief Digital Officer“ aus der Senatskanzlei, dem Sitz des Regierenden Bürgermeisters, die Landes-IT-Richtung. Seit März 2026 ist sie Wirtschaftsministerin im Nachbarbundesland Brandenburg, ihr glückloser Nachfolger Matthias Hundt hielt sich nur zwei Monate.
Der aktuelle Amtsinhaber Florian Hauer ist allerdings nur CDO im Nebenberuf – er ist hauptberuflich Staatssekretär für Bundes- und Europaangelegenheiten und Internationales sowie Bevollmächtigter des Landes Berlin beim Bund. Hauer ist erst seit wenigen Monaten im Amt, als im August in den Teilnetzen von zwei Senatsverwaltungen unzulässige Zugriffe detektiert werden. Da haben die Angreifer von Rhysida längst wertvolle Informationen erbeutet.
Nun lässt sich schwerlich behaupten, dass das Land gar keine Konzepte für die Sicherheit von Informations- und Kommunikationstechnik hätte. Sowohl die Leitlinie Informationssicherheit als auch die Beschreibung zur IKT-Sicherheit sind lange ausgearbeitet – allerdings seit 2017 auch nicht mehr überarbeitet worden.
Tatsächlich relevant aber sollte das auch gar nicht mehr sein, immerhin sollte mit „OneIT by ITDZ“ am „BerlinPC“ die gesamte Berliner Verwaltung standardisiert werden. Doch ausgerechnet jene beiden Senatsverwaltungen, in denen der Angriff losging, pflegten noch ihre eigene Infrastruktur. Auch dagegen spricht nichts, wenn diese den aktuellen Standards entsprechen würde.