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Ukraine: Staatsanwaltschaft an Betrug über "Callcenter" beteiligt?
In der Ukraine gehen die Behörden gegen Mitarbeiter der Generalstaatsanwaltschaft vor. Sie sollen an systematischem Betrug über angebliche "Callcenter" beteiligt gewesen sein. Der Fall ist auch für Präsident Selenskyj heikel.
Die ukrainischen Anti-Korruptionsbehörden NABU und SAPO veröffentlichen seit einigen Wochen Audiomitschnitte aus ihren Ermittlungen, die das Land erschüttern. Im Zentrum stehen Korruption und Machtmissbrauch. Der jüngste Skandal könnte einer der größten in der Geschichte der Ukraine werden. Er führte bereits zum Rücktritt des Generalstaatsanwalts Roman Krawtschenko.
Ihre jüngsten Ermittlungen nennen NABU und SAPO "Karthago". Bei ihnen geht es um Firmen, die in der Ukraine als "Callcenter" bezeichnet werden. Hinter dem harmlosen Namen verstecke sich ein kriminelles Geschäft großen Ausmaßes, sagte der Investigativjournalist Mychajlo Tkatsch vom Online-Medium Ukrainska Prawda der ARD.
Vor allem junge Mitarbeiter dieser Firmen riefen Menschen an, um Geld von deren Konto abzuzweigen. "Dabei geben sie sich zum Beispiel als Bankangestellte aus", sagt er. Tkatsch recherchiert seit mehr als drei Jahren zu solchen Geschäftspraktiken.
Der neue Korruptionsskandal im Umfeld des ukrainischen Präsidenten Selenskyj zieht weitere Kreise.
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Nach Angaben der "Global Initiative Against Transnational Organized Crime" gibt es in der Ukraine rund 1.000 solcher "Callcenter". Ein Bericht der Nichtregierungsorganisation vom April gibt an, sie seien über das ganze Land verteilt, etwa 60.000 Menschen seien dort beschäftigt. Im Durchschnitt erziele so eine Firma illegale Einnahmen von rund einer Million US-Dollar monatlich, heißt es in dem Bericht.
Die ukrainischen Antikorruptionsbehörden verdächtigen nun hohe Mitarbeiter der Generalstaatsanwaltschaft, unmittelbar an diesen Geschäften beteiligt zu sein. Sie sprechen von einer "kriminellen Vereinigung". Ein hochrangiger Mitarbeiter der Behörde, der in den Audioaufnahmen als "Kanzler" bezeichnet wird, wurde bereits festgenommen.
Die Aufnahmen scheinen auch auf eine Beteiligung des ehemaligen Generalstaatsanwalts Ruslan Krawtschenko hinzuweisen. Denn der Anführer der Gruppe mit Pseudonym "Chef" wird auch als "Andrijowytsch" bezeichnet - Krawtschenkos Vatersname. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass der "Chef" zuvor im Finanzamt beschäftigt war - wie Krawtschenko. Ein dritter Hinweis: Besagter "Kanzler" erwies Krawtschenko auch private Dienste, organisierte etwa die Renovierung seines Hauses.
Was wusste der zurückgetretene Generalstaatsanwalt? Ruslan Krawtschenko weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück.
Nach Recherchen des Online-Mediums Ukrainska Prawda erhielten Mitarbeiter der Generalstaatsanwaltschaft monatlich Schmiergeld von "Callcentern", denen sie Schutz vor Strafverfolgung zusicherten.