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Die Sonne ist „superflare-fähig“: Gigantische Strahlungsausbrüche sind möglich
Vor fast 80 Jahren gab es auf der Sonne zuletzt einen Sonnenfleck, aus dem ein sogenannter Superflare hätte entstehen können. Das unterstreicht die Gefahr.
Ein riesiger Sonnenfleck im Jahr 1947 hätte einen sogenannten Superflare auslösen können. Das ist ein weiterer Hinweis darauf, dass auf unserem Heimatstern gigantische Eruptionen vorkommen können. Das hat ein internationales Forschungsteam herausgefunden, wie das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) jetzt öffentlich gemacht hat. Dort war erst vor etwa zwei Jahren ermittelt worden, dass die sogenannten Superflares bei Sternen wie unserer Sonne deutlich häufiger sein könnten als bis dahin angenommen. Für die neue Arbeit hat die Forschungsgruppe jetzt die Größe von Sonnenflecken in Beziehung zur Stärke von Ausbrüchen gesetzt und dann geprüft, ob in der Vergangenheit Exemplare beobachtet wurden, die groß genug waren, um einen Superflare auszulösen. Und sie sind fündig geworden.
Bei Superflares werden auf einem Stern binnen kürzester Zeit Energiemengen im Bereich von Quadrilliarden Joule freigesetzt. Das ist mehr als Billionen explodierende Wasserstoffbomben freisetzen, ruft das Forschungsinstitut in Erinnerung. Das wäre etwa das Hundertfache, was beim sogenannten Carrington-Ereignis im Jahr 1859 freigesetzt wurde, einem der heftigsten Sonnenstürme der vergangenen Jahrhunderte. Gleichzeitig lässt sich die Energiemenge solch eines Ausbruchs nur außerhalb der Erdatmosphäre messen, weshalb unsere Daten nur einige Jahrzehnte zurückreichen. Um trotzdem ermitteln zu können, ob unsere Sonne tatsächlich „superflare-fähig“ ist, hat sich die Forschungsgruppe deshalb jetzt den Zusammenhang zwischen Ausbruchsstärke und der Größe von Sonnenflecken genauer angeschaut.
Um diesen Zusammenhang zu untersuchen, hat die Forschungsgruppe Daten des Solar Dynamics Observatory der NASA ausgewertet. Die Energiemenge der 300 stärksten Flares, die die Raumsonde zwischen 2010 und 2016 beobachtet hat, haben sie in Beziehung zur Größe der dazu gehörenden aktiven Region auf der Sonne gesetzt. Deren Größe wiederum steht in Verbindung zur Größe von Sonnenflecken und die werden seit Jahrhunderten systematisch erfasst. So konnten sie aus der Größe eines Sonnenflecks auf die Stärke eines dort möglichen Ausbruchs schließen. Jener Sonnenfleck, der im April 1947 etwa 0,6 Prozent der sichtbaren Sonnenscheibe bedeckt hat, wäre demnach groß genug gewesen, um „in statistisch seltenen Fällen“ einen Superflare auszulösen. Zwangsläufig ist solch eine Eruption demnach nicht.
Die jetzt im Fachmagazin Philosophical Transactions of the Royal Society A veröffentlichte Arbeit fügt einen weiteren Puzzlestein zum Verständnis jener Gefahr hinzu, die von unserer Sonne ausgehen kann. Für unsere Infrastruktur könnte solch ein immenser Strahlungsausbruch verheerende Folgen haben, vor dem 20. Jahrhundert war die Menschheit viel weniger anfällig dafür. Vor Jahren hat eine Forscherin darauf hingewiesen, dass starke Sonneneruptionen eine „Internet-Apokalypse“ auslösen könnten. Diese Gefahr sei bislang unterschätzt worden, weil sich die jüngsten starken Sonnenstürme vor dem Erscheinen moderner Technologie ereignet haben. Besonders groß ist das Risiko für Unterseekabel in hohen Breitengraden, also insbesondere jene zwischen Europa und den USA.
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