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Marvel’s Wolverine im Test: Solide Action, die allzu schnell an ihre Grenzen stößt
Insomniac Games liefert ein technisch sauberes PS5-Abenteuer, doch dem extrem linearen Kampfsystem geht nach wenigen Stunden die spielerische Puste aus.
Marvel's Wolverine möchte ein großer Action-Film sein, aber spielerisch ist da einfach zu wenig. Das Kampfsystem ist zu simpel gestrickt, die Bosse reißen es nicht und alles nutzt sich etwas zu sehr ab bevor die Credits laufen.
Eigentlich ist es beachtlich, dass man als Triple-A-Company heute überhaupt noch ein Spiel wie Wolverine machen kann. Dass man das Budget und Backing bekommt, etwas zu schaffen, das im Prinzip nicht viel mehr als die gute Version dessen ist, was man früher mit „ist halt ne Filmumsetzung“ abfertigte. Ich sage auch deutlich und bewusst die gute Version, denn Wolverine ist wirklich kein schlechtes Spiel. Nur ein sehr, sehr simpel gestricktes.
Ein lineares Action-Adventure von Entwickler Insomniac Games und Sony Interactive. Der PS5-Exklusivtitel bietet kompromisslose Nahkämpfe und eine gradlinige Singleplayer-Erfahrung im Marvel-Universum.
Ihr habt eine um die 15 Stunden lange, absolut lineare Handlung. Wirklich eine Handlung. Sicher. Sie bedient sich zu zwei Dritteln aus zwei der X-Men-Filme in leichter Variation. Ich verrate euch nicht, welche, ich muss nicht noch mehr Spannung aus diesem eh sehr vorhersehbaren Plot nehmen. Das letzte Drittel ist dann mehr oder weniger sein eigenes Ding, aber auch wenig mehr als das Auflösen der letzten Knoten, die noch übrig blieben. Ich war solide unterhalten, besser als bei den meisten Marvel-Filmen post Endgame und diese Charaktere sind immer für ein paar Beats gut.
Mystique, Sabretooth, Phönix und ein paar aus der B-Reihe dazu ergeben ein Universum, das sich etwas loser und freier anfühlt als das der Filme und fangen den Charme der Comics gut ein. Dazu kommt, dass es zwar hier und da und vor allem nach hinten raus teilweise ganz schön tief ins Uncanny Valley geht, aber die Animationen und Szenen, Action wie Dialog wurden dem Budget gemäß gut umgesetzt. Nicht brillant, Wolverine ist nicht da, um final zu zeigen, was unter der PS5-Haube steckt, aber hübsch genug ist es allemal. Ehrlich gesagt: Für ein Spiel, das sich um einen weniger aufregenden und in seinen Powers eingeschränkten Helden dreht, wird hier die beste Version dessen abgeliefert, was ich erwartet habe. Das Problem daran dürfte nur sein, dass meine Erwartungen jetzt nicht gerade auf dem Mond waren. Es ist halt immer noch Wolverine.
Was uns direkt zum eigentlichen Problem bringt und warum ich Wolverine mit der Masse der Film- und Lizenzumsetzungen der späten 80er bis späten 00er-Jahre vergleiche. Diese Spiele waren in der Regel spielerisch begrenzt. Sie sollten euch für ein Dutzend Level was zu tun geben, was ungefähr dem Vorbild entsprach, und selbst wenn das Vorbild nicht viel konnte, war das kein Problem. Nach links laufen und prügeln reicht im Notfall auch. Wolverine bewegt sich zwar in ein paar Richtungen mehr, aber die Hoffnung, dass das Prügeln reicht, scheint das Kernkonzept der Entwicklung des Spiels gewesen zu sein.
Fangen wir damit an, was ihr tut, wenn ihr mal nicht prügelt, also sechs bis acht Prozent des Spiels. Wolverine kann reden und es gibt ein paar stimmig umgesetzte, recht ruhige Parts, wo ihr herumwandert, ein paar Dinge anguckt und mit den anderen Helden redet. Sicher, nicht spielerisch gehaltvoll, nicht aufregend, aber solche Momente gibt es und ich hab sie, so wie sie hier umgesetzt wurden, sehr geschätzt. Weder Story noch Charaktere haben viel Tiefe, aber sie haben, auch dank dieser Momente, Charme. Dann wird ganz gelegentlich mal geklettert. Stellt es euch wie Uncharted vor, aber noch geführter und vor allem sehr, sehr kurz, bevor es dann wieder zu Brot, Butter, Salz und allem anderen des Spiels zurückgeht. Prügeln.
Das Studio Insomniac Games ist bekannt für technische PlayStation-Meilensteine. Vor Wolverine feierten die Entwickler bereits gigantische Erfolge mit Hits wie Marvel's Spider-Man (2018) und Ratchet & Clank: Rift