// HEISE ONLINE — HARDWARE & GADGET
Wissenschaft: Weitere Symmetrie bei der Helligkeit der Erde entdeckt
Nicht nur die Nord- und Südhalbkugel der Erde reflektieren etwa gleich viel Sonnenlicht, in Ost-West-Richtung gibt es eine wohl noch stabilere Symmetrie.
Blick auf den 27. Längengrad Ost, der die Erde in gleich helle Hälften teilt.
This article is also available in
English.
It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.
Auf der Erde reflektieren nicht nur die Nord- und Südhalbkugel trotz ihres unterschiedlichen Erscheinungsbilds gleich viel Sonnenlicht, durch Osteuropa und Ostafrika läuft ebenfalls eine Trennlinie, die unseren Heimatplaneten in zwei gleich helle Hälften teilt. Das hat eine Forschungsgruppe aus den USA herausgefunden, die noch meint, dass die Entdeckung Implikationen für mögliche Interventionen in das Strahlungsbudget der Erde hat. Der Fund unterstreiche, wie komplex das Klimasystem unserer Erde ist und wie viel wir noch immer nicht wissen. Wenn jetzt intensiver darüber diskutiert wird, die Sonneneinstrahlung direkter zu beeinflussen, sei dieser Mangel an Wissen besorgniserregend.
Dass die Nord- und die Südhalbkugel der Erde fast genauso viel Sonnenlicht reflektieren, ist schon seit Jahrzehnten bekannt, ruft die Forschungsgruppe von der University of Colorado Boulder und der US-Forschungsbehörde NOAA in Erinnerung. Das ist deshalb nicht intuitiv, weil die Nordhalbkugel von viel mehr Land bedeckt ist und man deshalb erwarten würde, dass sich auch die sogenannte Albedo deshalb stark unterscheidet. Neu ist jetzt, dass gleich drei verschiedene Faktoren so perfekt zusammenspielen, dass die Erde östlich und westlich des 27. Längengrads Ost ebenfalls identische Mengen an Sonnenlicht reflektieren. Auch hier unterscheidet sich das Erscheinungsbild beider Hälften eigentlich deutlich.
Wie die Forschungsgruppe um Jianhao Zhang ausführt, enthalten die beiden identifizierten Hälften zwar in etwa gleich viel eisfreien Ozean, der jeweils die gleiche Menge an Sonnenlicht zurückstrahlt. Aber während die westliche der beiden Hälften von hellen, niedrig hängenden Stratocumulus-Wolken dominiert wird, finden sich auf der östlichen viel mehr hohe Wolken. „Was uns wirklich beeindruckt hat, ist, dass die Symmetrie aus sehr unterschiedlichen Wolkenregimen des Planeten entsteht“, sagt Zhang . Dabei handle es sich aber nicht um ein festes Muster, stattdessen scheinen beide einander dynamisch im Gleichgewicht zu halten. Die Analyse weise auf einen spezifischen Mechanismus, der in La-Niña-Jahren dafür sorgt, dass die östliche Hälfte mehr reflektiert und während El Niño die westliche.
Man habe die neue Symmetrie jetzt in einer Zeit entdeckt, in der nicht mehr nur in der Forschung darüber diskutiert werde, die Energiebilanz der Erde direkt zu beeinflussen, schreibt das Team. Auch in der Politik sei das Thema angekommen. Unter dem Schlagwort Geoengineering werden dabei Methoden diskutiert, die Klimaerwärmung durch Eingriffe in die Atmosphäre zu verlangsamen. Der Mechanismus hinter der Ost-West-Symmetrie könnte aber auf unerwartete Weise reagieren und dem sogar entgegenwirken. Deshalb sei weitere Forschung nötig, um mögliche Konsequenzen vorab zu verstehen.
Die Entdeckung der bislang unbekannten Symmetrie sei auch eine neue Methode, um aktuelle Klimamodelle zu prüfen, schreibt das Forschungsteam noch. Keines der acht besten Modelle habe die Symmetrie reproduziert, alle müssten verbessert werden. Das Team weist noch darauf hin, dass die neuentdeckte Symmetrie in den vergangenen Jahren wohl deutlich stabiler war als jene zwischen der Nord- und Südhalbkugel. Dass die sich womöglich bereits abschwächt, war schon bekannt, die neue sei im untersuchten Zeitraum aber deutlich resilienter erschienen. Ihre Arbeit stellt die Forschungsgruppe jetzt im Fachmagazin Nature vor.
Keine News verpassen! Jeden Morgen der frische Nachrichtenüberblick von heise online
Ausführliche Informationen zum Versandverfahren und zu Ihren
Widerrufsmöglichkeiten erhalten Sie in unserer
Datenschutzerklärun