// SCINEXX — SPAZIO & SCIENZA
Menopause verändert das Gehirn anders als Pubertät und Schwangerschaft
Pubertät und Schwangerschaft gehen mit deutlichen Rückgängen der grauen Hirnsubstanz einher. Beim Übergang zur Menopause fanden Forscher dagegen keinen signifikanten Verlust des gesamten oder kortikalen Volumens. Der scheinbare Stillstand könnte eine vorübergehende Abschwächung des normalen altersbedingten Rückgangs markieren. Ein direkter Gruppenvergleich stützte diese Deutung jedoch nicht eindeutig.
Amsterdam (Niederlande). Große hormonelle Umbrüche hinterlassen im weiblichen Gehirn offenbar sehr unterschiedliche strukturelle Spuren. Während Pubertät und Schwangerschaft mit ausgeprägten Veränderungen der grauen Hirnsubstanz verbunden sind, war beim Übergang zur Menopause ein anderes Muster zu erkennen. Damit spricht die neue Längsschnittstudie gegen die Vorstellung, dass das Gehirn auf alle drei Lebensphasen ähnlich reagiert.
Schon frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass sich die Gehirnstruktur während einer Schwangerschaft messbar verändert. Für die Menopause lagen dagegen bisher deutlich weniger Längsschnittdaten vor. Unklar war deshalb, ob der Rückgang von Östrogen und Progesteron ähnliche Umbauprozesse begleitet wie die starken Hormonanstiege in Pubertät und Schwangerschaft.
Forscher des Amsterdam University Medical Center (AUMC) um Sophie R. van ’t Hof haben dafür wiederholte MRT-Aufnahmen von insgesamt 1.095 Mädchen und Frauen ausgewertet. Die Pubertätskohorte umfasste 142 Teilnehmerinnen, die Schwangerschaftskohorte 110 und die Menopausenkohorte 843. In jeder Lebensphase verglich das Team Personen, die den jeweiligen Übergang zwischen zwei Messzeitpunkten durchliefen, mit altersähnlichen Kontrollgruppen, deren Status stabil blieb.
Im Mittelpunkt stand die monatliche Veränderung der grauen Hirnsubstanz. Diese wurde für das gesamte Gehirn, die Großhirnrinde und subkortikale Bereiche bestimmt. Durch dieselbe Auswertungsmethode in allen drei Kohorten konnten die Forscher die Muster direkt miteinander vergleichen, obwohl die Datensätze aus unterschiedlichen Untersuchungen stammten.
Bei Mädchen, die zwischen den Messungen ihre erste Menstruation bekamen, sanken das gesamte und das kortikale Volumen der grauen Substanz um durchschnittlich 0,13 beziehungsweise 0,16 Prozent pro Monat. Bei Frauen während einer ersten oder zweiten Schwangerschaft lagen die entsprechenden Rückgänge bei 0,12 und 0,11 Prozent pro Monat. Für Pubertät und Schwangerschaft bestätigten die Gruppenvergleiche ausgeprägte Unterschiede zu den jeweils maßgeblichen Kontrollen.
Die räumlichen Muster waren jedoch nur teilweise gleich. In präfrontalen, parietalen und temporalen Assoziationsarealen ähnelten sich Pubertät und Schwangerschaft, während sich mehr als die Hälfte der untersuchten kortikalen Regionen zwischen beiden Übergängen unterschied. Besonders in sensomotorischen und cingulären Bereichen war der Rückgang während der Pubertät stärker als während der Schwangerschaft.
Bei den 120 Frauen, die zwischen zwei Messzeitpunkten von prämenopausal zu postmenopausal wechselten, fanden die Forscher dagegen keine signifikante Abnahme des gesamten oder kortikalen Volumens der grauen Substanz. Die stabil prämenopausalen und stabil postmenopausalen Vergleichsgruppen zeigten im selben Zeitraum den erwarteten altersbedingten Rückgang.
„Was im Gehirn von Frauen geschieht, ist während der Menopause anders als während der Pubertät oder einer Schwangerschaft“, erklärt Sophie van ’t Hof.
Das könnte bedeuten, dass der normale Volumenverlust während des Übergangs vorübergehend abgeschwächt wird. Diese Interpretation bleibt aber vorläufig. Direkte Gruppen-Zeit-Vergleiche waren nicht signifikant, sodass sich aus den Daten kein gesicherter Bremseffekt der Menopause ableiten lässt. Ebenso wenig belegt die Studie, dass die beobachteten Unterschiede unmittelbar durch veränderte Hormonspiegel verursacht werden.