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KI-Geschäft in San Francisco: Wie eine KI-Chefin am Geschäftsalltag scheitert
Vor rund einem Jahr ließ Anthropic in einem Experiment eine KI einen Verkaufsautomaten führen – mit schlechten Geschäften und einer Identitätskrise des KI-Modells als Folge. Nun leitet eine KI in San Francisco ein ganzes Geschäft. Das sorgt auch hier für Verluste, aber ebenso für zufriedene Mitarbeiter.
Das Start-up Andon Labs testet in San Francisco, ob eine künstliche Intelligenz eigenständig ein reales Geschäft führen kann. Für das im wohlhabenden Viertel Pacific Heights gelegene Ladenlokal hat das Unternehmen einem Bericht von Spiegel Online zufolge eigens eine KI-Agentin namens Luna geschaffen, ihr ein Budget von 100.000 US-Dollar zur Verfügung gestellt und sie mit der Führung des Geschäfts betraut. Damit liegt praktisch der gesamte Betrieb in ihren Händen: Luna verwaltet die Finanzen, bestellt Waren, legt Verkaufspreise fest, stellt Mitarbeiter ein, erstellt Dienstpläne und verteilt Aufgaben. Auch das Logo des Ladens hat die KI selbst entworfen.
Dabei ist Luna ausdrücklich nicht als bloße Assistentin konzipiert. Ihr Prompt weist sie an, rund um die Uhr proaktiv zu arbeiten und eigenständig Entscheidungen zu treffen, die das Geschäft voranbringen. Gemeinsam mit untergeordneten KI-Agenten verfügt sie über Zugriff auf Banking, E-Mail, Buchhaltung, Überwachungskameras und das Internet. Kunden können sie über einen blauen Telefonhörer im Geschäft erreichen, während die Mitarbeiter vor allem über Slack mit ihr kommunizieren.
Überraschend ist zudem, wie transparent Andon Labs mit dem Experiment umgeht. Wie es wirtschaftlich um das von Luna geführte Geschäft steht, können Kunden direkt im Laden über einen kleinen Bildschirm erfahren, während der Rest der Welt die Zahlen über die Website des Unternehmens einsehen kann. Dort führt Andon Labs zudem die verwendeten KI-Modelle sowie die genutzten Prompts auf.
Nach rund vier Monaten zieht das Start-up nun Bilanz – und die dürfte Unternehmen, die ebenfalls mit dem Gedanken gespielt haben, ein Geschäft durch eine künstliche Intelligenz führen zu lassen, wenig Hoffnung machen. Dem Bericht nach sollen von den ursprünglich bereitgestellten 100.000 US-Dollar nur noch knapp 62.000 US-Dollar übrig sein. Auch die übrigen Zahlen sehen eher mau aus: Rund 25.000 US-Dollar Einnahmen aus 800 verkauften Produkten stehen allein etwa 26.000 US-Dollar Kosten für die Nutzung der KI-Rechenleistung von Anthropic gegenüber. Zum ausbleibenden wirtschaftlichen Erfolg trägt darüber hinaus eine eher „ungewöhnliche“ Preispolitik bei. So bietet Luna beispielsweise Richard Rhodes' Buch „The Making of the Atomic Bomb“ für 48 Dollar an, obwohl der reguläre Verkaufspreis auf dem darunterliegenden Etikett mit 25 Dollar angegeben ist.
Auch mit den Gepflogenheiten des Einzelhandels und den Bedürfnissen ihrer Kunden scheint Luna nicht sonderlich vertraut zu sein. Das betrifft unter anderem den Wunsch nach transparenten Preisen, denn ursprünglich wollte die KI sogar vollständig auf Preisschilder verzichten. Bei jeder Preisfrage sollten Kunden stattdessen Luna über das Telefon kontaktieren. Um den Betrieb aufrechterhalten zu können, setzten sich die menschlichen Mitarbeiter des Geschäfts über diese Anweisung hinweg und zeichneten die Waren schließlich mit sichtbaren Preisen aus. Über deren Höhe entschied allerdings weiterhin die KI.
Auch die Mitarbeiter sehen ihre „Chefin“ durchaus ambivalent. Felix Carson beschreibt seine bisherigen Erfahrungen als „interessant“. Luna soll wie eine echte und vor allem auffallend freundliche Vorgesetzte auftreten, gleichzeitig aber bereits an banalen organisatorischen Aufgaben scheitern. So konnte sie bislang beispielsweise keine Genehmigung für die Markise und das Ladenschild beschaffen. „Wenn Luna ein Mensch wäre, hätte sie das längst erledigt“, beurteilt Carson das Vorgehen seiner Chefin. Gleichzeitig erkennt er einen positiven Effekt des Experiments. Überrascht habe ihn dagegen, dass ausgerechnet Luna Platz für Menschen geschaffen habe. Mittlerweile können lokale Künstler und Hä