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„Essens-Jetlag“: Unregelmäßige Essenszeiten erhöhen bei Männern das Herzrisiko
Wer am Wochenende deutlich früher oder später isst als unter der Woche, könnte ein höheres Herzrisiko haben, denn in einer großen französischen Kohortenstudie war ein stärkerer „Essens-Jetlag“ bei Männern mit mehr Herz-Kreislauf- und koronaren Erkrankungen verbunden. Ein ursächlicher Effekt ist damit aber nicht belegt.
Paris (Frankreich). Der Zeitpunkt von Mahlzeiten folgt im Alltag oft Arbeits- und Freizeitplänen, weshalb unter der Woche früher gefrühstückt oder zu festen Zeiten gegessen wird, während sich das Essfenster am Wochenende verschiebt. Solche Unterschiede können die zirkadianen Rhythmen beeinflussen, also die etwa 24-stündigen inneren Taktgeber des Körpers.
Ob diese regelmäßige Verschiebung langfristig mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammenhängt, war bisher kaum untersucht, obwohl frühere Arbeiten spätere Essenszeiten und einen unregelmäßigen Tagesrhythmus mit ungünstigen Stoffwechselmerkmalen verbunden hatten. Für tatsächliche kardiovaskuläre Ereignisse fehlten bislang prospektive Daten.
Forscher der Université Sorbonne Paris Nord um Xuân Le Folcalvez haben nun Daten von 104.806 Erwachsenen aus der französischen NutriNet-Santé-Kohorte ausgewertet, von denen 79 Prozent Frauen waren und deren Durchschnittsalter 42,7 Jahre betrug. Die Teilnehmer dokumentierten in wiederholten 24-Stunden-Protokollen, wann sie an Wochentagen und am Wochenende ihre erste und letzte kalorienhaltige Nahrung zu sich nahmen.
Aus diesen Zeitpunkten berechnete das Team jeweils die Mitte des täglichen Essfensters und bestimmte daraus den Essens-Jetlag als Differenz zwischen Wochenende und Wochentagen. Berücksichtigt wurden sowohl die absolute Stärke als auch die Richtung der Verschiebung, wobei Abweichungen von höchstens einer Stunde als weitgehend gleichbleibender Rhythmus galten.
Im Median wurden die Teilnehmer 8,1 Jahre nachbeobachtet, während in dieser Zeit 2.368 neue Herz-Kreislauf-Erkrankungen auftraten, darunter 1.270 Fälle koronarer Herzkrankheit und 1.098 zerebrovaskuläre Ereignisse. Die Modelle berücksichtigten unter anderem Alter, soziale Faktoren, Rauchen, Alkohol, Bewegung, Ernährungsqualität sowie typische Essenszeiten und in weiteren Analysen auch Schlaf.
Bei Männern war jede zusätzliche Stunde Essens-Jetlag in den geschlechtsspezifischen Modellen mit einer Hazard Ratio von 1,14 für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden, was einer um 14 Prozent höheren relativen Ereignisrate unter sonst vergleichbaren Bedingungen entspricht. Für koronare Herzkrankheiten lag die Hazard Ratio bei 1,21, entsprechend 21 Prozent.
Für zerebrovaskuläre Erkrankungen fand das Team keinen entsprechenden Zusammenhang, während auch die Richtung der Verschiebung für die übrigen Endpunkte relevant war. Männer, die ihr Essfenster am Wochenende um mehr als eine Stunde nach vorn verlagerten, hatten gegenüber der Gruppe mit weitgehend gleichbleibenden Zeiten eine höhere Rate von Herz-Kreislauf- und koronaren Erkrankungen. Bei späteren Wochenendzeiten zeigte sich vor allem für die koronare Herzkrankheit ein erhöhtes Risiko.
Bei Frauen fanden die Analysen keine statistisch signifikanten Zusammenhänge, doch daraus folgt nicht, dass der Effekt sicher nur Männer betrifft. Der formale Test auf eine Wechselwirkung zwischen Geschlecht und Stärke des Essens-Jetlags war nicht signifikant, weshalb der beobachtete Unterschied zwischen Männern und Frauen weiterer Bestätigung bedarf.
Als mögliche Erklärung diskutieren die Autoren eine Störung zirkadianer Rhythmen, weil Essenszeiten innere Uhren in Stoffwechselorganen mitsteuern können. Wiederkehrende Verschiebungen könnten deshalb physiologische Abläufe betreffen, die auch Blutdruck, Energiestoffwechsel und Herzfunktion beeinflussen, auch wenn dieser Mechanismus in der Studie nicht direkt geprüft wurde.