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Weißes Fleisch könnte das Magenkrebsrisiko bei Frauen erhöhen
Während verarbeitetes Fleisch schon länger mit Krebsrisiken in Verbindung steht, ist die Datenlage zu weißem Fleisch widersprüchlich. In einer großen europäischen Kohorte ging ein Mehrverzehr von 20 Gramm täglich bei Frauen mit einem 20 Prozent höheren relativen Risiko für Magenkrebs außerhalb des Mageneingangs einher. Die Analyse war explorativ und belegt keine Ursache, weshalb der Befund noch bestätigt werden muss.
L’Hospitalet de Llobregat (Spanien). Die Rolle von Fleisch bei Magen- und Speiseröhrenkrebs ist trotz jahrzehntelanger Forschung nicht in allen Einzelheiten geklärt. Für verarbeitetes Fleisch gibt es bereits Hinweise auf ein erhöhtes Risiko, während die Daten zu weißem Fleisch uneinheitlich sind. Genau diesen Zusammenhang hat die neue Auswertung der europäischen EPIC-Kohorte erneut untersucht.
Forscher des Catalan Institute of Oncology (ICO) um Dr. Paula Jakszyn haben dafür Daten von 450.112 Menschen aus mehreren europäischen Ländern ausgewertet. Im Mittel wurden die Teilnehmer 14,1 Jahre lang beobachtet. In dieser Zeit traten 876 Magenkarzinome und 215 Adenokarzinome der Speiseröhre auf.
Als weißes Fleisch erfassten die Fragebögen Huhn, Pute, Ente, Gans, Kaninchen und weiteres nicht näher zugeordnetes Geflügel. Die Forscher berechneten die Zusammenhänge mit Krebsrisiken und berücksichtigten dabei unter anderem Alter, Studienzentrum, Energiezufuhr, Bildungsstand, Rauchen, Körpergewicht und Alkoholkonsum sowie die anderen Fleischarten.
Bei Frauen ging jede zusätzliche tägliche Aufnahme von 20 Gramm weißem Fleisch mit einem um 20 Prozent höheren relativen Risiko für Nicht-Kardia-Magenkrebs einher. Damit sind Tumoren gemeint, die nicht am Übergang des Magens zur Speiseröhre entstehen, wobei die Auswertung 172 betroffene Frauen umfasste. Bei Männern zeigte sich für weißes Fleisch kein entsprechender Zusammenhang.
„Diese Ergebnisse erweitern die verfügbare Evidenz zum Zusammenhang zwischen Ernährung und Krebsrisiko und unterstreichen damit die Bedeutung der Ernährung für die Vorbeugung dieser Krankheit“, erklärt Dr. Paula Jakszyn.
Die zentrale Aussage der Gesamtanalyse betrifft verarbeitetes Fleisch. Mit jeweils 30 Gramm mehr pro Tag war ein um neun Prozent höheres relatives Risiko für Magenkrebs und ein um 13 Prozent höheres relatives Risiko für ein Adenokarzinom der Speiseröhre verbunden. Für rotes Fleisch fanden die Forscher dagegen keinen statistisch belastbaren Zusammenhang mit dem Gesamtrisiko dieser Tumoren.
Auch bei weißem Fleisch zeigte die Gesamtgruppe nur einen begrenzten Befund, denn über alle Teilnehmer hinweg war ein Mehrverzehr von 20 Gramm täglich mit einem um zwölf Prozent höheren relativen Risiko für Nicht-Kardia-Magenkrebs verbunden. Der stärkere Wert bei Frauen stammt aus der getrennten Analyse nach Geschlecht.
„Das Gesamtrisiko hängt von Ernährung und Lebensstil als Ganzem ab, zu denen weitere ebenso wichtige Faktoren gehören und nicht nur der einzelne Konsum von verarbeitetem Fleisch. Wir müssen vorsichtig sein und stets eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung in den Vordergrund stellen“, erklärt Dr. Paula Jakszyn.
Entscheidend für die Einordnung ist, dass die Auswertung nach Geschlecht nicht durch eine vorher festgelegte Hypothese begründet war, sondern explorativ erfolgte. Die Beobachtungsstudie kann deshalb einen Zusammenhang zeigen, aber keine Ursache beweisen. Zudem wurde die Ernährung im Wesentlichen nur zu Beginn über Fragebögen erfasst, obwohl sich Essgewohnheiten über viele Jahre verändern können.