// HEISE ONLINE — MODA & SOCIETÀ
KI-Einsatz wächst rasant – doch Potenzial bleibt weitgehend ungenutzt
57 Prozent der deutschen Unternehmen nutzen KI, ein starker Anstieg. Doch das Potenzial wird kaum ausgeschöpft.
This article is also available in
English.
It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.
Künstliche Intelligenz ist in der deutschen Wirtschaft angekommen: 57 Prozent der Unternehmen ab 20 Beschäftigten nutzen sie inzwischen. Vor einem Jahr lag der Anteil noch bei 36 Prozent, 2024 bei 20 Prozent. Weitere 38 Prozent planen den Einsatz oder diskutieren darüber. Nur für 4 Prozent ist KI nach eigener Aussage kein Thema mehr.
Das geht aus einer repräsentativen Bitkom-Befragung von 603 Unternehmen hervor, die zwischen der 28. und 33. Kalenderwoche 2026 telefonisch durchgeführt wurde. Trotz des schnellen Zuwachses sehen sich die meisten Anwender erst am Anfang: 59 Prozent der Unternehmen mit KI-Einsatz geben an, das Potenzial der Technik bislang überhaupt nicht auszuschöpfen – lediglich 3 Prozent meinen, es eher stark auszuschöpfen, kein Unternehmen vollständig. Weitere 28 Prozent nutzen es nach eigener Einschätzung nur wenig. Damit setzt sich ein Trend fort, den Bitkom bereits vor einem Jahr gemessen hatte: Damals verwendete erst gut ein Drittel der Unternehmen KI.
Am häufigsten setzen Unternehmen KI weiterhin im Kundenkontakt ein, etwa zur Bearbeitung von Anfragen. Das nennen 72 Prozent der KI-Anwender. Es folgen Marketing und Kommunikation mit 54 Prozent. Deutlich gewachsen ist der Einsatz jedoch in Bereichen, die stärker in interne Prozesse und Produkte eingreifen.
So verwenden 25 Prozent KI im Controlling und Rechnungswesen, 22 Prozent im internen Wissensmanagement und ebenfalls 22 Prozent in Produktionsabläufen. 20 Prozent bauen KI in eigene Produkte oder Dienstleistungen ein. Im Vertrieb liegt der Anteil bei 14 Prozent, in IT-Abteilungen bei 9 Prozent. Forschung und Entwicklung nennt jedes sechste Unternehmen.
Auch KI-Agenten gewinnen nach der Umfrage an Aufmerksamkeit. Anders als klassische Chatbots sollen sie nicht nur Antworten erzeugen, sondern mehrstufige Aufgaben selbstständig abarbeiten – etwa Angebote einholen, Preise vergleichen oder Handlungsoptionen vorbereiten. Von den Unternehmen, die KI einsetzen, planen oder diskutieren, nutzen 11 Prozent solche Systeme bereits. Weitere 29 Prozent planen den Einsatz, 31 Prozent diskutieren ihn. Für knapp ein Viertel sind Agenten kein Thema.
Zwei Drittel der KI-Anwender sehen ihre Wettbewerbsposition durch den Einsatz verbessert. 48 Prozent berichten von deutlich schnelleren internen Prozessen, 45 Prozent von einem messbaren Beitrag zum Unternehmenserfolg. 40 Prozent berichten von einer besseren Qualität ihrer Produkte oder Dienstleistungen; 36 Prozent haben mit KI nach eigenen Angaben neue Angebote entwickelt.
Die Kosten entstehen dabei offenbar weniger durch einzelne Lizenzen oder den Verbrauch von Token als durch die technische und organisatorische Einbettung. 51 Prozent der KI-Anwender nennen Infrastruktur wie Cloud-Dienste und Rechenleistung als großen Kostenpunkt. Fast ebenso viele verweisen auf die Aufbereitung von Daten, 41 Prozent auf die Integration in bestehende Systeme. Lizenzen für KI-Software stufen nur 21 Prozent als großen Kostenposten ein.
45 Prozent aller Befragten wollen 2026 mehr Geld für KI ausgeben als im Vorjahr. Die Hälfte plant gleichbleibende Budgets, lediglich 3 Prozent wollen ihre Ausgaben senken. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass für viele Unternehmen weniger die Lizenzkosten als Datenaufbereitung, Infrastruktur und die Integration in vorhandene Systeme den Aufwand bestimmen.