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Gefahr durch abstürzenden Weltraumschrott für Menschen wächst schnell
Immer mehr Satelliten, Raketenstufen und große Trümmerteile kehren unkontrolliert in die Erdatmosphäre zurück. Eine Analyse der Jahre 2010 bis 2024 zeigt, dass die modellierte jährliche Wahrscheinlichkeit für mindestens einen schwer verletzten oder getöteten Menschen am Boden 2024 bei etwa fünf bis zehn Prozent lag. Für einzelne Menschen bleibt das Risiko dennoch sehr klein.
Pisa (Italien). Unkontrollierte Wiedereintritte werden vor allem dann zum Sicherheitsproblem, wenn Bauteile den Flug durch die Atmosphäre überstehen und den Boden erreichen. Entscheidend ist deshalb nicht nur das Risiko eines einzelnen Objekts. Auch die wachsende Zahl der Wiedereintritte kann das weltweite Gesamtrisiko erhöhen.
Mit dem Ausbau großer Satellitenkonstellationen ist die Zahl der Objekte im niedrigen Erdorbit stark gestiegen. Viele dieser Raumfahrzeuge müssen nach Ende ihrer Missionszeit wieder in die Atmosphäre eintreten. Ein für die einzelne Person winziges Risiko kann sich dadurch über viele Ereignisse hinweg zu einer messbaren kollektiven Wahrscheinlichkeit summieren.
Forscher des National Research Council (CNR) um Carmen Pardini haben die unkontrollierten Wiedereintritte von Satelliten, Raketenstufen und großen Trümmerteilen zwischen 2010 und 2024 ausgewertet. Für jedes Objekt berücksichtigten sie unter anderem seine Trockenmasse und die tatsächliche Neigung seiner Umlaufbahn. Zusätzlich untersuchten sie, wie sich ein vollständiges Verglühen von Objekten mit weniger als 300 Kilogramm Masse auf die Risikowerte auswirken würde.
Für das Risiko am Boden verband das Team mehrere Modelle zur Zahl und zur Gefahrenfläche überlebender Fragmente mit der Bevölkerungsverteilung in den jeweils überflogenen Breitengraden. Für Verkehrsflugzeuge bezogen die Forscher entsprechend die räumliche Verteilung des Luftverkehrs ein. Damit konnten sie sowohl einzelne Wiedereintrittsereignisse als auch das über ein Jahr aufsummierte Risiko abschätzen.
Die Entwicklung ist deutlich. Zwischen 2019 und 2024 stieg die Zahl der unkontrollierten Wiedereintritte laut Analyse um den Faktor sieben, die gesamte zurückkehrende Masse um den Faktor drei. In der Konferenzfassung derselben Untersuchung wurden für 2024 mehr als 720 größere unkontrollierte Wiedereintritte und rund 412 Tonnen zurückkehrende Masse ausgewiesen.
Aus den Modellrechnungen ergibt sich für 2024 eine weltweite jährliche Wahrscheinlichkeit von rund fünf bis zehn Prozent, dass bei unkontrollierten Wiedereintritten mindestens ein Mensch am Boden schwer verletzt oder getötet wird. Dieses kollektive Risiko ist nicht mit dem persönlichen Risiko eines einzelnen Menschen gleichzusetzen. Es fasst die Folgen aller betrachteten Ereignisse eines Jahres über die Weltbevölkerung zusammen.
Von 2010 bis 2019 blieben die berechneten Risiken vergleichsweise stabil. Seit 2020 zeigt die Analyse dagegen einen deutlichen Anstieg. Zwischen 2019 und 2024 nahm die Bodenrisiko-Wahrscheinlichkeit etwa um den Faktor drei bis vier zu. Zugleich sind die Modellwerte mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. Die Autoren veranschlagen dafür je nach Ansatz einen Unsicherheitsfaktor von zwei bis drei.
Für die kommerzielle Luftfahrt liegt das Risiko niedriger, folgt aber demselben Trend. Für 2024 berechnete das Team eine jährliche Wahrscheinlichkeit von 3,7 × 10⁻⁵ bis 1,5 × 10⁻⁴, dass ein Verkehrsflugzeug von Wiedereintrittstrümmern getroffen wird, die einen katastrophalen Ausfall verursachen könnten. Statistisch entspricht das weltweit etwa einem solchen Treffer alle 27.000 bis 6.700 Jahre.
Für Passagiere von Verkehrsflugzeugen lag die modellierte kollektive jährliche Wahrscheinlichkeit eines schweren oder tödlichen Schadens 2024 zwischen 0,44 und 1,82 Prozent. Seit 2019 hat sie sich damit je nach Rechenansatz etwa verdreifacht bis versechsfacht. Auch hier beschreibt der Wert die zusammengefasste weltweite Wahrscheinlichkeit und nicht das Risiko einer einzelnen Flugreise.