// SCINEXX — SPAZIO & SCIENZA
Lesefreude bringt lebenslange Vorteile für Gesundheit und Denkvermögen
Lesen aus Freude hängt über die gesamte Lebensspanne mit besserer Kognition, psychischem Wohlbefinden und einem geringeren Risiko für kognitiven Abbau zusammen. Eine neue Übersichtsarbeit bündelt Befunde aus Umfragen, Langzeitstudien und Hirnbildgebung. Viele Ergebnisse sind Beobachtungsdaten und zeigen daher zunächst Zusammenhänge, während einzelne Interventions- und genetische Analysen Hinweise auf mögliche kausale Effekte liefern.
Cambridge (England). Lesen wird meist mit Bildung und Sprachkompetenz verbunden. Die Forschung deutet inzwischen aber darauf hin, dass freiwilliges Lesen auch mit Aufmerksamkeit, Gedächtnis, psychischem Wohlbefinden und gesundem Altern zusammenhängt. Gleichzeitig sinken die Lesequoten bei Kindern und Jugendlichen in mehreren Erhebungen deutlich, besonders bei Jungen und sozial benachteiligten Gruppen.
Forscher der University of Cambridge um Prof. Barbara J. Sahakian haben die Forschung zu freiwilligem Lesen nun gemeinsam mit The Queen’s Reading Room über verschiedene Lebensphasen hinweg zusammengeführt. Im Mittelpunkt steht Lesen aus eigenem Interesse, nicht das bloße Abarbeiten verpflichtender Texte. Die Übersicht stützt sich auf Beobachtungsstudien, Langzeitdaten, Hirnbildgebung und kleinere Interventionsstudien und trennt dabei zwischen belastbaren Zusammenhängen und ersten Hinweisen auf Ursache und Wirkung.
Ein besonders gut untersuchter Abschnitt ist die Kindheit. In einer großen US-Kohorte mit 10.243 Jugendlichen verglichen Wissenschaftler Kinder, die früh und über mehrere Jahre aus Freude gelesen hatten, mit Gleichaltrigen, die später oder kaum damit begonnen hatten. Frühes Lesen war mit besseren Leistungen bei verbalem Lernen, Gedächtnis und allgemeinen kognitiven Tests sowie mit besseren schulischen Leistungen verbunden.
Die früh lesenden Kinder zeigten außerdem weniger psychische und Verhaltensprobleme, schliefen länger und verbrachten weniger Zeit vor Bildschirmen. Hirnscans zeigten bei ihnen moderat größere kortikale Flächen und Volumina in mehreren Regionen, die mit Sprache, Lernen, Aufmerksamkeit und emotionaler Regulation zusammenhängen. In den Analysen lag der günstigste Bereich bei ungefähr zwölf Stunden freiwilligem Lesen pro Woche, wobei darüber hinaus keine zusätzlichen kognitiven Vorteile erkennbar waren.
Diese Befunde beweisen nicht, dass Bücher allein die Unterschiede verursachen. Die Studie berücksichtigte zwar unter anderem den sozioökonomischen Hintergrund und fand auch in Längsschnittanalysen sowie einer Mendelschen Randomisierung Hinweise auf eine mögliche Wirkungsrichtung. Dennoch können Umwelt, familiäre Unterstützung und bereits vorhandene kognitive Fähigkeiten das Leseverhalten und die späteren Ergebnisse zugleich beeinflussen.
Auch im höheren Alter fällt ein konsistentes Muster auf. Die aktuelle Übersicht verweist auf eine Studie mit fast 5.500 Menschen ab 55 Jahren, bei denen häufige geistig anregende Freizeitaktivitäten einschließlich Lesen über fünf Jahre mit einem geringeren Risiko für kognitive Beeinträchtigungen verbunden waren. Weitere zusammengefasste Untersuchungen weisen ebenfalls darauf hin, dass regelmäßige geistige Aktivität mit langsamerem kognitivem Abbau und einem geringeren Demenzrisiko einhergeht.
Eine oft zitierte ältere Kohortenstudie mit 801 Ordensangehörigen liefert einen weiteren Hinweis. Dort sank das Alzheimer-Risiko pro zusätzlichem Punkt auf einem Index für geistig anregende Aktivitäten um 33 Prozent. Dieser Index umfasste neben dem Lesen von Zeitungen, Zeitschriften und Büchern auch andere Tätigkeiten wie Spiele und Museumsbesuche. Die Zahl lässt sich deshalb nicht als isolierter Schutzeffekt des Lesens interpretieren.
Solche Beobachtungsdaten können zudem durch Gesundheit, Bildung, soziale Einbindung und andere Lebensstilfaktoren beeinflusst sein. Die Zusammenhänge bleiben deshalb auch dann interessant, wenn sie keine direkte Schutzwirkung des Lesens beweisen. Entscheidend ist, dass die verschiedenen Altersgruppen in dieselbe Ri