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Luftverschmutzung: Feinstaub beeinträchtigt die Sehkraft
Wer dauerhaft stärker mit verschmutzter Luft belastet ist, hat offenbar häufiger Glaukom und Katarakt. Eine Metaanalyse von 41 Beobachtungsstudien mit Millionen Menschen verbindet vor allem Feinstaub PM2,5 mit einem höheren Erkrankungsrisiko. Die Daten zeigen jedoch nur Zusammenhänge und belegen nicht, dass Luftverschmutzung die Augenkrankheiten direkt verursacht.
London (England). Luftschadstoffe treffen den Körper nicht nur über Lunge und Kreislauf. Auch die Augen liegen direkt an der Grenze zur Außenwelt, während feine Partikel zugleich in den Körper eindringen und dort Entzündungsreaktionen fördern können. Ob diese Belastung das Entstehen altersbedingter Augenkrankheiten beeinflusst, war bislang jedoch deutlich schlechter untersucht als ihre Folgen für Herz und Atemwege.
Besonders im Blick stehen Glaukom und Katarakt. Beim Glaukom wird der Sehnerv geschädigt, beim Katarakt trübt sich die Augenlinse. Beide Erkrankungen werden mit zunehmendem Alter häufiger, doch neben Alter und Veranlagung könnten auch Umweltfaktoren zur individuellen Belastung beitragen.
Ahmed Alnabihi vom King Khaled Eye Specialist Hospital & Research Center (KKESH&RC) und sein Team haben dafür 41 Beobachtungsstudien in einer systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse zusammengeführt. Die ausgewerteten Datensätze umfassen Millionen Menschen aus Ostasien und Großbritannien. Untersucht wurden Zusammenhänge zwischen Augenerkrankungen und Feinstaub PM2,5 und PM10, Stickstoffdioxid, Schwefeldioxid, Ozon sowie Kohlenmonoxid.
Die Forscher verglichen die Belastung mit Diagnosen von Glaukom, Katarakt und altersbedingter Makuladegeneration. Weil alle einbezogenen Untersuchungen beobachtend angelegt waren, kann die Metaanalyse statistische Beziehungen sichtbar machen, aber keine direkte Ursache beweisen. Unterschiede zwischen Regionen, Messverfahren und den ausgewerteten Bevölkerungsgruppen können die zusammengefassten Ergebnisse ebenfalls beeinflussen.
Am deutlichsten war die Verbindung für PM2,5. In den am stärksten belasteten Gebieten lagen die statistischen Chancen auf eine Glaukomdiagnose nach Angaben der Forscher bis zu 70 Prozent höher als in den am wenigsten belasteten Gebieten. Auch Katarakte traten bei höherer Luftverschmutzung konsistent häufiger auf, während die Ergebnisse für die altersbedingte Makuladegeneration weniger einheitlich waren.
Andere Luftschadstoffe zeigten schwächere oder gemischte Zusammenhänge. Damit spricht die Analyse nicht dafür, jede Form von Luftverschmutzung gleich zu bewerten, sondern deutet vor allem auf feine Partikel als möglichen relevanten Umweltfaktor für die Augengesundheit hin.
Als mögliche Erklärung nennen die Autoren Entzündungen und oxidativen Stress. Solche Prozesse können bei langjähriger Belastung Gewebe schädigen und könnten damit sowohl den Sehnerv als auch die Augenlinse betreffen. Hinzu kommt, dass Tränenfilm, Bindehaut und Hornhaut unmittelbar der Außenluft ausgesetzt sind und Schadstoffen damit direkt begegnen.
Ob dieser Mechanismus die in der Metaanalyse beobachteten Unterschiede tatsächlich verursacht, wurde jedoch nicht direkt getestet. Die zusammengeführten Studien erfassen vor allem statistische Zusammenhänge zwischen Belastung und Erkrankung. Für eine kausale Zuordnung wären weitere Untersuchungen mit genauerer Expositionsmessung und besserer Kontrolle möglicher Störfaktoren nötig.
Die Ergebnisse ergänzen die bekannten gesundheitlichen Argumente für weniger Luftverschmutzung um einen möglichen Effekt auf das Sehvermögen. Für politische Entscheidungen liefern sie damit einen zusätzlichen Hinweis, auch wenn die Größenordnung der Effekte noch genauer untersucht werden muss. Die Autoren fordern insbesondere weitere Studien in stark belasteten Regionen, die in der bisherigen Datenbasis nur unzureichend vertreten sind.