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Ohne Führerhaus: Lidl lässt autonomen Lkw auf die Straße
Lidl und Einride schicken einen elektrischen, führerhauslosen Lkw in den autonomen Lieferbetrieb. Der Transporter fährt auf einer öffentlichen Straße und ohne Sicherheitsfahrer an Bord. Vorerst bleibt sein Einsatzgebiet allerdings sehr überschaubar.
Im hessischen Edermünde bei Kassel transportiert das Fahrzeug Waren aus dem örtlichen Verteilzentrum zu einer nahe gelegenen Lidl-Filiale. Laut der gemeinsamen Ankündigung von Einride und Lidl handelt es sich um den ersten führerhauslosen Lkw, der in Deutschland auf einer öffentlichen Straße im regulären Logistikbetrieb eingesetzt wird. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) habe dafür die erste Genehmigung dieser Art erteilt.
Der elektrische Sololastwagen bietet Platz für 15 Europaletten und soll die Filiale bis zu dreimal am Tag mit Trockensortiment beliefern. Während der auf vier Monate angesetzten ersten Projektphase könnten dadurch mehr als 3.000 Paletten transportiert werden.
Die zunächst befahrene Strecke fällt mit lediglich 400 Metern allerdings äußerst kurz aus. Zudem darf der autonome Lkw höchstens 25 km/h fahren. Im Fahrzeug selbst befinden sich weder ein Fahrer noch eine andere Sicherheitsperson. Vollkommen unbeaufsichtigt ist der Transport dennoch nicht: Ein sogenannter Local Operator begleitet den Lkw in einem separaten Fahrzeug und übernimmt in der ersten Phase außerdem das Be- und Entladen.
Das Fahrzeug fährt nach SAE-Level 4. Das System übernimmt innerhalb eines festgelegten Einsatzgebiets und unter definierten Bedingungen sämtliche Fahraufgaben, ohne dass ein Mensch im Fahrzeug eingreifen können muss. Einen beliebigen Start- und Zielort kann sich der führerhauslose Lkw damit jedoch nicht suchen. Er ist für den vom KBA genehmigten Betriebsbereich ausgelegt.
Anders als bei einer Vorführung auf einem abgesperrten Testgelände findet der Versuch im öffentlichen Straßenverkehr und innerhalb der tatsächlichen Lieferkette von Lidl statt. Erprobt werden deshalb nicht nur die autonome Fahrfunktion und der elektrische Antrieb, sondern auch die Abläufe am Verteilzentrum und an der Filiale.
Für eine zweite Phase ab 2027 planen Lidl und Einride, die einzelne Verbindung zu einem sogenannten Milk Run mit mehreren Haltepunkten auszubauen. Darüber hinaus werde über weitere Einsätze bei Unternehmen der Schwarz Gruppe gesprochen. Einride sieht in autonomen Transporten eine mögliche Antwort auf den Fahrermangel und schwankende Lieferketten.
Bis zu einem flächendeckenden Einsatz autonomer Lieferfahrzeuge ist es dennoch ein weiter Weg. Der kurze und genau festgelegte Rundkurs zeigt vielmehr, in welchem Rahmen die Technik derzeit praktisch erprobt und genehmigt werden kann. Dass der Lkw dabei ohne Fahrerkabine und ohne Sicherheitsfahrer an Bord auf eine öffentliche Straße darf, unterscheidet das Projekt von vielen bisherigen Testfahrten.