// TAGESSCHAU WIRTSCHAFT — FINANZA
Wie blockierte Seewege den weltweiten Handel gefährden
Die Huthi-Miliz blockiert die Meerenge von Bab al-Mandab - und damit die kürzeste Route von Asien nach Europa. Das bedeutet teure Umwege. Wie gefährdet sind Schifffahrtsrouten und globale Lieferketten?
Mit einer vollständigen Blockade der Meerenge Bab al-Mandab durch die Huthi-Miliz hatten viele nicht gerechnet. Für die meisten Reedereien kam das Vorgehen vor der Küste des Jemen dennoch nicht völlig unerwartet.
Denn Schiffsbetreiber wie Kapitäne wissen seit Jahren: Die Route vom Arabischen Meer über das Rote Meer und den Suezkanal ins Mittelmeer ist einer der gefährlichsten Schifffahrtswege der Welt. Und das nicht nur wegen der Piraterie vor der Küste des Jemen, vor der sich seit geraumer Zeit viele Schiffe mit privaten Sicherheitskräften schützen.
Die von Iran unterstützte Huthi-Miliz hat alle Inseln in der wichtigen Meerenge Bab al-Mandab eingenommen.
mehr
"Wir leiden schon seit etwa drei Jahren an einer angespannten Sicherheitssituation rund um das Rote Meer. Es mag sogar etwas länger sein", sagt Martin Kröger, Hauptgeschäftsführer vom Verband Deutscher Reeder, gegenüber tagesschau.de. Damals hatte die Huthi-Miliz aus Solidarität mit der islamistischen Terrormiliz Hamas im Gazastreifen damit begonnen, auf Handelsschiffe zu schießen.
"Das führte damals schon bei vielen Reedereien dazu, die Durchfahrt der Passage zu vermeiden", so Kröger. Dazu gehört auch die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd. Ende 2023 hatten die dortigen Verantwortlichen wegen der zunehmenden Angriffe entschieden, die Schiffe umzuleiten. Die Sicherheit der Besatzungen und Schiffe habe immer oberste Priorität, betont eine Sprecherin von Hapag-Lloyd im Gespräch mit tagesschau.de.
Statt durch den Suezkanal müssen die meisten Schiffe auf dem Weg von Asien nach Europa nun einen Umweg fahren. Seitdem geht es vorbei am Kap der Guten Hoffnung. Einmal herum um die Südspitze des afrikanischen Kontinents. Das Problem: Dieser Weg dauert nicht nur länger. Etwa zehn bis vierzehn Tage je nach Schiffstyp verlängert sich die Passage. Der Umweg führt auch zu höheren Kosten. Hapag-Lloyd spricht von etwa 600 Millionen Dollar seit Beginn des Konflikts im Nahen Osten.
Der weitaus größere Teil davon entfällt auf höhere Treibstoffpreise. Hinzu kämen Mehrkosten für Versicherungen und neu anzulaufende Häfen. Weil die Schiffe aber groß seien, würden sich die Verteuerungen kaum bemerkbar machen, so die Reederei. Sie lägen im Cent-Bereich - und würden vom Endkunden bezahlt.
Trotz dieser Kostensteigerungen sei man aber widerstandsfähig, betont zumindest die Hapag-Lloyd-Sprecherin. Für die Kundinnen und Kunden würden alternative Routen angeboten. Außerdem sei man in der Lage, die Lieferketten aufrechtzuerhalten.
FAQ
12.09.2026