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EWE-TEL-Chef zum Kupfer-Aus: „Wir müssen jetzt schon überlegen“
Zum 30. Geburtstag von EWE TEL zieht Geschäftsführer Norbert Westfal Bilanz: Er fordert fairen Netzzugang, die Kupferabschaltung und mehr Wettbewerb.
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Als wir uns zum Interviewtermin in seinem Büro am Sitz von EWE TEL im niedersächsischen Oldenburg treffen, legt Norbert Westfal einen grauen Dokumentenordner auf den Tisch. Darin: ein Papier aus den Anfangstagen des Telekommunikationsanbieters. Genauer gesagt ein Vorstandsbeschluss des regionalen Energieanbieters. Ordner, Papier – das Stück Geschichte steht sinnbildlich dafür, welchen Weg die Informationstechnologie in den Jahren seit der Liberalisierung der TK-Märkte genommen hat. EWE TEL, das in diesen Tagen 30 Jahre alt wird, war von Anfang an mit dabei. Westfal ist heute zudem Präsident des Bundesverbandes Breitbandkommunikation (BREKO). Unser Gespräch über Lehren aus 30 Jahren am Markt, über den langen Weg zur Glasfaser und weg von den Kupfernetzen sowie Westfals Begehren für gleichberechtigten Zugang zu den Mobilfunknetzen berührt folglich seine beiden Positionen.
EWE TEL wurde am 1. Januar 1996 in Oldenburg gegründet – mit gerade einmal vier Mitarbeitern. Heute beschäftigt die EWE-Telekommunikationstochter rund 1.300 Menschen (Stand 2021). Ihren eigenen Markenauftritt startete das Unternehmen 1998 als Call-by-Call-Anbieter, zum Zeitpunkt der Liberalisierung des deutschen Telekommunikationsmarktes. Auch beim Netzausbau hat sich viel getan: Verfügte EWE 1996 noch über ein rund 8.000 Kilometer langes Telekommunikationsnetz, sind es heute mehr als 50.000 Kilometer, davon fast 40.000 Kilometer Glasfaserkabel.
Herr Westfal, EWE TEL wurde 1996 gegründet – zwei Jahre bevor die Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes in Kraft trat. Damals gehörten viel Innovation und auch ein gewisser Angriffsgeist dazu, um in diesem jungen Markt Fuß zu fassen. Wie viel davon ist nach 30 Jahren noch übrig?
Wir sind heute natürlich anders unterwegs als vor 30 Jahren. Spannend ist aber, sich das damalige Unternehmenskonzept noch einmal anzuschauen. Die Idee war zunächst, die Telekommunikationsinfrastruktur, die wir für den Energiekonzern brauchten, auch geschäftlich zu nutzen. Schon 1994 war klar, dass das vorhandene Kupfernetz künftig nicht mehr ausreichen würde. Damals wurden unsere IT-Standorte noch mit 64 Kilobit pro Sekunde angebunden. Gleichzeitig entstand der Wille, als regionaler Anbieter auch die Bevölkerung und Geschäftskunden in unserer Region mit Telekommunikationsdiensten zu versorgen. Das ist im Kern bis heute geblieben. Und der Angriffsgeist von damals ist natürlich noch da, er ist Teil unserer DNA: Den brauchen wir schon deshalb, weil der Markt weiter umkämpft ist, wir große Ziele haben und gerne ungewöhnliche Wege gehen.
Sie haben den deutschen Telekommunikationsmarkt von der Liberalisierung bis heute begleitet. Hat sie aus Kundensicht funktioniert – oder gibt es nach fast 30 Jahren noch Bereiche, in denen Wettbewerb nicht ausreichend funktioniert?
Definitiv hat die Liberalisierung funktioniert. Der Wettbewerb hat eine steile Innovationskurve ermöglicht und für ein attraktives Preisniveau gesorgt. Das sind Vorteile, die wir erhalten müssen. Gleichzeitig halte ich es auch heute für richtig, dass wir eine Bundesnetzagentur haben, die regulatorisch eingreifen kann. Es gibt weiterhin überstarke Marktpositionen, etwa beim alten Kupfernetz oder bei der exklusiven Zuteilung von Mobilfunkfrequenzen. Da versuchen die Marktakteure, die aus ihrer betriebswirtschaftlichen Sicht natürlich versuchen, Vorteile zu realisieren. Volkswirtschaftlich brauchen wir aber freien Wettbewerb – und dort, wo er nicht von allein entsteht, Regulierung.
Früher stand das eigene Netz stark im Mittelpunkt. Heute bietet EWE TEL vom Festnetz über Mobilfunk bis Fernsehen viele Dienste an. Was ist EWE TEL heute eigentlich – Netzbetreiber oder Diensteanbieter?
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