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Rätsel um Meretneiths Rang in Ägypten vor 5.000 Jahren entschlüsselt?
Königin, Regentin oder König: Seit Jahrzehnten ist umstritten, welchen Rang Meretneith vor mehr als 5.000 Jahren in Ägypten innehatte. Jetzt haben Forscher eine alte Aufnahme von Siegelabdrücken digital rekonstruiert. Die mittleren Königszeichen tragen demnach Meretneiths Namen und stützen die These, dass sie zeitweise denselben Herrschaftsmarker wie männliche Könige führte.
Prag (Tschechien). Vieles deutet darauf hin, dass Meretneith in der Ersten Dynastie ungewöhnlich viel politische Macht besaß. Doch ob sie Ägypten tatsächlich in einer dem König gleichgestellten Rolle regierte, blieb umstritten, denn die Schriftüberlieferung aus dieser frühen Phase des ägyptischen Staates ist lückenhaft.
Zu den wichtigsten Herrschaftszeichen jener Zeit gehörte der Serekh. Dieses Emblem verband die Darstellung einer Palastfassade mit dem Namen des Herrschers und häufig einem darüber gesetzten Horusfalken. Ein Serekh mit Meretneiths Namen wäre deshalb ein besonders starkes Indiz dafür, dass sie nicht nur als Königsmutter oder vorübergehende Regentin auftrat.
Im Zentrum der neuen Untersuchung stehen Siegelabdrücke aus Sakkara, die der Ägyptologe Walter B. Emery 1954 veröffentlichte. Auf der erhaltenen Schwarzweißaufnahme sind vier Serekhs nebeneinander zu sehen. Den ersten und vierten ordnete Emery dem König Djer zu, während bei den beiden mittleren Zeichen umstritten blieb, ob sie tatsächlich Meretneith nennen.
Das Problem: Das Original des Siegelabdrucks ist heute nicht auffindbar, ebenso wenig die zugehörige Glasplatte des Fotos. Für eine erneute Prüfung bleibt damit vor allem die Aufnahme in Emerys Archiv bei der Egypt Exploration Society. Gerade ihre geringe Bildqualität hatte frühere Lesungen erschwert und zu unterschiedlichen Deutungen der Zeichen geführt.
Für die neue Analyse haben die Autoren einen hochauflösenden Scan dieser Aufnahme digital bearbeitet. Dabei isolierten sie die Hieroglyphen, kehrten die Farbdarstellung um und überführten die Formen in eine skalierbare Vektorgrafik. Das Verfahren soll Details klarer sichtbar machen, die in der alten Reproduktion kaum zu erkennen waren, erzeugt allerdings keinen neuen archäologischen Fund, sondern erschließt vorhandenes Bildmaterial neu.
Die digitale Rekonstruktion zeigt nach Angaben der Studie in den beiden mittleren Serekhs Zeichen, die mit dem zentralen Zeichen in Meretneiths Namen übereinstimmen. Damit stützt die Analyse Emerys spätere Zuordnung an Meretneith. Für die Autoren ist besonders wichtig, dass ihr Name innerhalb eines Serekhs erscheint und damit in dem Herrschaftszeichen steht, das in dieser Epoche Königen vorbehalten war.
Das Team wertet dies als starkes Indiz dafür, dass Meretneith zeitweise eine einem männlichen König entsprechende politische Stellung innehatte. Die nebeneinander stehenden Serekhs von Djer und Meretneith deuten die Autoren als Hinweis auf eine gemeinsame Regierungsphase. Diese Schlussfolgerung ist eine historische Interpretation der Inschrift und ihres Kontexts, keine direkte Amtsbezeichnung im Text selbst.
Andere Zeugnisse passen nach Ansicht der Autoren zu einem mehrstufigen politischen Werdegang. Spätere Siegel nennen Meretneith im Umfeld des Königtums und belegen ihre herausgehobene Stellung, während das neue Bildargument diese bereits bekannte Belegkette um einen besonders frühen königlichen Marker ergänzen soll.
Die neue Lesung stärkt damit die These, dass Meretneith nicht nur stellvertretend Macht ausübte. Dennoch bleibt die Quellenlage ungewöhnlich schwierig, weil weder der ursprüngliche Abdruck noch die fotografische Glasplatte derzeit direkt untersucht werden können. Die digitale Rekonstruktion hängt deshalb von der Qualität und korrekten Interpretation einer historischen Aufnahme ab.