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„Biobanking neu denken!“: Zwischen Laborpragmatismus, Tiefkühllogistik und EHDS
Auf dem 14. Biobanken-Symposium zeigt sich: Zwischen Theorie und Praxis gibt es Lücken bei der Standardisierung, der Einwilligung zur Datenverarbeitung und Co.
Dr. Tanja Weis stellte auf dem 14. Biobanken-Symposium vor, wie die Heidelberg CardioBiobank (HCB) ihre automatisierte Infrastruktur für das Fachnetzwerk Infektionen (Study Network Infectious Diseases, SNID) im Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) öffnete.
Der europäische Gesundheitsdatenraum (EHDS) und die elektronische Patientenakte (ePA) sollen Millionen Behandlungsdaten für die medizinische Forschung erschließen. Der bisherige Standard – für jedes Forschungsprojekt eine eigene schriftliche Einwilligung der Patienten einzuholen – gilt gesundheitspolitisch als Auslaufmodell und soll schrittweise durch automatisierte Widerspruchslösungen (Opt-out) ersetzt werden. Doch zwischen den Datenraumkonzepten aus Brüssel und der Praxis in den Forschungsinstituten klafft eine erhebliche Lücke. Das machte das 14. Nationale Biobanken-Symposium deutlich, das die Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung (TMF e.V.) ausrichtete. Tagungspräsident war Dr. Ronny Baber, Leiter der Leipzig Medical Biobank am Universitätsklinikum Leipzig.
Unter dem Motto „Biobanking neu denken!“ diskutierten Experten, wie die Biobank der Zukunft aussehen muss und welche Infrastrukturen die medizinische Forschung benötigt, um Proben und Daten künftig noch besser zu verknüpfen. Ein zentraler Hebel auf nationaler Ebene ist dabei die sich seit Juli im Aufbau befindende, vom Bundesforschungsministerium geförderte „Biobank-Plattform für Deutschland“ im Netzwerk Universitätsmedizin (NUM). Als bundesweiter „One-Stop-Shop“ soll sie den standortübergreifenden Zugang zu Bioproben und verknüpften klinischen Daten an 38 universitären Standorten koordinieren, um zeitraubende Einzelverträge mit separaten Biobanken überflüssig zu machen.
Auf dem Symposium wurden Großprojekte wie die HANSE-Lungenkrebsstudie oder der Aufbau von Biobanken wie der „Tumor Organoid Biobank“ sowie das Fachnetzwerk Infektionen (Study Network Infectious Diseases, SNID) als erstes krankheitsbezogenes Netzwerk im NUM vorgestellt. Wie anspruchsvoll der Spagat zwischen Klinik und Labor ist, zeigte Dr. Tanja Weis vom Universitätsklinikum Heidelberg: Mit dem „Heidelberger Modell“ etablierte sie an der dortigen CardioBiobank ein behördlich auditiertes Verfahren, dessen aufwendigen Prozess sie in einem Vortrag skizzierte. Dieses dient dazu, für das Infektionsnetzwerk des NUM selbst Proben bis zur Biosicherheitsstufe 3 (BSL-3), die etwa für Erreger von SARS-CoV-2, HIV und Affenpocken gilt, über einheitliche Prozesse und klar gekennzeichnete Gefäße einzulagern.
In Deutschland schuf die Medizininformatik-Initiative (MII) mit einem modularen Broad Consent zwar ein einheitliches Verfahren, um Behandlungsdaten und Restproben breit für wissenschaftliche Zwecke freizugeben. Doch auch dieser Ansatz stößt an organisatorische Grenzen. Gabriele Müller vom Universitätsklinikum Dresden zeigte, wie aufwendig die Nachverfolgung wird, wenn Menschen nach Notfällen nicht mehr ansprechbar sind, Studienteilnehmer versterben oder minderjährige Probanden volljährig werden und erneut kontaktiert werden müssen.
Große Hoffnungen setzen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer deshalb auch auf die ePA. Nach Müllers Einschätzung könnte die digitale Akte theoretisch als zentrales Instrument dienen, um Behandlungsdaten aus der Routineversorgung über Jahre hinweg für Studien freizugeben und den Status von Einwilligungen technisch sauber zu verwalten.
Im Plenum dominierte jedoch Skepsis gegenüber den Versprechen der Gesundheitspolitik. Die Kieler Medizinethikerin Dr. Gesine Richter warnte vor oberflächlichen Werbekampagnen. Es helfe der Akzeptanz nicht, der Bevölkerung mit Parolen wie „Meine Daten sind in der ePA, super, super!“ zu begegnen, wenn die Menschen im Versorgungsalltag das Gegenteil funktionierender Digitalisierung erleben: Wer mehrfach vergebl