// SCINEXX — SPAZIO & SCIENZA
Dürren und Hochwasser wechseln in mehreren Weltregionen immer häufiger
Dürre und Hochwasser können sich innerhalb kurzer Zeit ablösen und dadurch die Folgen beider Extreme verschärfen. Eine globale Analyse für 1981 bis 2023 zeigt nun, dass solche Wechsel in mehreren Regionen häufiger werden, während sie anderswo abnehmen. Besonders ausgeprägte Häufigkeiten treten je nach Wechselrichtung in ganz unterschiedlichen Weltregionen auf.
Cambridge (U.S.A.). Nach langer Trockenheit kann ein rascher Übergang zu Starkregen die Belastung für Böden, Ökosysteme und Wasserwirtschaft zusätzlich erhöhen, während nach einer feuchten oder hochwasserreichen Phase schon bald wieder Trockenheit folgen kann. Solche abrupten Dürre-Flut-Wechsel sind bislang vor allem regional untersucht worden, obwohl sie in sehr unterschiedlichen Klimazonen vorkommen und auf bereits belastete Regionen ein gegensätzliches Extrem folgen lassen.
Ein Forschungsteam hat nun die räumlichen und zeitlichen Muster solcher Wechsel für den Zeitraum von 1981 bis 2023 verglichen. Die Wissenschaftler nutzten dazu den Long-Cycle Drought-Flood Abrupt Transition Index (LDFAI), der sowohl Übergänge von Dürre zu Flut als auch Wechsel von Flut zu Dürre erfasst. Untersucht wurden weltweit verteilte Regionen, in denen schwere meteorologische Dürren oder starke Niederschlagsereignisse aus den vergangenen Jahrzehnten gut dokumentiert sind.
Die Analyse zeigt deutliche regionale Unterschiede. Im Jangtse-Becken, in Ostindien, Pakistan und Südostafrika nahmen beide Wechselrichtungen im Untersuchungszeitraum zu. In Kalifornien, im südlichen Afrika und in der italienischen Region Emilia-Romagna gingen die entsprechenden Trends dagegen zurück. Damit ergibt sich kein einheitlicher globaler Verlauf, sondern ein räumlich stark gegliedertes Muster.
Trend und absolute Häufigkeit sind dabei nicht dasselbe. Ostindien und Kalifornien wiesen trotz ihrer unterschiedlichen zeitlichen Entwicklung insgesamt vergleichsweise wenige Wechsel in beiden Richtungen auf. Eine Region kann also einen zunehmenden Trend zeigen und dennoch relativ selten betroffen sein, während ein anderes Gebiet trotz rückläufiger Entwicklung über den gesamten Zeitraum höhere Häufigkeiten erreicht.
Besonders häufige Übergänge von Dürre zu Flut fanden die Forscher im südlichen Afrika und in Emilia-Romagna. Die Analyse weist dort für 43 Jahre Werte von 7,06 beziehungsweise 7,13 Ereignissen aus. Wechsel von Flut zu Dürre waren hingegen im Mississippi-Becken mit 8,73 und im Jangtse-Becken mit 6,86 Ereignissen am häufigsten. Die räumlichen Hotspots unterscheiden sich damit je nach Richtung des Extremwechsels.
Auch die räumliche Ausdehnung veränderte sich innerhalb einzelner Regionen. Im südlichen Afrika erreichte der Anteil der von Flut-zu-Dürre-Wechseln betroffenen Fläche 1990 einen Wert von 5,5 Prozent und lag 2016 bei 4,6 Prozent. In Emilia-Romagna stieg dieser Flächenanteil von sieben Prozent im Jahr 1982 auf elf Prozent im Jahr 2005 und fiel bis 2022 wieder auf neun Prozent.
Für Frühwarnsysteme und Risikomanagement ist deshalb entscheidend, welche Wechselrichtung in einer Region besonders häufig auftritt und wie sich diese Häufigkeit über die Zeit verändert. Wer nur Dürre oder nur Hochwasser getrennt betrachtet, kann einen raschen Wechsel zum jeweils anderen Extrem übersehen, obwohl gerade diese Abfolge zusätzliche Anforderungen an Wassermanagement und kurzfristige Vorsorge stellen kann.
Die Untersuchung beschreibt die beobachteten räumlichen und zeitlichen Muster, liefert aber keine globale kausale Zuordnung der einzelnen Wechsel zum Klimawandel. Für Anpassungsstrategien bleibt die regionale Differenzierung dennoch wichtig, weil zunehmende Trends und hohe absolute Häufigkeiten nicht automatisch in denselben Gebieten auftreten. Die Autoren sehen in einer besseren Erfassung dieser Wechsel deshalb eine Grundlage für stärkere Frühwarnung, Risikoplanung und Anpassung in gefährdeten Regionen.