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Erkrankungsrisiken hängen auch mit den Schlafphasen zusammen
Nicht nur die Zahl der Schlafstunden scheint für die Gesundheit zu zählen: Eine große Beobachtungsstudie verknüpft auch die Zusammensetzung des Schlafs mit späteren Erkrankungen. Mehr geschätzter REM- und Tiefschlaf ging mit niedrigeren Risiken für zahlreiche Diagnosen einher. Besonders ungünstig schnitten Menschen mit weniger als fünf Stunden Schlaf ab.
Beijing (China). Wie viel Schlaf gesund ist, wird meist über die nächtliche Gesamtdauer beschrieben. Doch eine Nacht besteht aus unterschiedlichen Schlafphasen, und auch Unregelmäßigkeit oder längere Wachzeiten können eine Rolle spielen. Bisher ließ sich dieser Zusammenhang in sehr großen Bevölkerungsgruppen nur schwer untersuchen, weil eine genaue Messung der Schlafstadien im Labor aufwendig ist.
Nun haben Forscher der Peking University (PKU) um Wangnan Cao Schlafdaten von 95.559 Teilnehmern der UK Biobank ausgewertet. Die im Mittel 56 Jahre alten Männer und Frauen hatten sieben Tage lang einen Bewegungssensor am Handgelenk getragen. Anschließend verknüpfte das Team die daraus abgeleiteten Schlafmuster mit späteren Diagnosen über eine mediane Nachbeobachtungszeit von 8,9 Jahren.
Der Sensor misst keine Hirnströme wie eine klassische Schlaflabor-Untersuchung. Stattdessen nutzten die Forscher den Deep-Learning-Algorithmus SleepNet, um aus den Bewegungsdaten REM-Schlaf, Tiefschlaf, Leichtschlaf, Gesamtschlafdauer, nächtliche Wachzeit und Schwankungen zwischen den Nächten abzuleiten. Das Verfahren war zuvor an 1.113 Nächten mit paralleler Polysomnografie geprüft worden.
Diese Schätzung ist allerdings nicht mit einer direkten Messung der Schlafstadien gleichzusetzen. In der Studie erreichte das Modell für die Unterscheidung von REM-, Nicht-REM-Schlaf und Wachsein nur eine moderate Klassifikationsleistung. Die Autoren weisen zudem auf systematische Abweichungen gegenüber der Polysomnografie hin, etwa bei der geschätzten Dauer von REM- und Nicht-REM-Schlaf.
Für ihre Analyse prüften die Wissenschaftler 1.049 Krankheitsbilder. Nach einer strengen Korrektur für die große Zahl statistischer Tests blieben 156 Zusammenhänge zwischen Schlafmustern und späteren Erkrankungen bestehen. Besonders breit war das Muster beim REM-Schlaf: Eine um 47,6 Minuten höhere REM-Dauer innerhalb der untersuchten Verteilung war mit einem niedrigeren Risiko für 83 Krankheiten verbunden.
Dazu gehörten unter anderem Herzschwäche, Vorhofflimmern, Demenzerkrankungen und Parkinson-Syndrome. Beim Tiefschlaf zeigte eine um 47,5 Minuten höhere Dauer Zusammenhänge mit einem niedrigeren Risiko für sieben Erkrankungen, darunter Typ-2-Diabetes und eine schwere depressive Störung. Größere Schlafunregelmäßigkeit und mehr Wachzeit nach dem Einschlafen waren dagegen jeweils mit erhöhten Risiken für mehrere Diagnosen verbunden.
Auch wenn die Gesamtschlafdauer statistisch berücksichtigt wurde, blieb für den Anteil des REM-Schlafs ein breites Muster bestehen. Ein höherer REM-Anteil war dann mit einem niedrigeren Risiko für 54 Krankheitsbilder verbunden. Das spricht dafür, dass nicht nur die reine Zahl der Schlafstunden mit späterer Gesundheit zusammenhängt.
Bei der Schlafdauer zeigte sich kein einfacher linearer Zusammenhang. Für 86 Krankheitsbilder fanden die Forscher eine gekrümmte Beziehung, wobei die geschätzte Dauer mit dem niedrigsten Risiko bei 69 davon zwischen sechs und acht Stunden lag. Im feineren Vergleich entfielen 37 von 41 statistisch abgesicherten ungünstigen Zusammenhängen auf Menschen, die weniger als fünf Stunden schliefen.
Im Vergleich zur Gruppe mit sechs bis acht Stunden Schlaf hatten Menschen mit weniger als sechs Stunden unter anderem ein höheres Risiko für Herzschwäche, Typ-2-Diabetes und chronisch obstruktive Lungenerkrankung. Mehr als acht Stunden Schlaf waren dagegen nach der strengsten Korrektur nur bei einer schweren depressiven Störung mit einem erhöhten Risiko verbunden.