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Gaming-Krise trifft den Westen: Japanische Entwickler zeigen sich deutlich stabiler
Während die westliche Games-Branche von Massenentlassungen getroffen wurde, zeigte sich Japan stabil. Branchen-Experte Amir Satvat erklärte die Gründe.
Auch wenn mit Grand Theft Auto 6 der wohl größte Videospiel-Launch aller Zeiten ansteht und Unternehmen wie EA und Activision Blizzard für Millionen und Milliarden verkauft werden, wird die Befürchtung größer, dass die Gaming-Industrie mehr und mehr in den nächsten großen Crash hineinrutscht. Allerdings scheint sich das nicht weltweit auszuwirken, denn wie ein Experte erklärt, ist die japanische Videospielindustrie größtenteils intakt.
Amir Satvat war Business Development Director bei Tencent Games und ist Gründer der Community-Initiative ASGC. Seit 2022 betreibt er den bekannten Games Industry Layoffs Tracker, der weltweite Entlassungen in der Videospielbranche erfasst. Für seinen ehrenamtlichen Einsatz zur Vermittlung betroffener Entwickler wurde er bei den The Game Awards 2024 ausgezeichnet.
Bei den Milliardengewinnen, die die Videospielindustrie jedes Jahr erwirtschaftet, wirkt ein Crash nicht direkt imminent, doch bei all den Studioschließungen, steigenden Preisen und massenhaften Entlassungen, verschiebt sich das Bild. Kurioserweise betrifft das vor allem den westlichen Gaming-Markt. In Japan scheint das Meiste stabil zu bleiben. “In Japan sieht die Lage ganz anders aus”, erklärt Amir Satvat in Bezug auf Entlassungen und die Unternehmenskultur.
Satvat führt seit 2022 den ASGC Games Industry Layoffs Tracker und sammelt Daten über Entlassungen, von großen AAA-Studios bis hin zu kleinen Indie-Entwicklern. Natürlich sei Japan dennoch keine Utopie, betont er gegenüber dem Edge Magazin, das im Knowledge-Newsletter veröffentlicht wurde. Entsprechend sollen 57.628 Jobs in der Gaming-Branche verloren gegangen sein, doch gleichzeitig wurden fast genauso viele neue Jobs geschaffen.
Das wirkt zunächst nach einem Nullsummenspiel, doch 96 Prozent der Entlassungen fanden 2026 in Nordamerika und Europa statt. 66 Prozent davon waren sogar allein in Nordamerika für 79 Prozent der Entlassenen verantwortlich.
“Es gab einen Zeitraum von 12 bis 18 Monaten, in dem meiner Schätzung nach mehr als die Hälfte aller Entlassungen weltweit in Kalifornien stattfanden. Ich glaube, für Spieleentwickler in Nordamerika oder Westeuropa, die in einem traditionellen Triple-A-Studio arbeiten, ist die Lage genauso schlimm wie beim Crash von 1983. Das ist das Epizentrum der Zerstörung.”
“Alle kritisieren Nintendo, aber man kann sich auch Konami oder Capcom ansehen – diese Unternehmen haben alle eine Mitarbeiterbindungsrate von über 97 Prozent”, erklärt Satvat die Besonderheiten des japanischen Marktes. “Meiner Einschätzung nach sind japanische Teams im Allgemeinen viel kleiner und schlanker. Sie haben sich nicht vom Live-Service-Trend mitreißen lassen oder von diesen Mega-Blockbustern mit 500-köpfigen Teams.”
Doch gerade einen Punkt will er besonders betonen: “Die Gehälter der Führungskräfte. Sie verdienen immer noch sehr gut, aber es sind zwei oder drei Millionen Dollar, nicht 30 Millionen.”
Dass aber auch in Japan nicht alles perfekt läuft, zeigt der Blick auf Sony. Obwohl das Unternehmen Massenentlassungen im Ausmaß westlicher Studios vermied, geriet der Konzern zuletzt für strategische Sparmaßnahmen in die Kritik, allen voran durch das Ende der physischen Discs sowie Studioschließungen.