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CDU vor den Wahlen: Für den Kanzler geht es ums Amt
Die Zukunft von Friedrich Merz hängt an den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Verpasst die CDU ihre Ziele deutlich, dürfte es ungemütlich werden für den Kanzler. Seine Herausforderer zögern noch.
"Berlin, bleib stabil", steht auf den Schildern, die an das Publikum im Konrad-Adenauer-Haus verteilt werden. Bundeskanzler Friedrich Merz ist gekommen, um CDU-Mitglieder zu motivieren für den Wahlkampfendspurt. Doch viele hier fragen sich eher, wie stabil Merz' Kanzlerschaft noch ist.
"Wir werden vor allem auf Berlin schauen am Sonntag", sagt Merz auf der Bühne. Damit macht er klar, was seine Strategie für den Wahlabend ist: möglichst wenig Aufmerksamkeit für Mecklenburg-Vorpommern, wo die CDU einstellig abschneiden könnte. Den Fokus will er auf Berlin richten, wo seine Partei gute Chancen hat, erneut ins Rote Rathaus einzuziehen.
Es ist einer der wenigen Wahlkampftermine, die Merz überhaupt gemacht hat in diesem Herbst. Und dieser Auftritt am Donnerstagabend ist typisch: Der Kanzler spricht an einem abgeschirmten Ort, vor wohlwollendem Publikum.
Doch selbst die Anhänger hier wirken deutlich begeisterter nach der Rede des Berliner Spitzenkandidaten Stefan Evers. Als Merz fertig ist, stehen sie eher pflichtbewusst auf, um zu applaudieren. Man wird ja schließlich von Kameras internationaler Medien beobachtet. Wie sehr das die Stimmung in der Partei widerspiegelt, analysiert die neue Folge des ARD-Politikpodcasts Berlin Code.
Im Schatten des Kandidaten? Die Begeisterung für Friedrich Merz ist überschaubar.
Auf den Marktplätzen oder vor Bahnhöfen steht die CDU-Basis und spürt eine deutliche Anti-Merz-Stimmung. Im Berliner Wahlkampf fiel sogar auf, dass viele CDU-Stände kaum als solche zu erkennen waren: Die Kandidaten spannten Schirme ohne Parteilogo auf und verteilten Kugelschreiber, auf denen nur ihr Name stand.
Das alles wirkt so, als verstecke die Partei sich selbst und ihren Kanzler. Nach rund anderthalb Jahren in Regierungsverantwortung ist das eine desaströse Bilanz. Dass es so nicht weitergehen kann, ist inzwischen Konsens in der Union. Nur wie der Weg raus aus der Krise aussieht, darüber gibt es Debatten, Gerüchte, angebliche Putschpläne.
Klar ist: Vom Ausgang dieser Landtagswahlen hängt die Zukunft des Kanzlers ab, vor allem die kurzfristige. Es geht um die Frage: Kann er noch ein wenig weitermachen? Oder muss er möglichst schnell ausgetauscht werden? Dass die CDU nicht noch einmal mit ihm zu einer Bundestagswahl antreten wird, gilt dagegen ohnehin als ausgemacht.
Porträt
14.09.2026