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Radikalisierung von Jugendlichen: Die Macht der Islamisten im Netz
Islamistische Propaganda erreicht Jugendliche längst mitten in ihrem digitalen Alltag. Recherchen von BR und SWR zeigen, wie Radikalisierung über Social Media und Gaming funktioniert - und wie schwer es für Familien ist, darauf zu reagieren.
Am Anfang sind es ein paar Seiten auf Instagram. Religiöse Inhalte, Prediger, Videos. Amir (Name geändert) ist vor fünf Jahren 16 Jahre alt und auf der Suche nach Antworten. Seinen richtigen Namen möchte er nicht öffentlich machen. Er stammt aus einem muslimisch geprägten Elternhaus, radikal ist seine Familie nicht.
Doch Amir klickt weiter. Irgendwann werden ihm Gruppen im Messenger Telegram zugeschickt. Dort tauschen sich Jugendliche und Erwachsene über Religion aus - aber auch über die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS). Amir beginnt, ihnen zu glauben.
"Wir Muslime werden unterdrückt - und die sind die Einzigen, die etwas dagegen tun", beschreibt er heute seine damalige Überzeugung .
Er schaut sich Kriegsvideos an, Bilder von leidenden Muslimen. Für komplizierte Konflikte bekommt er plötzlich einfache Erklärungen. Und er findet eine Gemeinschaft, die ihm vermittelt, auf der richtigen Seite zu stehen. Schließlich ist Amir überzeugt: "Die Leute vom IS kennen sich mit dem Islam am besten aus".
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Amirs Geschichte zeigt einen Weg, den Sicherheitsbehörden und Fachleute zunehmend beobachten: Islamistische Radikalisierung findet heute oft dort statt, wo Jugendliche ohnehin einen großen Teil ihrer Zeit verbringen - auf Instagram, TikTok, Telegram, aber auch beim Gaming. Recherchen des BR Funkstreifzugs und der SWR-Sendung Das Wissen zeigen, wie unterschiedliche Plattformen und digitale Räume dabei ineinandergreifen können.
Schüsse, Befehle, brennende Städte: Gamer lassen schwer bewaffnete Figuren gegeneinander kämpfen. Gegner werden erschossen oder mit Macheten getötet. Immer wieder tauchen schwarze Flaggen des IS auf. Terroristen erscheinen als Helden. Auch auf der Spieleplattform Roblox werden IS-Anschläge und Militäreinsätze nachgespielt, warnt das Bundesamt für Verfassungsschutz.
Der Sozialwissenschaftler Constantin Winkler vom Leibniz Institut für Friedens und Konfliktforschung in Frankfurt am Main forscht zu Radikalisierung und digitalen Spielekulturen. "Anders als beim Lesen eines Propagandatextes übernehmen Spieler selbst eine aktive Rolle", sagt er.
Doch das Spiel ist häufig nur der Anfang. Die eigentliche Rekrutierung finde meist über direkte Kommunikation statt. Ein Link führt zum nächsten, aus offenen Räumen werden geschlossene Gruppen und Foren.