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Kreatin erhöht im höheren Alter die Kraft auch ohne Training
Kreatin könnte im mittleren und höheren Erwachsenenalter mehr leisten, als nur intensive Trainingseinheiten zu unterstützen. In einer zwölfwöchigen Studie gewannen 45- bis 65-Jährige mit täglich zehn Gramm Kreatin auch ohne strukturiertes Training fettfreie Gewebemasse und Kraft. Zusammen mit Sport und moderatem Kaloriendefizit fiel zudem der Körperfettanteil stärker als unter Placebo.
College Station (U.S.A.). Bei einer Gewichtsabnahme geht häufig nicht nur Fett, sondern auch fettfreie Gewebemasse verloren, was mit zunehmendem Alter besonders ungünstig sein kann, weil Muskelmasse und Kraft ohnehin nachlassen können. Kreatin dient in den Zellen als schnell verfügbarer Energiespeicher und ist vor allem als Nahrungsergänzung für Kraft- und Schnellkraftleistungen bekannt, doch weniger klar ist seine Wirkung ohne strukturiertes Training.
Forscher der Texas A&M University um Dr. Richard B. Kreider haben dies nun bei gesunden, überwiegend inaktiven Erwachsenen untersucht. Von 73 gestarteten Teilnehmern schlossen 64 die zwölf Wochen ab, darunter 40 Frauen und 24 Männer, wobei die Teilnehmer zunächst selbst entschieden, ob sie an einem kombinierten Trainings- und Abnehmprogramm teilnehmen wollten. Innerhalb dieser beiden vorab gewählten Gruppen wurden sie anschließend doppelblind entweder zehn Gramm Kreatinmonohydrat pro Tag oder einem Placebo zugeteilt.
Die Trainingsgruppe absolvierte dreimal pro Woche Kraft- und Ausdauertraining, sollte an vier weiteren Tagen jeweils 10.000 Schritte erreichen und ihre Ernährung auf ein tägliches Energiedefizit von 300 bis 500 Kilokalorien ausrichten. Körperzusammensetzung, Kraft, Ausdauer, Blutwerte und verschiedene kognitive Leistungen wurden zu Beginn sowie nach sechs und zwölf Wochen untersucht.
Auch ohne das strukturierte Sport- und Ernährungsprogramm zeigte sich ein Unterschied zwischen Kreatin und Placebo, denn nach zwölf Wochen hatte die Kreatingruppe im Mittel 1,1 Kilogramm fettfreie Gewebemasse hinzugewonnen, bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,2 bis 2,0 Kilogramm. Gleichzeitig verbesserten sich Maximalkraft und Muskelausdauer.
Gemessen wurde die Körperzusammensetzung per Dual-Röntgen-Absorptiometrie, kurz DXA. Die Studie berichtet den Befund als Veränderung der fettfreien Gewebemasse. Entscheidend ist, dass diese Zunahme mit besseren Kraftwerten einherging.
In der Trainings- und Diätgruppe nahm die fettfreie Gewebemasse mit Kreatin nach zwölf Wochen im Mittel um 1,27 Kilogramm zu, während sie unter Placebo mit 0,14 Kilogramm nahezu unverändert blieb. Zugleich sank der Körperfettanteil in der Kreatingruppe um 3,24 Prozentpunkte und in der Placebogruppe um 1,87 Prozentpunkte.
Die Kreatingruppe verbesserte außerdem ihre Kraft und Muskelausdauer stärker, einen zusätzlichen Vorteil für die aerobe Leistungsfähigkeit fanden die Forscher dagegen nicht. Die Ergebnisse sprechen damit eher für Effekte auf fettfreie Gewebemasse und muskuläre Leistungsfähigkeit als für einen allgemeinen Ausdauerbonus.
Bei einzelnen Gedächtnis-, Reaktions- und Verarbeitungstests schnitten Teilnehmer mit Kreatin besser ab, während andere Aufgaben zu Aufmerksamkeit und Arbeitsgedächtnis keinen Vorteil zeigten. Die Autoren kennzeichnen diese einzelnen kognitiven Ergebnisse und die meisten Veränderungen bei Blutmarkern ausdrücklich als explorativ, weshalb sich daraus noch keine gesicherten gesundheitlichen Wirkungen ableiten lassen.
Über den zwölfwöchigen Zeitraum wurde die Einnahme insgesamt gut vertragen, doch die Studie war klein und kurz und schloss nur gesunde oder medizinisch stabile Erwachsene ein. Zudem wählten die Teilnehmer selbst, ob sie am Trainings- und Diätprogramm teilnahmen, während nur die Zuteilung zu Kreatin oder Placebo innerhalb dieser Gruppen randomisiert war. Direkte Vergleiche zwischen Training und Nichttraining sind deshalb weniger belastbar als die jeweiligen Kreatin-Placebo-Vergleiche, außerdem lag die tägliche Dosis von zehn Gramm über üblichen niedrigen Erhaltungsdosen.