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MV und Berlin: CDU-Aus und andere historische Ergebnisse
Die Metropole Berlin und das am dünnsten besiedelte Bundesland Mecklenburg-Vorpommern unterscheiden sich in fast allem. Eines aber haben sie gemeinsam: historische Ergebnisse bei den gestrigen Wahlen. Ein Überblick.
"Ein Desaster" - Kanzler und Parteichef Friedrich Merz' war in seiner ersten Bewertung des Mecklenburg-Vorpommern-Ergebnisses deutlich. Historisches war passiert: Seine CDU stand vor ihrem bislang schlechtesten Landtagswahlergebnis. Doch es kam an dem Abend noch dramatischer: Mit 4,89 Prozent ist sie erstmals seit 1949 bei einer Landes-, Bundes- oder Europawahl an der Fünfprozenthürde gescheitert.
Auch wenn die Nordost-CDU bei Wahlen seit Langem einer der schwächeren Landesverbände ist: Den bislang schlechtesten CDU-Wert hatte es bis gestern 1951 gegeben. Damals kamen die Christdemokraten in Bremen immerhin auf neun Prozent - allerdings in einer sehr frühen Phase des bundesrepublikanischen Parteiensystems. In der deutlich jüngeren Vergangenheit gab es 2020 in Hamburg 11,2 Prozent, 2024 in Brandenburg 12,1 Prozent.
Dieses "Desaster" trifft eine Partei, die - gemeinsam mit der CSU - die bundesrepublikanische Politik beispielsweise mit den Ären Adenauer, Kohl und Merkel geprägt hat wie keine andere. Aktuell ist die Union in sechs Bundesländern stärkste Kraft, in acht weiteren zweitstärkste Kraft. Auch nur in die Nähe der Fünfprozentmarke war sie noch nie gekommen. Jetzt ist die SPD als einzige Partei noch nie bei einer Landes-, Bundes- oder bei Europawahlen gescheitert.
In Berlin hingegen hat die CDU mit 18,8 Prozent ihr - je nach Rechnung - zweit- oder drittschlechtestes Ergebnis erreicht. Bei der Abgeordnetenhauswahl 2016 erreichte sie 17,6 Prozent, bei der für ungültig erklärten Wahl 2021 waren es 18 Prozent. Von Ergebnissen wie den mehr als 40 Prozent bei der Wahl 1999 ist sie aber seit Längerem sehr weit entfernt.
Für die AfD-Wahlergebnissäulen gibt es seit rund viereinhalb Jahren nur in eine Richtung: nach oben. Seitdem gab es bei jeder Landtagswahl ein Stimmenplus. In Mecklenburg-Vorpommern ist sie mit 38,2 Prozent nicht nur erstmals stärkste Kraft, sondern hat dort ihr klar bestes Ergebnis erzielt. Sie holte auch 22 von 36 Direktmandaten und lag in 654 von 724 Gemeinden vorn.
Bundesweit ist es für die Partei nach den jüngsten 43,8 Prozent in Sachsen-Anhalt das zweitbeste Resultat. Überhaupt sind die 38,5 Prozent im bundesweiten Landtagswahlvergleich ein sehr gutes Ergebnis. Bessere gab es zuletzt selten, beispielsweise - neben Sachsen-Anhalt - für die schleswig-holsteinische CDU (43,4 Prozent/2022) und die SPD im Saarland (43,5 Prozent/2022).
Auch bei einer Berliner Abgeordnetenhauswahl war sie noch nie so stark wie mit den gestrigen 16,3 Prozent. In zwölf Wahlkreisen holte sie das Direktmandat, in 16 Wahlkreisen hatte sie die meisten Zweitstimmen, im Bezirk Marzahn-Hellersdorf wurde sie mit 33,9 Prozent stärkste Kraft.
Mit dem Vorläufigen Ergebnis im Nordosten ist sie inzwischen in drei Bundesländern die stärkste Kraft - neben MV und Sachsen-Anhalt auch in Thüringen. In Sachsen und Brandenburg ist sie zweitstärkste Kraft.
Im September vor einem Jahr lag die SPD in Mecklenburg-Vorpommern in einer Infratest-dimap-Umfrage noch 19 Punkte hinter der AfD. Am Ende wurden es laut Vorläufigem Ergebnis 2,7 Punkte Rückstand. So bemerkenswert diese Aufholjagd auch war: Die Sozialdemokraten wurden im Nordosten erstmals sei 1994 nicht stärkste Kraft. Ihre 35,5 Prozent sind im Vergleich zu vorangegangenen Wahlen ein durchschnittlicher Wert.