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Wolfgang Petry wird 75: Deutsche Oasis
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Es waren die frühen 2000er und ich lebte in dem Glauben, dass Benjamin Franklin die Elektrizität zufällig entdeckt hatte, als ein Blitz seinen Flugdrachen traf. Jedenfalls stand ich vor dem CD-Regal meiner Eltern, als zwischen Bonnie Tyler und den Bläck Fööss der Blitz einschlug. Wolfgang Petry lachte mich an. Der Titel der CD: »Alles«. Das musste gut sein.
Ich nahm die CD mit in mein Zimmer, legte sie in den Player und hörte alles. »Verlieben, verloren, vergessen, verzeih’n«, »Der Himmel brennt«, »Du bist ein Wunder«. Ich war vielleicht neun oder zehn, weit entfernt vom ersten Verknalltsein, aber dank Wolle wusste ich jetzt, was Liebeskummer ist. »In meinem Kopf geht gar nichts mehr. Mein Herz, es braucht dich sehr.«
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Ich wurde älter, aber die CD wartete immer in meinem Zimmer. Später nahm »Alles« einen gehörigen Anteil auf den 256 MB meines MP3-Players ein. Während meine Kumpels im Schulbus mit einem Knopf im Ohr Sidos »Arschficksong« lauschten, blieb ich auf »Scheißegal« kleben. Als einer mal einen Blick auf den Display warf, erklärte er mir, wie peinlich das sei. Als unsicherer Teenager traf mich das, ich wollte ja nicht uncool sein. Wolle und ich, wir gingen durch eine Krise. »Und immer wieder, wenn ich dich dann zusammen mit ander'n seh, dann geht es mir richtig gut, doch es tut so weh.«
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Wahrscheinlich habe ich mich aufgrund dieser pubertären Selbstfindung lange von Wolle gelöst, genau kann ich das heute nicht mehr sagen. Verlorene Jahre! Ich zog für das Studium nach Münster, fand neue Freunde, einige aus dem Ruhrgebiet. Und dann war Wolle irgendwie zurück. Plötzlich sang er in Kneipen und verlängerte WG-Partys bis zum nächsten Morgen. »Für das, was wir lieben uns krummgemacht, wir lassen uns fallen, kopfüber in die Nacht.« Krummgemacht hatte sich von uns ehrlicherweise niemand, aber fallen lassen, das ging trotzdem.
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Mittlerweile hatte ich dann auch am eigenen Leib erfahren, was Liebeskummer ist. Hölle, Hölle, Hölle. Und Wolle ließ mich nicht im Stich. »Wir war'n wie Pech und Schwefel und lebten in den Tag. Zum Teufel mit der Liebe, die Gefühle ha'm versagt.« Recht hatte er.
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