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Höherer BMI in der Jugend hängt mit schnellerem biologischem Altern zusammen
Ein hoher Body-Mass-Index im Jugendalter könnte den biologischen Alterungsprozess noch Jahrzehnte später beschleunigen, darauf deuten Daten einer finnischen Langzeitstudie mit genetischen Analysen hin. Besonders deutlich war der Zusammenhang bei einer epigenetischen Uhr, die das Tempo des Alterns misst, während ein zweites Verfahren keine ebenso konsistenten Hinweise lieferte.
Jyväskylä (Finnland). Biologisches und kalendarisches Alter müssen nicht im gleichen Tempo fortschreiten, denn Veränderungen der DNA-Methylierung erlauben es, Alterungsprozesse mit sogenannten epigenetischen Uhren abzuschätzen und dadurch Unterschiede zwischen Menschen gleichen Alters sichtbar zu machen.
Ein hoher Body-Mass-Index (BMI) in der Jugend ist schon länger mit späteren Gesundheitsrisiken verbunden. Unklar ist jedoch, wie stark dabei die frühe Gewichtsentwicklung selbst, eine genetische Veranlagung oder ein dauerhaft höheres Körpergewicht bis ins Erwachsenenalter beitragen.
Forscher der University of Jyväskylä (JYU) um Elina Sillanpää haben diese Zusammenhänge nun anhand der Cardiovascular Risk in Young Finns Study untersucht. Die Ausgangskohorte umfasste 3.596 Kinder und Jugendliche im Alter von drei bis 18 Jahren, die seit 1980 über mehr als vier Jahrzehnte begleitet wurden. Für 2.045 Teilnehmer lagen mindestens zu einem Zeitpunkt Daten zur biologischen Alterung vor.
Dafür analysierte das Team DNA-Methylierung aus Blutproben von 1986, 2011 und 2018 und nutzte zwei unterschiedliche epigenetische Uhren. PC-GrimAge schätzt eine Abweichung des biologischen vom kalendarischen Alter, während DunedinPACE die Geschwindigkeit des biologischen Alterns pro Kalenderjahr beschreibt. Zusätzlich rekonstruierten die Forscher BMI-Verläufe im Alter von neun, zwölf, 15 und 18 Jahren und berechneten genetische Risikoscores für einen höheren BMI.
Entscheidend war vor allem das Niveau des BMI in der Jugend, denn ein höherer jugendlicher BMI hing 2011 und 2018 mit einem schnelleren Alterungstempo nach DunedinPACE zusammen. Wie stark der BMI während der Jugend anstieg, zeigte dagegen keinen systematischen Zusammenhang mit der späteren biologischen Alterung.
Auch die genetische Analyse wies in dieselbe Richtung, weil ein höherer genetischer Risikoscore für BMI mit einem höheren BMI in der Jugend und mit beschleunigter biologischer Alterung verbunden war. Der jugendliche BMI vermittelte dabei einen Teil dieses Zusammenhangs.
„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine genetische Veranlagung für einen hohen Body-Mass-Index mit beschleunigter biologischer Alterung zusammenhängt. Ein Teil dieses Zusammenhangs könnte dadurch erklärt werden, dass sich die vererbte Veranlagung in einem höheren BMI im Jugendalter widerspiegelt“, erklärt Anni Pitkänen von der University of Jyväskylä (JYU).
Um die Frage nach Ursache und Wirkung besser einzugrenzen, nutzten die Forscher zusätzlich die Mendelsche Randomisierung. Dabei dienen genetische Varianten als Instrumente, um einen möglichen ursächlichen Einfluss einer Exposition statistisch zu prüfen. Mit dem BMI-Risikoscore als Instrument ergab sich für DunedinPACE ein positiver kausaler Effekt.
Nach dieser Analyse war ein genetisch vorhergesagter Anstieg des jugendlichen BMI um 1 kg/m² mit einer um 0,02 biologische Jahre pro Kalenderjahr schnelleren Alterung verbunden. Rechnerisch entspricht das etwa sieben zusätzlichen Tagen biologischer Alterung pro Kalenderjahr. Mehrere Sensitivitätsanalysen stützten diesen Befund, Hinweise auf eine ausgeprägte gerichtete Pleiotropie fanden die Autoren dabei nicht.