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80-Kern-CPU Rhea1: Jupiter bekommt endlich seinen europäischen Prozessor
Jupiter ist bereits am Netz und bietet Exascale-Leistung in Deutschland. Doch das gilt primär für den GPU-Booster. Nun kommen endlich auch die CPUs. Diese werden von SiPearl in Form des Rhea1 mit viel Verspätung an Bull und anschließend nach Jülich geliefert. Damit kann der modulare Aufbau des Gesamtsystems fortgesetzt werden.
Im Fokus des Supercomputers Jupiter steht fast immer nur der GPU-Booster. Dieser wurde zuerst fertiggestellt und bietet über 1 ExaFLOP an Leistung, realisiert durch 5.884 Nodes mit je vier Nvidia GH200. Doch der Supercomputer soll weit mehr Aufgaben erfüllen, weshalb durch die Modulbauweise weitere Komponenten hinzugefügt werden. Der Universal Cluster mit vielen Prozessoren ist die zweite große Baustelle, die aktuell angegangen wird. Und genau dort werden auch 162 Nodes mit jeweils zwei Rhea1-Prozessoren von SiPearl installiert.
Die Geschichte hinter diesem CPU-Projekt ist bestenfalls schwierig. Einerseits will Europa damit zeigen, dass auch es unabhängig eigene Prozessoren bauen kann, andererseits hat sich das Projekt dadurch auch stark verzögert und liefert bei voller Integration im System dann im Jahr 2027 bestenfalls noch die Leistung der Vor-Vorgänger.
Denn 80 Kerne auf Basis von Arm Neoverse v1, gefertigt in N6 bei TSMC, dazu 64 GByte HBM2e und DDR5 – all das hätte man auch vor vier, fünf Jahren schon haben können. Doch seinerzeit suchte man noch den richtigen Weg, erst bei RISC-V, dann in Zusammenarbeit von Arm mit GPUs von Intel.
Dass die CPUs so spät dran sind, hatte auch Folgen für den deutschen Supercomputer. Denn während SiPearl Rhea1 noch immer nicht wirklich verfügbar ist und nun erst an die Systembauer von Bull gehen, kann das System dennoch nicht warten. Und so werden dort nun 582 Nodes mit jeweils zwei AMD Epyc 9655 mit jeweils 96 Kernen installiert. Der AMD-CPU-Anteil ist also 3,5-mal höher als der des europäischen Arm-Chips, dessen Leistung immer noch nicht offiziell bekannt gegeben wurde. Das soll aber noch im Herbst folgen.
Von den ursprünglich einmal geplanten über 1.300 Nodes mit Rhea-CPUs, die man selbst Mitte 2024 noch öffentlich so dargelegt hatte, ist so letztlich nur noch ein Bruchteil in Form von 162 Nodes geblieben. Von AMD war damals in diesem Cluster noch überhaupt keine Rede.
Nach dem ersten Prozessor folgt, wie schon vor sechs Jahren geplant, nun aber direkt der nächste. Bei Rhea2 sollte und muss es auch etwas schneller gehen, nachdem der schwierige erste Schritt nun erfolgt ist – noch einmal drei Jahre Zeit gibt es hier nicht. Im neuen französischen Exascale-System Alice Recoque soll bereits die zweite Generation des Rhea-Chips mit 128 Kernen pro CPU verbaut werden. Aber auch dort wird die EU-CPU eher nur die zweite oder gar dritte Geige spielen, wenngleich über 100.000 Kerne im System zu finden sein sollen – das könnten aber bereits 400 Nodes mit je zwei CPUs realisieren.
Den Hauptanteil in den insgesamt 94 Racks übernehmen jedoch Tausende AMD Epyc 9006 mit Zen-6-Architektur im Vollausbau mit 256 Kernen, Codename Venice, und die neuen AMD Instinct MI430X mit 432 GByte HBM4. Der Aufbau dieses Systems startet noch in diesem Jahr, abgenommen werden soll es im zweiten Halbjahr 2027.