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Durchbruch bei der Suche nach den Ursprüngen von Paris
Rätsel um Paris’ Anfänge: Unter dem Hôtel-Dieu auf der Île de la Cité haben Archäologen einen rund 20 Meter langen Wall aus Stein und Holz freigelegt. Bauweise, Brandspuren und erste Radiokarbondaten passen zu einem gallischen Befestigungswerk, das zur Siedlung Lutetia gehört haben könnte. Entscheidend ist jedoch: Funktion und genaue Chronologie sind noch nicht geklärt.
Paris (Frankreich). Wo die gallische Siedlung Lutetia lag, ist seit langem umstritten. Julius Cäsar beschrieb den Hauptort der Parisii als befestigte Siedlung auf einer Insel in der Seine. Die Île de la Cité passt zu dieser Schilderung, doch eindeutige archäologische Belege für eine größere gallische Ansiedlung fehlten bislang. Funde in Nanterre westlich von Paris hatten deshalb eine alternative Lokalisierung ins Spiel gebracht.
Seit Februar 2026 untersuchen Archäologen des Département d’histoire de l’architecture et d’archéologie de Paris (DHAAP) gemeinsam mit dem Institut national de recherches archéologiques préventives (Inrap) zwei Höfe des Hôtel-Dieu. Die Grabungen laufen im Zuge der geplanten Umgestaltung des Krankenhauses und stehen unter wissenschaftlicher Aufsicht der Direction régionale des affaires culturelles d’Île-de-France (DRAC Île-de-France). Grabungsleiter David Couturier und sein Team stießen im Sommer auf den nun vorgestellten Befund.
Der freigelegte Wall besteht aus Steinblöcken und horizontal eingebauten Holzelementen. Diese Bauweise ist typisch für gallische Befestigungen der späten Eisenzeit. Erhalten ist das Bauwerk auf rund 20 Metern Länge. Hinter dem Wall liegt zudem eine künstlich aufgeschüttete Plattform aus Sand und Kies, die stellenweise fast zwei Meter mächtig ist.
Besonders auffällig sind die Spuren eines heftigen Feuers. Die Steinfront ist verbrannt, in der Umgebung fanden die Archäologen verkohlte Samen und die Reste eines abgebrannten Holzgebäudes. Außerdem kam am Fuß des Walls eine gallische Lanzenspitze zum Vorschein. Radiokarbondaten von Holzelementen reichen nach Angaben des französischen Kulturministeriums von etwa 200 bis 10 vor Christus.
Damit liegt der Befund zeitlich in jener Epoche, in der die Parisii an der Seine siedelten. Auch das Jahr 52 vor Christus, in dem die Schlacht von Lutetia stattfand, fällt in diese breite Datierungsspanne. Cäsars Bericht zufolge setzten die Gallier ihre Siedlung vor dem Kampf gegen die Römer selbst in Brand. Die neuen Brandspuren sind mit diesem Szenario vereinbar, beweisen den Zusammenhang aber nicht.
Gerade diese Unsicherheit ist entscheidend. Die bisherigen Daten zeigen zwar einen gallischen Befestigungsbau aus der späten Eisenzeit, doch seine genaue Funktion und seine Bauzeit müssen noch präzisiert werden. Die Archäologen wollen unter anderem klären, ob der Wall tatsächlich Teil eines Oppidums war, ob er zusätzlich als Stützmauer diente und wann er zerstört und aufgegeben wurde.
Sollte sich die Deutung als Stadtbefestigung der Parisii bestätigen, wäre der Fund ein starkes materielles Indiz für ein gallisches Lutetia auf der Île de la Cité. Er würde zudem einen deutlich älteren Befestigungshorizont belegen als der bereits bekannte spätrömische Wall der Insel aus dem frühen 4. Jahrhundert nach Christus. Damit ließen sich zwei sehr verschiedene Phasen der Pariser Stadtgeschichte archäologisch klarer voneinander trennen.
Die Zusatzgrabungen sollen auch die Beziehung zwischen Wall und Plattform, mögliche Anlagen auf der Seine-Seite und eventuell ältere Siedlungsschichten untersuchen. Weil das Mauerwerk durch den Brand stark geschädigt und sehr fragil ist, soll es nicht vollständig an Ort und Stelle erhalten bleiben. Geplant sind ein Abguss, eine Rekonstruktion mit einzelnen Originalsteinen sowie eine umfassende digitale Dokumentation durch Photogrammetrie und 3D-Rekonstruktion.
Der Fund löst die alte Standortfrage deshalb noch nicht endgültig. Er verschiebt die Debatte aber deutlich, weil auf der Île de la Cité nun erstmals ein großer Befestigungsbefund vorliegt, dessen Bauweise