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Roman wegen KI-Verdacht aus Liste für französischen Literaturpreis gestrichen
Autor Thélyson Orélien: »Allem Anschein nach sehr weitgehend das Produkt einer künstlichen Intelligenz«
Wegen des Verdachts auf den Einsatz von künstlicher Intelligenz ist ein Roman des kanadisch-haitianischen Autors Thélyson Orélien von der Auswahlliste für den renommierten französischen Literaturpreis Prix Goncourt gestrichen worden. Es ist der Höhepunkt eines Skandals, der die französische Literaturwelt schon seit Tagen beschäftigt. Den Vorwurf gegen Orélien hatte zuerst eine anonyme Gruppe erhoben, jetzt scheint die Académie Goncourt dem gefolgt zu sein. Der Roman »C'était ça ou mourir«, zu dem Schluss seien mehrere Wissenschaftler und Journalisten bei Analysen übereinstimmend gekommen, sei »allem Anschein nach sehr weitgehend das Produkt einer künstlichen Intelligenz«, erklärte die Académie am Freitag.
Mit dem Schritt solle »die Integrität« der Auszeichnung und der Académie Goncourt geschützt werden, deren Ziel es sei, »von Frauen und Männern« – und damit nicht von KI – geschriebene Literatur zu würdigen und zu fördern, hieß es weiter. Es handele sich um ein »klares Signal«, dass die Akademie mithilfe von KI entstandene Texte »weder fördert noch auszeichnet«.
Der Autor Orélien hatte sich heftig gegen die Vorwürfe des anonymen Kollektivs gewehrt. In einem Interview mit der Zeitung »Libération« sagte er, er habe das Schreiben schon immer geliebt, er sehe keinen Grund, »warum ich dafür eine Maschine nutzen sollte«. Womöglich sei es seine von haitianischer Erzählweise beeinflusste Art, in »Schleifen und Bildern« zu erzählen, die den Detektor ausgelöst habe.
In Oréliens Wahlheimat Kanada war sein Debütroman zum »Phänomen des Literaturjahres« erklärt worden. Noch am Montag hatte Orélien den Preis der französischen Buchhandlungskette FNAC gewonnen und soll gute Chancen auf den Prix Goncourt gehabt haben. Sein französischer Verlag Grasset bezeichnete die Anschuldigungen als »auf grausame Weise verletzend«.
Der kanadische Verlag Boréal hat allerdings inzwischen angekündigt, alle Werbeaktionen für das im Frühling in Kanada erschienene Buch bis auf Weiteres einzustellen.
Bis vor Kurzem hatte sich der Präsident des Prix Goncourt, Philippe Claudel, skeptisch gegenüber dem KI-Vorwurf und vor allem dem Timing gezeigt. »Es handelt sich hier um einen kanadisch-haitianischen Autor, der auf Französisch schreibt, der schwarz ist; ein Ausländer, der über Migranten schreibt«, zitiert die Tagesschau Claudel. »Lauter Themen, die in einer sehr entflammbaren Atmosphäre stören können.«
Allerdings waren seit den ersten Vorwürfen noch mehr aufgetaucht: Kanadische Medien behaupten, in mehr als zehn Jahre alten Texten des Autors Plagiate entdeckt zu haben. Es scheint jedenfalls, als habe die Académie Goncourt mittlerweile beschlossen, dass der Roman des Preises nicht würdig sein kann.