// LINUXNEWS.DE — LINUX & OPEN SOURCE
SMIL: Der Standard, den Digital Signage ignoriert
Meine erste Digital-Signage-Erfahrung hatte ich Ende der 90er in ein paar Discotheken, in denen ich auflegte und nebenbei IT-mäßig aushalf. Seit 2012 betreibe ich eine eigene Firma, inzwischen mit einem kompletten Open-Source-Stack.
Bei Digital Signage geht es darum, Informationen über Bildschirme anstatt über Papier zu verbreiten. In den 90ern und frühen 2000ern gab es meistens Einzelplatzinstallationen, manche nutzten gar PowerPoint. Inzwischen dominieren zentral administrierbare Netzwerke und eine unglaublich hohe Anzahl an SaaS-Lösungen.
Die Branche ist extrem vertriebsorientiert und es gibt kaum bekannte Tech-Nerds oder Influencer. Fachpodcasts und Branchenmedien existieren, aber meist Werbe- und sponsoringfinanziert. Eine kritische technische Auseinandersetzung findet dort eher nicht statt.
Entsprechend wird alles dafür getan, Kunden so eng wie möglich zu binden. Mediaplayer und CMS kommunizieren miteinander, aber die Kommunikationssprache ist in der Regel proprietär. SaaS macht es obendrein noch intransparenter. Wir haben also eine Branche mit klassischem Vendor-Lock-in und all den nachteiligen Konsequenzen für die Kunden: Cloud-Zwang, monatliche Abrechnung, langfristige Bindungen mit hohem Investitionsrisiko, Wechselkosten und so weiter.
Der Markt ist zugleich stark fragmentiert. Kleinere Anbieter wie Agenturen scheuen die Kosten und bauen lieber eigene Software anhand konkreter Kundenanfragen. Jeder erfindet das Rad neu und glaubt dann, selbst etwas vom SaaS-Kuchen abzubekommen.
Das wäre Stoff für eine antike griechische Tragödie. Die Großen wollen keinen Standard, weil er ihre Kunden befreien würde. Die Kleinen bauen lieber ihr eigenes Ding und wissen noch nicht mal, dass es was gibt. Eine Lobby für einen gemeinsamen Standard gab es deshalb nie ernsthaft.
Dabei existiert er seit über 25 Jahren: SMIL, seit 2008 stabil in Version 3.
SMIL ist seit 1998 ein W3C-Standard für die Synchronisierung von Medieninhalten. Version 2.0 brachte eine Modularisierung, die es erlaubt, nur einzelne Teile wie das Timing-Modul in andere Formate zu übernehmen, statt die komplette Spezifikation zu implementieren. Deshalb findet man SMIL an unerwarteten Stellen.
Es wird für MMS genutzt, um mehrere Medien zeitlich zu koordinieren. Bild, dann Ton, dann Text. Bei der inzwischen nicht mehr existierenden HD-DVD steuerte SMIL innerhalb der Interaktivitäts-Schicht HDi die zeitliche Synchronisation von Menüs und Zusatzinhalten mit dem Hauptfilm. Auch E-Books im EPUB-3-Format nutzen SMIL, um vorgelesenen Text mit Audio zu synchronisieren.
Leider wurde es für etwas bekannt, was nur ein Bruchteil des Standards ausmacht: SVG-Animation im Browser.