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LSD verbessert beim Menschen das Bewegungslernen
Eine einzelne Dosis LSD beeinflusst das motorische Lernen offenbar noch am Folgetag. In einer randomisierten Crossover-Studie verbesserten gesunde Erwachsene ihre Geschwindigkeit nach einer Ruhephase stärker als nach Placebo, obwohl sich während des Übens kein Vorteil zeigte. Ob eine länger anhaltende Neuroplastizität dahintersteht und der Effekt therapeutisch nutzbar ist, bleibt offen.
Freiburg (Schweiz). Bewegungsabläufe werden nicht nur beim Üben gelernt, denn ein Teil des Fortschritts entsteht erst in Pausen, wenn das Gehirn zuvor trainierte Muster weiterverarbeitet und festigt. Gerade diese sogenannte Offline-Lernphase könnte durch LSD beeinflusst werden, obwohl die akute psychedelische Wirkung längst abgeklungen ist.
Forscher der Universität Freiburg (Unifr) um Dr. Abigail Calder haben diesen Nachhall in einer randomisierten, doppelblinden Crossover-Studie untersucht. An der Studie nahmen 45 gesunde Erwachsene teil, wobei für die meisten Auswertungen Daten von 43 Personen und für den motorischen Lerntest von 42 vorlagen. Alle Teilnehmer erhielten an zwei Studientagen 100 Mikrogramm LSD oder ein inaktives Placebo, getrennt durch mehr als vier Wochen.
Am Tag nach der Einnahme tippten die Teilnehmer mit der linken, nicht dominanten Hand eine neunstellige Tastenfolge. Sie übten die Sequenz in zehn Blöcken mit jeweils 30 Durchgängen und wurden nach 10 sowie nach 80 Minuten erneut getestet. Während der Übungsblöcke verbesserte LSD weder die Tippgeschwindigkeit noch die Genauigkeit stärker als Placebo.
Der Unterschied zeigte sich erst beim erneuten Testen, denn nach 80 Minuten war der zusätzliche Geschwindigkeitsgewinn gegenüber dem letzten Übungsblock in der LSD-Bedingung 32,8 Prozent größer als unter Placebo. Die höhere Geschwindigkeit ging nicht mit mehr Fehlern einher und spricht dafür, dass LSD in diesem Versuch vor allem die Festigung des zuvor Geübten beeinflusste, nicht aber das unmittelbare Üben selbst.
„Das ist unseres Wissens die erste kontrollierte Studie, die eine Verbesserung des motorischen Lernens nach einem Psychedelikum zeigt“, sagt Dr. Abigail Calder.
Warum der Effekt auftrat, lässt sich aus der Studie nicht ableiten, obwohl die Forscher mehrere neurophysiologische Marker untersuchten. Dazu gehörten EEG-Signale, durch transkranielle Magnetstimulation ausgelöste motorische Antworten und der Wachstumsfaktor BDNF. LSD veränderte einige elektrische Hirnsignale akut und teilweise noch später, der BDNF-Spiegel blieb hingegen unverändert.
Zudem erzeugten die beiden verwendeten Verfahren zur Messung einer länger anhaltenden synaptischen Verstärkung nicht zuverlässig die erwartete Reaktion. Damit liefert die Untersuchung keinen direkten Beleg, dass eine anhaltend erhöhte synaptische Plastizität den motorischen Vorteil verursacht hat. Aufmerksamkeit, Motivation oder Wachheit wurden ebenfalls nicht systematisch erfasst und könnten das Ergebnis mit beeinflusst haben.
Eine Woche nach der LSD-Sitzung berichteten die Teilnehmer im Mittel weniger wahrgenommenen Stress. Auf einem Fragebogen zur kognitiven Flexibilität stieg außerdem die Unterdimension, die das Finden verschiedener Alternativen erfasst, während sich die zweite Unterdimension zur wahrgenommenen Kontrolle nicht veränderte.
Diese Befunde sind vorsichtiger zu interpretieren als der motorische Test, weil alle Teilnehmer erkannten, in welcher Sitzung sie LSD erhalten hatten. Dadurch war die Verblindung praktisch aufgehoben und Erwartungen könnten vor allem die Selbstauskünfte beeinflusst haben. Zudem war die Stichprobe relativ klein und die motorische Leistung wurde nur am Folgetag geprüft.